Die Wirklichkeit konfrontiert einen mit knapp 15 000 möglichen Studienrichtungen deutschlandweit. Bei vielen Fachbereichen gibt es unzählige Unterkategorien, den perfekten Studiengang zu finden erscheint hoffnungslos. Einige Fachbereiche kann ein Normalsterblicher nicht einmal aussprechen! Und woher soll man wissen, ob der angestrebte Beruf auch in der Praxis zu einem passt?
Ein kleiner Lichtblick eröffnet sich zumindest für naturwissenschaftlich-mathematisch Interessierte. Die Technische Universität (TU) Berlin bietet das innovative MINTgrün-Orientierungsstudium an. Es ist das erste universitäre Studium, für das man sich nicht auf ein konkretes Fach bewerben muss. Das zwei Semester andauernde Projekt ist die ideale Möglichkeit, sich entsprechend seiner Interessen auszuprobieren und seine wissenschaftlichen Interessenbereiche einzugrenzen.
MINTgrün, das steht für die vier Hauptbereiche: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Besonderer Wert wird in diesem Studium auf Nachhaltigkeit gelegt. Wer sich in (mehreren) dieser Richtungen zuhause fühlt, aber noch nicht drauflos studieren möchte, kann sich sehr gut spezialisieren.
Für die einjährige Orientierungsmöglichkeit schreibt man sich ohne Bewerbung online eins, gilt aber trotzdem nach Annahme als normaler TU-Student mit Semesterticket und BaFöG-Berechtigung. Zur Immatrikulation braucht es nur einige Personalien und eine Hochschulzugangsberechtigung (der Durchschnitt zählt dabei nicht). Auch reicht die Bewerbungsfrist bis unmittelbar vor Studienbeginn. Jeder, auch bereits Studierende und Spätentscheider, habe so alle Chancen. Studieninteressierte mit ausländischen Bildungsabschlüssen müssen sich normal bewerben. Das Studium beginnt aktuell ausschließlich im Wintersemester. Die Kapazitäten belaufen sich hierbei - laut TU - auf etwa 100 Studenten pro Jahr.
Ziel des Studiums ist es, verschiedene Fragestellungen, Arbeitstechniken und Methoden der MINT-Fächer kennenzulernen. Interessenten sollen sich nach Lust und Laune ausprobieren. Außerdem werden die Studenten unterstützt, nach einem Jahr ihren entsprechenden Studiengang zu finden und möglicherweise gleich an der TU Berlin weiter zulernen.
Was ist das Besondere? Bei MINTgrün stellten sich die Studenten sich ihre Module nach minimalsten Vorgaben selbst zusammen. Neben Vorlesungen werden die Projektlabore Mathesis (Mathematik in der Arbeitswelt), Robotik, das Umweltlabor und das Labor der Kreativität und Technik angeboten. Diese Labore sind exklusiv für die MINT-Studierenden zugänglich. In ihnen wird zu selbst gewählten Projekten aktuellster Forschungsthemen frei gearbeitet. Im Orientierungsstudium gibt es zum Beispiel freiwillige Mathe-Tutorien, in denen Studenten Schwierigkeiten in diesem Fach gemeinsam überwinden und sich auf folgende Semester vorbereiten können. Angeboten werden ebenfalls die Hilfe bei der Studienwahlentscheidung, persönliche Studienberatung und Reflexion von gelerntem.
Reguläre MINT-Vorlesungen und freie Wahlvorlesungen an vielen Universitäten Berlins sind ebenfalls im Studium enthalten. Der Kontakt zu Studierenden wird durch fächerübergreifende Projekte und gemeinsame Vorlesungen gefördert. Auch zwei freiwillige Studienfahrten sollen den Kontakt fördern.
Die Modulauswahl ist groß: Mathematik für Ingenieure, Technikgeschichte, Chemie für Physiker, Computerorientierte Mathematik, Experimentalphysik, Elektrische Energiesysteme, Sprachkurse, Verkehrswesen, auch Genderstudies oder Umgangsweise mit LaTeX, einem wissenschaftlichem Textsatzsystem und das exklusive "Wissenschaftsfenster" und vieles mehr. Hier findet jeder etwas. Auch eventuell bestehende Berührungsängste können abgebaut werden.
Bei allen Freiheiten: Benotung und Prüfungen finden in den zwei Semestern trotzdem statt. Die erbrachten Leistungen können für das darauffolgende Studium anerkannt werden.
Informationen unter mintgruen@math.tu-berlin.de; www.mintgruen.tu-berlin.de