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Russische Erde und Ernte Spenden aus Neuholland

Antje Jusepeitis / 22.09.2017, 17:54 Uhr
Die Exklave Kaliningrad, (Oblast) Die Kaliningrader Oblast, in welcher alle von den Spendenüberbringern angesteuerten Orte liegen, gibt es seit Ende des Zweiten Weltkrieges, nachdem die Region, das frühere Ostpreußen, der einstigen sowjetischen Union angegliedert worden war. Jetzt ist sie Teil der russischen Föderation unter Präsident Wladimir Putin. Hauptstadt der Oblast mit rund 1 Million Einwohnern ist die Stadt Kaliningrad (Königsberg). Die Föderation hat das Gebiet für Touristen geöffnet. Den Tourismus soll unter anderem die 2018 in der russischen Föderation ausgetragene Fußball WM fördern. Am 10.Septemberfanden Gouverneurswahlen statt. In den meisten Kommunen siegten die Kandidaten der regierenden Mehrheitspartei Jedinaja Rossija; (Geeintes Russland). Von den EU-Embargos gegen Russland spüren Touristen zumindest auf Läden und Märkten nichts. Es gibt Waren im Überfluss. Auf einem Areal von 30000 Hektar leben etwa 100000 Rinder, die Russland unabhängig von Fleischimporten machen sollen . • tja

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Kaliningrad/Gerhard Steger

Neuholland/Kaliningrad. (mae) Zum 30. Mal rollte Anfang September ein Kleinbus mit Spenden aus Neuholland ins Kaliningrader Gebiet. Organisiert hat die Fahrt Gerhard Steger, früherer Bürgermeister und Gemeindevertreter, der dem Gebiet und seinen Menschen sehr verbunden ist. Es war die letzte Fahrt in dieser Form. Der Verein Anthropos will Stegers Kontakte weiter pflegen.

Ernte von Mutters Erde - mit diesen Worten übergibt Soja Sherkowa ihrem Besucher einen Korb. Gefüllt ist er mit Äpfeln, würzigem Gurkensalat, ebenso mit einem Jumboglas eingelegter Paprika, Tomaten, Zwiebeln und Gurken. Gebacken hat die Seniorin auch: Kuchen und Piroggen. Gerhard Steger ist gerührt. Tränen steigen ihm gar in die Augen als ihm Soja Sherkowa den Ofen in ihrem Haus zeigt, den einst Gerhard Stegers Mutter heizte. Denn in dem Haus im Beethovenweg 2 in Gussew, dem früheren Gumbinnen in der Kaliningrader Oblast, wurde Gerhard Steger im Januar 1938 geboren. Er trauert jedoch nicht dem verlorenen Land, das einst Ostpreußen war, nach. Steger hat seit 1999 russische Freundschaften geschlossen. Unter anderem mit Soja. Sie und viele Menschen um Kaliningrad herum liegen ihm am Herzen. Er will sie unterstützen, sammelt dafür in Neuholland und Umgebung Spenden. Der 30. Hilfstransport ist seit dem 7. September zurück. Zum 29.Mal war Steger selbst mit unterwegs. Er will seine persönlichen Belange nie in den Vordergrund stellen. Deshalb bleibt nur für einen Kurzbesuch bei Soja Zeit. Streng getaktet sind die Tage der Spendenfahrt, die Steger organisiert hat. Der frühere Neuholländer Bürgermeister unterstützt Kindergärten, Jugendclubs sowie das Komplexzentrum der sozialen Versorgung der Bevölkerung im Kreis Oserk. Dessen Direktorin, Oxana Gulakowa, erzählt, dass die Spenden aus Deutschland nach wie vor gebraucht werden, vor allem Hilfsmittel wie Rollstühle oder Rollatoren. Wo es keine Zentren gebe, seien die Leute auf sich selbst angewiesen. Straßenkinder gebe es durchaus noch, wenn auch längst nicht mehr in dem Maße, wie Anfang der 1990er Jahre. Das Leben sei teilweise teurer als in Deutschland, ausgenommen Brot, die Mindestrente aber liege bei 8000 Rubel (68 Rubel sind etwa ein Euro). Medikamente und Zahnersatz müssen, abgesehen von minimalen Zuschüssen, aus eigener Tasche bezahlt werden. Zwar habe sich schon viel verändert in der russischen Exklave, "Putin hat viel für uns angeschoben", sagt sie.

Sichtbar wird dies beispielsweise in der technischen Ausstattung der Kindergärten und Jugendklubs. Deren baulicher Zustand allerdings lässt oft zu wünschen übrig. Fassaden blättern ab, Heizungen funktionieren nicht ausreichend, Dächer sind undicht.

Positiv fiel den Spendenüberbringern - viele von ihnen sind seit Jahren mit dabei, wie Fahrer Roland Klein und Beifahrer Aik Hampel oder Neuhollands aktueller Ortsvorsteher Bodo Klein-: "Die Straßenkinder, Sozialwaisen, deren Eltern zwar leben, sich aber nicht um sie kümmern, sind aus der öffentlichen Wahrnehmung verschwunden." In den ersten Jahren - die ehemalige Sowjetunion war auseinandergebrochen, die Arbeits- und Perspektivlosigkeit, insbesondere unter der Landbevölkerung sehr hoch - seien ihnen die Jungen und Mädchen tatsächlich aus den offenen Gullis im Kaliningrader Gebiet entgegen gekommen. "Sie haben Klebstoff und andere Sachen geschnüffelt, verkrochen sich in den Schächten", erinnert sich Bodo Klein.

Um den Menschen zu helfen, sei es wichtig Netzwerke aufzubauen und Brücken zu schlagen. Ein Stichwort für Jürgen Leiste, den Koordinator des Vereins "Anthropos - Für die Kinder dieser Welt", der mit den fünf Einrichtungen, die die Spenden aus Neuholland erhalten, kooperiert und Stegers Engagement fortführt. Über Jürgen Leiste kam einst der Kontakt zum Kinder-Folkloreensemble Mladuschka zustande, das mehrmals schon in Oberhavel aufgetreten ist. Diesmal sahen Steger und die Mitreisenden zwar keinen Mladuschkaauftritt. Die Ferien waren gerade erst vorbei. Dafür trafen sie die Ensemble-Leiterinnen, Lidia Dunajewa und Tanja Fedotowa. Ihnen übergab Gerhard Steger Spendengeld, damit die Mladuschkas 2018 zum Feuerwehrjubiläum nach Neuholland kommen. "Allein könnten sie das Geld für Sprit, und Unterkünfte nicht aufbringen", sagt er, ist dankbar für die vielen Spendenzuwendungen und erneut überwältigt von der russischen Gastfreundschaft.

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