Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Zähneknirschen in Schwedt

© Foto: MOZ
Alexander Kempf / 24.06.2010, 08:24 Uhr
Schwedt (In House) Die alte Hauptpost hat einen neuen Besitzer. Der Bernauer Zahnarzt Dr. Dirk Weßlau möchte hier eine überregionale Praxis eröffnen. Die Schwedter Zahnärzte bewerten sein Vorhaben kritisch.

Das alte Hauptpostamt bereitet den Schwedtern seit geraumer Zeit Zahnschmerzen. Wie ein toter Zahn steht das Gebäude im überwiegend sanierten Stadtkern. Seit kurzem aber tut sich etwas. Ein Bauzaun verheißt einen neuen Investor. Das Feld, das den Bauherrn auf dem Bauschild ausweist, ist bisher weiß geblieben. Auch sonst findet sich kein Hinweis auf den neuen Besitzer. Es gibt weder eine Klingel, noch einen Briefkasten.

Und doch weiß mancher in Schwedt schon, wer das Hauptpostamt erworben haben soll. Seit Oktober vergangenen Jahres munkeln die Schwedter Zahnärzte, ihr Bernauer Kollege Dr. Dirk Weßlau wolle eine Zahnklinik in dem historischen Gebäude eröffnen. In Bernau und Eisenhüttenstadt betreibt der Zahnarzt und Unternehmer bereits vergleichbare Einrichtungen. Seine mögliche Expansion in die Uckermark könnte eine Ursache für die Gründung des Vereins Zahnärzte Schwedt im Dezember vergangenen Jahres gewesen sein.

Regionale Zahnärzte, Kieferorthopäden, Kieferchirurgen und Dentallabore hatten sich zu einer Interessengemeinschaft zusammengeschlossen, um die Zusammenarbeit zu verbessern. Ein Novum in Deutschland. Mittlerweile zählt der Verein 
25 Mitglieder. Über 80 Prozent der vor Ort ansässigen Zahnärzte sind dem Bündnis beigetreten. Der Verein betont auf seinem Internetauftritt explizit die regionale Verwurzelung seiner Mitglieder und nennt die Sicherung von Arbeitsplätzen in der Region als eines seiner Hauptziele.

Der Schwedter Zahnarzt Axel Haedicke, Initiator des Vereins Zahnärzte Schwedt, legt Wert auf die Feststellung, Hauptanliegen seines Vereins sei es, Patienten im kollegialen Schulterschluss bessere Behandlungen anzubieten. Therapiemodelle, kein Geschäftsmodell, stünden im Vordergrund. An der Oder herrsche keine Unterversorgung, erklärt Axel Haedicke im Hinblick auf eine mögliche Zahnklinik. „Schwedt ist ein Beispiel für zu viele Zahnärzte.“

Offiziell beträgt der Versorgungsgrad mit Zahnärzten in der Uckermark
100,2 Prozent, teilt Gabriele Sotscheck von der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Land Brandenburg mit. Eine Aufschlüsselung nach Städten existiere nicht. „Es gibt keinen Mangel an Zahnärzten in der Uckermark“, befindet die zuständige Abteilungsleiterin für Zulassungen. Der Versorgungsgrad habe aber lediglich empfehlenden Charakter, jeder Zahnarzt könne selbst entscheiden, wo er eine Praxis eröffnet.

Das Zähneknirschen der Kollegen ist Dr. Dirk Weßlau, dem neuen Besitzer der ehemaligen Hauptpost, nicht entgangen. „Ich habe das Haus mit meiner Frau Karola im März gekauft“, macht er den Spekulationen ein Ende. Nach dem Erhalt der Baugenehmigung, sollen nun die Fenster des Gebäudes erneuert werden. Zunächst sei es ihm jedoch wichtig, kein weiteres Glas zu Bruch gehen zu lassen. „Natürlich gibt es Unwohlsein“, sagt er. Doch allen Zahnärzten sollte an einer kollegialen Zusammenarbeit gelegen sein.

Er sieht einen Bedarf an zusätzlichen Zahnärzten in der Oderstadt. „Ich selbst habe 300 Patienten aus Schwedt, die zu mir nach Bernau kommen“, sagt er. Zudem seien in Schwedt in der Vergangenheit Praxen geschlossen worden. Für ihn gute Gründe, die ehemalige Hauptpost weiter zügig zu sanieren. „Eine Eröffnung Anfang 2011 ist realistisch.“

Zunächst wird sich eine Assistenzzahnärztin fest in Schwedt niederlassen, erklärt der Bernauer. Zukünftig sollen dann vier Zahnärzte sowie eine Mund-Kiefer-Gesichtschirurgin je nach Bedarf die Schwedter Praxis anfahren. Betrieben wird die Niederlassung offiziell von einer überörtlichen Berufsausübungsgemeinschaft um Dr. Dirk Weßlau, eine Art Sozietät von sechs Zahnärzten an vier Standorten.

Noch ist viel zu tun. Schmierereien zieren die Fassade des Gebäudes. Im Eingang hat jemand einen Teufel an die Wand gemalt. Zwischen den Treppenstufen am Eingang sprießt Löwenzahn.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG