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African-Time
Rolex Deluxe zum Reinbeißen / Teil 1

Antje Jusepeitis / 08.01.2018, 12:20 Uhr
"Weltwärts" ist ein vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und (MAERKER) "Weltwärts" ist ein vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) gefördertes Programm für entwicklungspolitische Freiwilligendienste. Ziel ist der Einsatz in einem sozialen Projekt, in einer Kita oder einem Kinderheim. Der Bundesfreiwilligendienst ist ein Angebot an Frauen und Männer jeden Alters, sich außerhalb von Beruf und Schule für das Allgemeinwohl zu engagieren - im sozialen, ökologischen und kulturellen Bereich oder im Bereich des Sports, der Integration sowie im Zivil- und Katastrophenschutz.

Quelle: www.bundesfreiwilligendienst.de

von Antje Jusepeitis

Hohen Neuendorf. (mae) Vom Flughafen Berlin-Tegel aus hob Heinar Kleineberg-Massuthe am 14. August 2017 Richtung Uganda ab. Hier verbringt der Hohen Neuendorfer ein freiwilliges Jahr über das Projekt "Weltwärts", um Kindern in einer Grundschule zu helfen und sie zu unterrichten. Seinen Aufenthalt hat er durch zwei eigene Spendenkonzerte im Frühjahr 2017 an der Regine-Hildebrandt-Schule Birkenwerder mitfinanzieren können.

Aufgefuttert sind die ersten Weihnachtskekse schon einen Monat vor dem Fest. Gebacken haben sie Heinar, Ebou und drei Mädchen vom Weltwärts-Freiwilligendienst von Hand und im von Heinar selbst gebauten Ofen. Jeder einzelne Keks handgeformt und von Hand im Ofen unter Verbrennungsgefahr gewendet. Weder dies noch die mehr als 30 Grad Celsius im Schatten verringerten den Appetit auf das Gebäck. Süßigkeiten stehen für den Hohen Neuendorfer Heinar Kleineberg-Massuthe nicht so häufig auf dem Speiseplan, seit er am 14. August 2017 nach Uganda abhob.

Dabei ist das Essensangebot in dem afrikanischen Land ist keineswegs knapp, Heinar vom "local-african-foot", dem vielseitigen einheimischen Imbissangebot dort, sehr angetan. Gleich am Tag seiner Ankunft beißt er in einen Rolex . Heinar beschreibt ihn als "preisgünstigen Pfannkuchen, eingerollt mit einem Omelett." Er bekommt sogar einen Deluxe Rolex mit Hühnchen, Pfeffer, Zwiebeln und Avocado. Die Vielfalt und Menge an den Obst-und Gemüseständen, beispielsweise Straußeneier große Avocados und Ananas in der Größe eines Wassereimers, beeindrucken ihn.

Essen, Klima und komplett neue Umgebung schlagen dem 18-Jährigen jedoch zunächst auf den Magen. Durchfall und Fieber quälen ihn gleich nach den ersten Tagen seines Freiwilligendienstes in Uganda. Dank eines Meersalzdrinks ist der Hohen Neuendorfer aber rasch wieder auf den Beinen. Meersalz enthält alle wichtigen Mineralien um die Magenschleimhaut anzuregen.

"Ich wusste, dass es schwer werden wird, meine Heimat mit all meinen Freuden und Bekannten für ein Jahr zu verlassen. Am Flughafen habe ich es nicht realisiert, aber als ich im Flugzeug saß, Richtung Süden, wurde es mir bewusst, dass es ein spannendes und unvergessliches Jahr werden wird", schreibt er in seinem ersten Bericht. Seine Arbeit mit den Kindern an der Schule erwähnt er darin nicht: Es sind Ferien bis zum 18. September. Daher schildert der Abiturient seine Eindrücke nach einem Monat Ugangda. "Am International Airport Entebbe angekommen, mussten wir für 50Dollar ein Touristenvisum kaufen, um unser Gepäck zu bekommen. Es begann für mich die Zeit, eine andere Kultur kennenzulernen."

Die Hauptstadt Ugandas, Kampala, liegt rund 30 Kilometer entfernt von Entebbe, dem wichtigsten Flughafen des Landes nördlich des Victoriasees. Kampala ist mit gut 1,7 Millionen Einwohnern eine sehr lebhafte Großstadt. "In der Innenstadt wimmelt es von Menschen, darunter etlichen Boda-Fahrern, und Matatus. Bodas sind Motorradtaxen, die von einem Ort zum anderen fahren und dabei entweder Leute oder Gegenstände, wie kleine Sofas oder Stühle, aber auch Nahrungsmittel, wie Zuckerrohr oder Bananen transportieren. Es herrscht Linksverkehr, verwirrend zunächst für uns Neuankömmlinge. Die Taxibusse sind kleine Toyotabusse, in denen bis zu 15 Menschen mitfahren können", erzählt Heinar.

Er ist nicht der einzige Freiwillige des "Weltwärts"-Projektes. Wie, mit wem und wo sie für ein Jahr arbeiten, erfahren die jungen Frauen und Männer während eines gemeinsamen Treffens. Erste Einsatzstelle ist die Gehörlosenschule "School for the deef" in Kampala. "Es ist wie eine Art Internat, in dem Schüler übernachten können, und befindet sich direkt im Slum von Kampala. Kampala wurde auf sieben Hügeln errichtet. Anhand der geografischen Höhenverhältnisse kann man die Teilung der armen und der reichen Bevölkerung sehen. Der Slum liegt direkt im Tal von Kampala", stellt der Deutsche fest. Er selbst wird sein Freiwilligenjahr in der Nähe von Jinja verbringen, um an der staatlichen Kyabirwa Primary School Sieben- bis 18-Jährige in Sport und Musik zu unterrichten.

Jinja ist mit 200000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Ugandas, etwa 70 Kilometer östlich von Kampala entfernt. Drei Stunden benötigen die Reisenden bis dorthin. Geschuldet ist dies dem dichten Lkw-Verkehr. "Sie sind mit 20 bis 30 km/h die Berge hinaufgefahren." Ein kleines Geduldsspiel, vielleicht ein wenig die Vorbereitung auf "African Time - Pole, Pole - immer langsam. Hübsche Ablenkung sind die Landschaften. "Als man aus der Großstadt kam, sah man grüne Ackerlandschaften und Wälder, die manchmal einem Dschungel ähnelten, weil die Bäume dicht zusammen wachsen und es keine Ahornbäume oder Eichen sind, sondern schönste Bäume mit knallgrünen Blättern!" Heinar ist von der Landschaft beeindruckt. Staunt über die große Hauptstraße nach Jinja, die den Nil überquert. "Die große Nilbrücke ist gleichzeitig ein großes Wasserkraftwerk, in welchem die ganze elektrische Spannung für Uganda und für Teile Kenias produziert wird. Es wird überlegt, ob noch ein Wasserkraftwerk errichtet wird. Allerdings würde dann das Nilrafting nicht mehr stattfinden. Es zählt zu den Hauptattraktionen in Jinja." Der junge Mann hat in den ersten Tagen eine Menge über Uganda gelernt. Er wird für knapp elf Monate hier leben. Die Hütten seines Einsatzortes, dem Dorf Buwanda, stehen vier bis fünf Kilometer entfernt von Jinja. "Außerhalb der Stadt sind die Straßen nur sehr schlecht oder gar nicht mehr ausgebaut. Es gibt viele Schlaglöcher und Bodenwellen. Ab Buwanda ist die Straße nicht mehr asphaltiert. Das heißt, dass vorbeifahrende Fahrzeuge eine riesige Staubwolke aus trockenem, roten Lehmstaub mit sich bringen. An den Straßen laufen viele Kühe und Ziegen herum und man sieht ab und zu ein Huhn mit kleinen Küken die Straße überqueren". Das ist Afrika.

An den "afrikanischen Slang" müssen sich Heinar und Marie, mit der er zusammen unterrichten wird, gewöhnen. Anfangs fehlen ja auch die Schüler. Sind sie da, gehören rund 100 zu einer Klasse. Rund 1000 Mädchen und Jungen lernen insgesamt an der Kyabirwa Primary School. Regnet es heftig oder können Eltern das Schulgeld nicht bezahlen, erscheinen die Kinder nicht zum Unterricht.

Die Heranwachsenden in Ewaka dafür sind immer zugegen. Das Kinderheim ist Heinars zweiter Einsatzort, zwei Kilometer von der Schule entfernt. Die Freiwilligen sind viel unterwegs, zu Fuß, per Rad, das Heinar selbst ständig reparieren muss wegen der schlechten Straßen, und mit Bodas. "Auf der Straße wird man als weiße Person von den Einheimischen oft angeguckt, sehr oft wird man mit einem freundlichen Lächeln begrüßt. Die kleinen Kinder an den Straßen rufen Hallo", gewinnt Heinar einen Eindruck davon, wie es ist, nicht wie alle anderen in der Umgebung auszusehen.

Das ist jedoch nicht der Grund, weshalb er sein Aussehen verändert. Vielmehr zwingt das Klima ihn, sich von seinen kräftigen, sehr langen Haaren zu befreien: "Mein Herz raste fürchterlich. Solche Aufregung hatte ich das letzte Mal bei meinen Spendenkonzerten im Frühjahr in Birkenwerder. Ich spürte, wie die Schere den ersten Zopf durchtrennte. Nach nicht einmal nach einer Minute waren alle Haare ab." Wohin damit? "Nach über zwei Wochen in Jinja hatte sich bei uns ein großer Müllberg gebildet. In Uganda gibt's keine Müllabfuhr. Obst -oder Gemüsereste schmeißen wir über die Mauer ins Unterholz. Den restlichen Müll, Plastiktüten, Papiermüll müssen wir verbrennen. Mit Kerosin funktioniert die Müllverbrennung erstaunlich gut." Welche weiteren Besonderheiten Heinar in Uganda begegnen, verrät Teil2 des Berichtes.

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