Die hatte ihren letzten großen Auftritt sage und schreibe vor über 20 Jahren in Resident Evil: Nemesis. Damals flüchtete sie aus Racoon-City, bevor die Stadt zerstört wurde. Dorthin führt uns auch "Resident Evil 3" zurück. Wie schon vergangenes Jahr haben die Japaner erneut einen Klassiker der RE-Reihe einer umfassenden Erneuerung unterzogen. Das gilt vor allem in Sachen Optik und Gameplay, wirkt sich aber auch teils auf die Story aus. Die ist kurz erklärt: Weil der Ausbruch des T-Virus - der aus allen Befallenen blutrünstige Zombies macht - nicht mehr zu stoppen ist, hat die US-Regierung beschlossen,Stadt, Untote und Umbrella per Nuklearschlag ein für allemal zu vernichten. Weil aber noch viele Menschen sich in Racoon City aufhalten, haben Jill und andere um Aufschub gebeten, in der Hoffnung, einen offensichtlich vorhandenen Impfstoff zu finden.
Die Jagd nach diesem nimmt in der auf Solospieler ausgelegten Kampagne je nach Fähigkeit rund acht Stunden ein. Die ist man mit der taffen Polizisten allerdings nicht allein. Neben einige NPGs, die ein wenig zum Gesamtverständnis der Geschichte beitragen, ist da vor allem Carlos, ein Umbrella-Mann, der die Verantwortung des Konzerns für die Katastrophe erkennt und auf Jills Seite steht. Entsprechend wechselt der Spieler an bestimmten Punkten des Geschehens die Charaktere, inklusive verschiedener Waffen und Ausrüstungen. Das allerdings beeinflusst das Spielgefühl nur bedingt, da beide Figuren gleichen Mechanismen folgen. Mit Nemesis kommt dann noch der Super-Bio-Soldat hinzu, den defacto nichts vernichten kann. Mit ihm wird allerdings nur Jill konfrontiert. Die wie Bosskämpfe angelegten Auseinandersetzungen verlaufen dabei nach stets dem gleichen Schema, bei dem Flucht an erster Stelle steht.

Jill Valentine und Racoon-City sehen phantastisch aus

Auch der Rest der Handlung folgt festen Strukturen. Um bestimmte Türen zu öffnen sind Karten oder Schlüssel notwendig, die wiederum irgendwo versteckt sind. Die zu finden müssen Jill/Carlos möglichst das gesamte Areal durchsuchen und sich dabei ständig mit Untoten oder anderen Kreaturen auseinandersetzen, die plötzlich auftauchen, durch Decken fallen o.ä. Anders als im Original ist man jedoch - außer im Speicherraum - nie sicher. Denn die Zombies folgen auch durch geschlossene Türen. Und selbst vermeintlich final erledigte Gegner kehren gern nochmals für einen Angriff zurück. Das allerdings ist nicht wirklich problematisch, da es Waffen und Munition zuhauf gibt. Zudem kann ohne Verwendung von Farbbändern unbegrenzt gespeichert werden. Dazu setzt das Spiel eigene Speicherpunkte automatisch.
Auch wenn die Areale großzügig bemessen sind, wirklich frei bewegen können sich die Figuren nicht. Die Wege sind durch Bebauung oder künstliche Barrikaden vorgegeben. Immer wieder müssen Schalter aktiviert werden, die dann auch Fahrstühle oder Hebebühnen in Bewegung setzen. So erlangt man Zugang zu sonst verschlossenen Arealen. Dank der Karte jedoch bleibt alles recht übersichtlich. Unterschiedliche Farben signalisieren gar, ob ein Abschnitt komplett durchsucht wurde. Das hilft. Auch, das gefundene, aber nicht mitgenommenen Gegenstände aufgelistet werden. So kann bei Bedarf später unkompliziert eingesammelt werden. Nicht alle notwendigen Handlungen allerdings erklären sich von selbst. Mitunter kommt man nur über try-and-error zum Ergebnis, was die Spielzeit ein wenig streckt.
RE-Veteranen werden vielleicht ein wenig den subtilen Horror der Vorgänger vermissen. Denn RE 3 ist deutlich actionlastiger ausgelegt. Wer hier stets und mit allem rechnet wird kaum überrascht. Dennoch ist atmosphärisch die Geschichte dicht, haben wir es mit vielen dunklen und unübersichtlichen Abschnitten zu tun. Dazu sieht das Game fantastisch aus. Die Areale kommen ungemein echt rüber, die Animation von Mensch, Zombie und Kreatur sind wirklich beeindruckend. Gleiches gilt für die Spezialeffekte. Die Waffenwirkung rangiert auf dem Niveau von Hollywood-Blockbustern wie teils die gesamte Grafik. Kurzum, die Präsentation der Geschichte ist toll. Wer sie einmal durchgespielt hat, kann seine gesammelten Erfahrungspunkte dann in einem freigeschalteten Shop gegen Goodies eintauschen, mit denen ein erneuter Durchgang, auch auf der Suche nach nicht gefundenen Geheimnissen und Objekten, durchaus unterhaltsam ist.
Resident Evil 3; Capcom für PS 4; XBoxOne