Der Schriftverkehr mit Behörden füllt einen dicken Ordner. Herausgekommen ist bislang nichts, sagt er und fragt: "Kann man gegen den Lärm nichts machen? Wo bleibt die Hilfe von amtlicher Seite?"
Hans Jürgen Döring fordert, dass die Zusage eingehalten wird, zumindest von 22 bis 6 Uhr die Nachtruhe einzuhalten. "Wenn es rumst, kann ich nicht schlafen. Der Lärm macht mich krank", sagt der Pinnower. "Ich leide seit zehn Jahren an Bluthochdruck und habe nachts Herzrasen." Seine Messungen besagen, dass in der Nacht von 23. zum 24. Mai 2012 zwischen 22 und 2 Uhr 46 Dezibel gemessen wurden, in Spitzen sogar 65,9 dB(A). Das Immissionsschutzamt in Schwedt, eine Behörde des Landesumweltamtes, habe eine Überschreitung der erlaubten Werte bestritten. Hans-Jürgen Döring meint: "Die Spitzenwerte bei den wiederkehrenden Detonationen werden heruntergerechnet".
Christoph Rüssel, Geschäftsführer der Nammo Buck GmbH, bestätigt, dass die Auseinandersetzungen mit Hans-Jürgen Döring das Unternehmen seit mehreren Jahren beschäftigen. "Wir haben alles versucht, um mit ihm zu reden. 2004 gab es erste Anfragen von Anwohnern zur Immission. Daraufhin wurden vom Amt für Immissionsschutz einzuhaltende Richtwerte festgelegt", sagt Christoph Rüssel. Für die thermische Entsorgungsanlage gebe es eine Betriebserlaubnis, für die zusätzliche Immissionswerte festgelegt wurden. An bestimmten Messpunkten werde regelmäßig gemessen. "Wir halten uns an die erlaubten Werte, auch in der Nacht", stellt er klar und erinnert in diesem Zusammenhang an eine Aussage von Hans-Jürgen Döring vom 28. Oktober 2013 in einer Gemeindevertretersitzung. Damals musste Christoph Rüssel eine Stellungnahme zu dem Vorwurf abgeben, der protokolliert wurde: "Am 24. Juli 2013 gegen 5.45 Uhr vernahm Herr Döring einen lauten Knall, vermutlich eine Detonation bei der Firma Nammo Buck GmbH. Er behauptet, dass die auf dem Truppenübungsplatz entdeckten Splitter davon herrühren. Er verlangt Aufklärung, um eventuelle Gefahren auszuschließen." In einer Stellungnahme schrieb der Geschäftsführer von Nammo Buck: "Am 24. Juli 2013 hatten wir gegen 5.45 Uhr weder eine Detonation noch ein Vorkommnis mit einem Knall. Es gab auch zu diesem Zeitpunkt keine Splitter von Munition oder sonstigen Komponenten, die von unserem Betriebsgelände ausgehend unkontrolliert umhergeflogen sein könnten. Desweiteren haben wir keine Kenntnis von einem Truppenübungsplatz in der unmittelbaren Nachbarschaft unseres Unternehmensstandortes in Pinnow."
Das Landesamt für Umwelt, Gesundheit und Verbraucherschutz Brandenburg teilt mit, dass Nammo Buck auch nachts die Entsorgungsanlage betreiben darf. Das Landesamt führt seit 2004 Lärmmessungen durch. Die jüngsten Messungen stammen aus 2012. "Im Zeitraum 2006 bis 2011 lagen alle Lärmmessungen innerhalb der zulässigen Richtwerte. Bei einer Messung im Mai 2012 wurde eine Überschreitung des zulässigen Beurteilungspegels während der Nachtzeit von 40 dB(A) um 6 dB(A) und des zulässigen Spitzenpegels von 60 um 5,9 dB(A) festgestellt. Die Nammo Buck GmbH veränderte auf Grund der ermittelten Überschreitungen die Menüs der zu entsorgenden Munition. Die nachfolgenden Kontrollmessungen bestätigten die Einhaltung der Richtwerte. Wie das Landesamt mitteilt, gebe es außer Hans-Jürgen Döring noch einen weiteren Beschwerdeführer.
Auf die Frage, ob bei aufeinanderfolgenden Lärmspitzen eine Kappung und Herunterrechnung der Werte erfolge, wie Hans-Jürgen Döring vermutet, teilte Thomas Frey, Referent des Landesumweltamtes, mit: "In die Messauswertung gehen alle Lärmereignisse ein, die dem zu beurteilenden Anlagenbetrieb zuzuordnen sind. Ein Kappen der Lärmspitzen erfolgt nicht, auch nicht bei schnell aufeinander folgenden Lärmspitzen. Bei der Auswertung werden lediglich die Fremdgeräusche ausgeblendet, die nicht dem Anlagenbetrieb zuzuordnen sind. Typische Fremdgeräusche sind zum Beispiel Verkehrsgeräusche, Vogelgezwitscher usw."
Der ehrenamtliche Pinnower Bürgermeister Walter Kotzian kennt die Problematik. Er sagt "Zu Ostern war die Lärmbelästigung schon extrem. Mehrere Bürger sind auf mich zugekommen. Wir werden uns in der Gemeindevertretung um das Thema kümmern und versuchen, eine Lösung zu finden, die allen gerecht wird - dem Unternehmen, aber auch den Einwohnern. Wir brauchen das Gewerbe und Arbeitsplätze, sind aber auch den Bürgern verpflichtet."