Aufwühlende Tage liegen hinter Paul Lips. Mit Freunden hatte er sich in der letzten Woche aufgemacht, um mehrere Kleinbusse – vollgepackt mit Sachspenden bis unters Dach – bis an die polnisch-ukrainische Grenze zu bringen. „Wir haben uns überschätzt“, lautet sein erstes Fazit dieser besonderen Reise. Nicht nur die körperliche Belastung der elfstündigen Fahrt habe ihm zugesetzt, auch das Gesehene, Gehörte und Gefühlte zu verarbeiten und weiter zu funktionieren, sei nicht leicht gewesen. „Es war anstrengend, elf Stunden allein im Auto zu sitzen mit all den Gedanken und Gefühlen“, sagt er, „mir tat es gut, dass ich bei meiner Freundin Katja alles los werden konnte“. Die habe beim Telefonieren sofort gemerkt, dass Paul mit dem Erlebten haderte.

„Menschen sitzen auf der Straße am Feuer... es ist unbeschreiblich grausam“

Statt wie geplant nach Korczowa fuhr der Konvoi an einen kleinen Grenzübergang des Ortes Hrebenne, nur 70 Kilometer von der ukrainischen Stadt Lwiw entfernt. Während die großen Kontrollpunkte gut organisiert seien, fehle es an den kleinen Grenzübergängen an allem. „Menschen sitzen auf der Straße am Feuer, drei Mann teilen sich eine Decke, es ist unbeschreiblich grausam“, berichtet Paul. „Die Leute fragen mich oft, ob ich Fotos gemacht habe“, erzählt er weiter, „Aber wovon? Das Leid der Menschen ist unvorstellbar“. Er könne die Frage nachvollziehen, weil man es sich einfach nicht so schlimm ausmalen könne, wie es vor Ort wirklich sei.

Sachspenden übergab der Bad Belziger an die polnische Caritas

Schon bei der Ankunft im polnischen Hrebenne habe er gewusst, dass er es nicht lange dort aushalten würde: „Die traurigen Augen, leeren Blicke, das werde ich nie vergessen. Das erträgt man ganz schlecht.“ Die Sachspenden der Bad Belziger übergab er an die polnische Caritas. Eine Ukrainerin, die den Spendentrupp begleitete, hatte das vor Ort organisiert. Auch in Polen sei alles behelfsmäßig. Auf einem privaten Grundstück luden die Helfer ihre Transporter aus und wurden dort als Dank zu einer warmen Hühnersuppe eingeladen.

Für einen weiteren Konvoi fehlt den Bad Belzigern ein Fahrzeug - wer kann helfen?

Paul betont: „Ohne meinen Freund Marcus wäre das alles nicht möglich gewesen.“ Marcus Gädtke aus Freienthal hatte im Vorfeld die Fahrzeuge für den Transport organisiert. Während er einen Kleinbus vom Dibo-Service besorgte, stellte er auch seinen eigenen zur Verfügung. „Marcus ist jetzt schon wieder in Slovenien“, erklärt Paul anerkennend, „um Menschen aus der Ukraine abzuholen. Wir konnten leider nur vier Ukrainerinnen mit zurück nehmen.“ Damit kommt er auf ein Problem zu sprechen: Im April soll es einen zweiten Konvoi mit Hilfsgütern zur Grenze geben. Allerdings fehlt den Helfenden ein dringend benötigtes Fahrzeug. Wer mit einem Kleinbus, Transporter, Neunsitzer aushelfen kann, meldet sich bei Paul Lips unter paul.lips@gmx.de.

Paul Lips und Freundin Katja Weide sammeln weiter für in Deutschland ankommende Ukrainer

„Aktuell sammeln wir für Ukrainerinnen und ihre Kinder, die in Deutschland ankommen“, berichtet Paul weiter. Vor allem Kleidung und Kuscheltiere trägt er deshalb am Freitag gemeinsam mit Freundin Katja Weide zusammen. „Wir sind glücklich, wenigstens einigen Menschen helfen zu können“, sagen sie.