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Von Reis, Kartoffeln und einer festlichen Tüte Zukunftswünschen

Gern kocht Foruzan Mohammadi arabisches Essen. Die Rezepte  wurden ihr überliefert.
Gern kocht Foruzan Mohammadi arabisches Essen. Die Rezepte wurden ihr überliefert. © Foto: MZV
Heike Ottilige / 31.12.2017, 14:13 Uhr
Zehdenick (Maerker) Hintergrund: Die zentrale Lage Afghanistans als Nachbar des Irans, Chinas und Pakistans sowie der Nähe zu Indien und zu großen Handelswegen wie der Seidenstraße brachte schon früh Gerichte, Kochtechniken, exotische Gewürze und Zutaten nach Afghanistan. So zeugen auch heute noch typische afghanische Gerichte und Speisen vom Einfluss fremder Kulturen, wie z.B. Joghurt und andere Milchprodukte, das afghanische Brot oder der schwarze und grüne Tee, der zu jedem Essen getrunken wird. Charakteristisch für die afghanische Küche ist die Verwendung von Nüssen und Trockenfrüchten, die nicht nur in Süßspeisen, sondern auch in Fleisch- und Reisgerichten Verwendung finden. Typische afghanische Gerichte sind u.a. Palau (Brauner Reis), Qabeli (Reis mit Lammfleisch), Boolanee (Gebackene Lauchtaschen) sowie verschiedene Kebabs (gegrillt).

(mae) Im vergangenen Jahr gab es Entenbraten für Foruzan und Khalil Mohammadi sowie ihren beiden Kindern Fatima und Alesina. Eingeladen war die Familie aus Afghanistan bei Gitta Schippke aus Zehdenick. Zwei Jahre und zwei Monate lebt die Familie jetzt in Deutschland. In diesem Jahr werden Mohammadis zu fünft das Weihnachtsfest begehen. Elias, der jüngste Spross, ist im Oranienburger Krankenhaus geboren.

Zwar sind die Mohammadis Moslems, aber sie stehen neuen Kulturen offen gegenüber. Freuen sich, Neues kennenzulernen und die Weihnachtstage mit netten Menschen zu verbringen. Foruzan ist glücklich in Zehdenick. Die 25-jährige Mutter von drei Kindern spricht bereits sehr gut Deutsch.

Ihr Sohn Alesina ist gleich zweisprachig groß geworden. So ist es auch bei Elias, dem Jüngsten, der ganz munter und offen auf Menschen zugeht. Mit der typischen Neugier eines Kindes eben. Fröhlich und aufgeschlossen. Besonders freut sich die junge Mutter, dass gerade ihre sechsjährige Fatima so gut Deutsch spricht, dass niemand merkt, dass sie nicht in Deutschland geboren wurde. Denn zuhause in Afghanistan spielt Bildung keine große Rolle, das Land schreibt ein ganz anderes Frauenbild vor.

Von der Flucht aus der Heimat erzählt Foruzan Mohammadi auch bei einem Schulprojekt, zu dem sie Pfarrer Andreas Domke eingeladen hat - und davon, wie ihr immer wieder geholfen wird. Die Flucht ist nicht einfach. Wegen zahlreiche Probleme hat das Ehepaar mit den beiden kleinen Kindern die Heimat verlassen. Die Reise führt die kleine Familie über Pakistan, den Iran, die Türkei, Griechenland, Serbien, Mazedonien und Ungarn nach Deutschland. Fast sechs Monate sind die vier unterwegs. Zwei Wochen brauchen sie vom Iran in die Türkei, wo sie ganze zwei Monate in einem Heim verbringen müssen. Getrennt. "Wir wurden wie Tiere gehalten", erinnert sich Foruzan Mohammadi. "Das Geld und die Handys - die Polizisten haben uns alles abgenommen", berichtet sie weiter. Die junge Mutter hält kurz inne. Für eine Woche ist sie mit dem Sohn in ein Krankenhaus gekommen. "Das Kind hatte schrecklichen Durchfall", erinnert sie sich noch genau. Die Tochter bleibt so lange beim Vater. Von der Türkei geht die Reise im Boot weiter nach Griechenland. Der Weg zum Boot führt durch den Wald. Die Dunkelheit bringt Sicherheit, aber auch Kälte.

Von Griechenland geht es weiter nach Deutschland, erst nach München, dann nach Hamburg und über Eisenhüttenstadt kommt die junge Familie nach Zehdenick. Hier sind die Mohammadis fürs erste im Heim untergebracht. Mittlerweile haben sie eine Wohnung in der Nähe der Kirche bezogen. "Wir haben viel Hilfe bekommen. Unter anderem hat sich Pfarrer Andreas Domke um uns gekümmert. Die Menschen hier sind sehr hilfsbereit", berichtet die junge Frau. Viele hätten ihnen mit Möbeln, Kleidung und Geschirr geholfen."Gitta Schippke hat mir vieles beigebracht, auch das Kochen von deutschen Gerichten. Ich kann ganz viele Suppen. Auch ihr Mann Werner ist sehr nett und hilfsbereit. Und meine Tochter ist mit der Enkelin befreundet", freut sich die 25-Jährige über die liebevolle Zuneigung.

Die Familie fühlt sich wohl in der Havelstadt. Und die beiden Eheleute haben eine Aufenthaltserlaubnis für drei Jahre und Pläne. Foruzan überlegt, als Übersetzerin zu arbeiten, müsste aber dafür nochmal die Schulbank drücken. "Das würde mir sehr gefallen" ist sie ganz ehrlich. Khalil hat bereits ein Praktikum als Maurer gemacht. Er muss die deutsche Sprache noch besser lernen. "Mir fiel es leichter", blickt die 25-Jährige zurück. "Mein Mann musste früh in der Familie mit anpacken. Da blieb die Schule auf der Strecke. Er lernt jetzt Deutsch."

Foruzan kommt aus Herat, ihr Mann aus einem kleinen Dorf in der Nähe dieser Stadt. "Wir überlegen auch, ein Seminar für die Selbstständigkeit zu absolvieren, um ein Geschäft mit arabischen und persischen Lebensmitteln zu eröffnen. Der Bedarf ist ja da", blickt die junge Frau optimistisch in die Zukunft. "Hier in Zehdenick sind viele Familien aus Afghanistan", berichtet die junge Mutter.Regelmäßig treffen sich die Männer und Frauen mit ihren Kindern. "Dazu kommen auch die Menschen aus der Stadt. Wir kochen dann Gerichte aus unserer Heimat. Bei uns wird viel Reis gegessen. Die Deutschen essen Kartoffeln, wir Reis", sagt sie.

Dann hält die junge Frau kurz inne. Sie sei gern in Deutschland, sagt sie. "Hier ist alles offener. Die Frauen gehen arbeiten und sind nicht nur zu Hause. Sie können und leisten ganz viel. Ich finde das sehr sehr schön. Meine Mutter hat ihr erstes Kind mit 15 Jahren bekommen. Das war ich. Sieben Kinder waren wir insgesamt ", blickt sie auf das schwere Leben in der Heimat zurück und merkt an: "Die Frauen und Mädchen sind deshalb den ganzen Tag mit dem Haushalt beschäftigt,kochen zweimal warmes Essen für die Großfamilien und waschen die Wäsche. Am Fluss wohlbemerkt", lässt sie die Vergangenheit Revue passieren. "Meine Mutter ist jetzt 40 Jahre und sieht wie eine alte Frau aus. Ich möchte, dass es meiner Tochter und meinen Jungs einmal besser geht. Fatima ist sehr klug. Sie lernt so schnell. Sie soll es einmal leichter haben", hat Foruzan ganz konkrete Wünsche. Sie gibt aber zu, dass sie ihre Mutter auch gern wiedersehen würde. "Irgendwann einmal.Vielleicht klappt es ja."

Obwohl die beiden Eheleute Muslime sind, werden sie die Weihnachtstage genießen. "Wir wollen mit Freunden in Oranienburg zusammen sein", verrät die Afghanin. Auch in die Kirche der Stadt geht sie gern. Natürlich werden ihre Kinder Geschenke bekommen. "Das ist eine schöne Tradition. Und wir leben jetzt hier in diesem Land", ist Foruzan glücklich, angekommen zu sein.Sie ist offen für Neues, will ganz viel lernen. "Ich finde es großartig, dass eine Frau Deutschland regiert."

Dann begibt sie sich in ihre Küche, bereitet leckeres Essen vor. Noch muss sie die meisten Zutaten dafür in Berlin kaufen. Aber vielleichtändert sich das ja bald und die Mohammadis eröffnen ein eigenes Geschäft. Gäste sind bei der freundlichen Familie immer willkommen. Und Foruzan gibt auch ihreheimischen Kochkünste gern weiter.

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