Der Jugendökohof Crussow muss nach über 20 Jahren seinen Namen ändern. Der Landkreis Uckermark verlangt die Umbenennung, weil der Zusatz „Öko“ Verbrauchertäuschung sei. Die gemeinnützige Einrichtung trägt kein anerkanntes Bio-Siegel.
Die Hühner scharren friedlich im grünen Gras. Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang haben sie Auslauf auf der großen Wiese und gehen nur zum Schlafen und Eierlegen in den Stall. Der steht auf Rädern und wird alle paar Tage umgestellt, damit  die 240 Hennen immer frisches Gras finden und der Boden nicht durch Hühnerkot verseucht wird. Medikamente sind in der mobilen Hühnerfarm deshalb ebenso überflüssig wie Zusatzstoffe im Futter.
„Unsere Eier haben Bio-Qualität“, schwört Geschäftsführer Steffen Peuker und zählt ebenso den Bienenhonig, die Dexter-Rinder und das Obst und Gemüse dazu, das auf dem Bauernhof gedeiht. Doch als Bioware darf er seine Produkte nicht anpreisen und tut es auch nicht. „Bei uns kann jeder Besucher selbst sehen, wie artgerecht und natürlich unsere Tiere gehalten und der Garten bewirtschaftet werden. Hier ist alles regional und ohne Chemie.“ Trotzdem wurde Peuker jetzt vom Landkreis Uckermark aufgefordert, den Namen der gemeinnützigen  GmbH zu ändern und das Wort Öko zu streichen. Es sei Verbrauchertäuschung, weil der Bauernhof kein zertifzierter ökologischer Landbetrieb ist. Das aufwändige und kostspielige Zertifizierungsverfahren für ein offizielles Bio-Siegel kann sich der kleine Bauernhof nicht leisten, dessen Hauptanliegen Umweltbildung und Freizeitangebote für Kitas, Schulen und Familien ist. Als zweites Standbein gibt es auf dem Hof ein betreutes Wohnprojekt für schulmüde Kinder und Jugendliche.
„Wir zeigen hier anschaulich, wie traditionelle Landwirtschaft im Einklang mit der Natur in kleinen regionalen Kreisläufen funktionieren kann und wo die Lebensmittel herkommen, die viele Stadtkinder nur noch als Fertigware aus dem Supermarkt kennen“, sagt Steffen Peuker.
Dass ihm nun Verbrauchertäuschung vorgehalten wird, wundert und ärgert ihn. „Wir haben nie Bio auf unsere Eier oder den Honig geschrieben. Dennoch stößt man sich plötzlich an dem Öko-Zusatz unseres Namens, der auf den Etiketten als Herkunftsnachweis abgedruckt ist. Aber die Kunden sehen und wissen, was sie kaufen. Wir wollen ehrliche, nachvollziehbare Produkte herstellen“, betont Steffen Peuker und ist frustriert über so viel Pingeligkeit im Kleinen, während anderswo über große Probleme hinweg gesehen werde. Mit seinen drei Mitarbeitern hat er über einen neuen Namen beraten. Wichtig sei der Wiedererkennungseffekt im bekannten Logo. Jetzt heißt der Jugend-Ökohof Jugend-Landhof. Doch die Umbenennung kostet Zeit und Geld. „Wir müssen alles umstellen, vom Briefkopf über Notar bis zu unserer Satzung und auch alle unsere Partner und Firmen über die Namensänderung informieren“, erklärt Steffen Peuker.
Die Besucher wird es nicht weiter stören. Am Hof ändert sich ja nichts. Hier können sie nicht nur glückliche Hühner, sondern auch die kleinste Rinderrasse der Welt auf der Weide sehen, Kaninchen und Meerschweinchen streicheln, Schweine und Ziegen füttern, in der Schauimkerei und Hofmosterei Honig schleudern oder Apfelsaft pressen und am Hühnermobil Eier aus dem Nest der handzahmen Hühner sammeln. In den Holzhütten kann man urig übernachten und Lagerfeuerromantik erleben.
Bis zu den Sommerferien haben sich schon zahlreiche Gruppen angemeldet. Schulklassen verbringen hier gern Wander- und Projekttage, Kitas Kinder- und Abschlussfeste, auch Wandergruppen und Eselwanderer rasten hier gern und genießen die ländliche Gastfreundschaft nun im Jugend-Landhof Crussow.