Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Spendenbotschaft
Blau-Weiß Walsleben überrascht elfjährigen Corven im Sportcenter * You´ll never walk alone

Der SV Blau-Weiß Walsleben rief kürzlich alle Altersgruppen des Vereins auf, im Neuruppiner Sportcenter zusammen. Dort sollte dem elfjährigen Corven der Wunsch erfüllt werden  mit den Herren des Vereins zu trainieren. Daraus wurde ein Mixed-Turnier.
Der SV Blau-Weiß Walsleben rief kürzlich alle Altersgruppen des Vereins auf, im Neuruppiner Sportcenter zusammen. Dort sollte dem elfjährigen Corven der Wunsch erfüllt werden mit den Herren des Vereins zu trainieren. Daraus wurde ein Mixed-Turnier. © Foto: MZV
sellfeldt / 30.01.2018, 19:49 Uhr
Neuruppin (Maerker) (ldt) Der junge Storbecker Corven Eichler leidet an einer sehr seltenen Immunschwäche, dem Wiskott-Aldrich-Syndrom. Schlechte Blutwerte sowie eine sich nicht bessernde Situation trotz zweier Transplantationen bedingen einen weiteren Eingriff beim Elfjährigen. Ein neuer Knochenmarkspender ist bereits gefunden. Bei einer Aktion seines Sportvereins tankte der Junge noch einmal Kraft für den Eingriff.

Nicht wenigen Menschen geht es so, dass sie sich in schweren Zeiten nach Unterstützung sehnen. Wohl demjenigen, der gleich 60 Menschen hinter sich weiß. So zumindest ergeht es Corven Eichler. Der Elfjährige aus Storbeck, der am seltenen Wiskott-Aldrich-Syndrom leidet, wurde von seinem Sportverein Blau-Weiß Walsleben in der ersten Januarwoche mit vielen Geschenken und den besten Wünschen auf die Reise in ein Münchner Klinikum geschickt.

Hervorzuheben an der Veranstaltung im Neuruppiner Sportcenter war, dass der Hauptakteur im Vorfeld nichts von alledem wusste. "Selbst wir hatten überhaupt gar keine Ahnung von dem Umfang. Geplant war ursprünglich nur ein ganz kleines Turnier", zeigt sich selbst Mutter Christin Eichler überwältigt. "Ich hatte zu meiner Tochter gesagt, damit Corvi keinen Verdacht schöpft, dass wir zum Eltern-Kind-Turnen fahren. Und der Papa sagte ihm, er müsse einen Ballsack in die Halle bringen." Die zweite Notlüge mit dem Ballsack wurde nötig, da Corven nicht mit zum Turnen wollte. Folglich ist er dann mit seinem Papa Guido Semrau etwas später aufgebrochen. Als beide um 17.38 Uhr im Sportcenter die Halle betraten und Corven auf 60 applaudierende Freunde und Bekannte aus seinem Verein Blau-Weiß Walsleben traf, strahlten die Augen. Jugendleiterin Yvonne Schürer und Vereinspräsident Rico Schindler hatten genau die richtige Idee.

Diesen Zuspruch kann Corven gut gebrauchen. Denn am 7. Januar fuhr er mit seiner Mutter nach München ins Universitätsklinikum. Der Elfjährige wurde aufgrund der seltenen Immunschwäche bereits zweimal in der Berliner Charité operiert. Die Häufigkeit der X-chromosomal rezessiven Erkrankung bei männlichen Lebendgeborenen beträgt etwa 1:100000 bis 1:250000. Die Lebenserwartung liegt im Allgemeinen bei nicht mehr als zehn Jahren, sofern nicht therapiert wird.

Im Mai 2007 und April 2008 gab es bei Corven bereits eine Knochenmark-Transplantation. Allerdings mit einem bis heute nicht zufriedenstellenden Ergebnis. Die im Knochenmark gebildeten Thrombozyten, die auch Blutplättchen genannt werden, und die der menschliche Körper zur Blutgerinnung braucht, sind weiterhin in zu geringer Anzahl vorhanden. Normal wären 150000 bis 380000 je Tausendstel Milliliter. Corven hat etwa ein Zehntel davon. Nach aktuellen Studien und Erkenntnissen sollte die Zahl der Blutplättchen sich allerdings nach zwei bis drei Jahren gesteigert haben. Bei Corven ist dieser Effekt bisher ausgeblieben.

Wer den lebensfrohen Fußballfan erlebt, der merkt sofort, dass hier dennoch optimistisch und positiv in die Zukunft geblickt wird. Bei dem eigens für ihn organisierten Turnier im Sportcenter konnte sich jeder davon überzeugen. Es herrschte Aufbruchsstimmung. Vereinschef Schindler sprach daher bei seiner Eröffnungsrede von einer halbjährigen Pause.

Auf Nachfrage nickte Corven zustimmend. "Und für die folgenden Jahre haben wir für dich auch schon einen Platz in der Männermannschaft reserviert", so der Vereinschef. Unter großem Beifall übergab noch Spieler Christopher Kupper ein Walsleben-Trikot mit der Nummer sieben, der Lieblingsnummer von Corven, und allen Unterschriften der Herrenmannschaft. Doch damit war es noch lange nicht genug. Auch die Mannschaftskollegen aus der E- und D-Jugend hatten kleine Überraschungen dabei.

Zwei besondere Höhepunkte sollten noch folgen. So trat Märker-Redakteur Stephan Ellfeldt als Vertreter des FC Energie Cottbus auf. Für diesen Verein schlägt Corvens Herz. Sein komplettes Zimmer ist seinen Fußball-Idolen aus der Regionalliga gewidmet. Und durch das Engagement des Redakteurs wurden die Vereinsverantwortlichen aus Cottbus aufmerksam. Spontan übermittelten sie ihm eine Grußbotschaft sowie ein Trikot seines Lieblingsspielers Fabio Viteritti mit Autogrammkarte. Dieses Trikot zog Corven sofort über und spielte das gesamte Turnier damit. Diese Aktion hatte genau seinen Nerv getroffen.

"Aber wir hatten uns noch etwas ganz Besonderes ausgedacht. Es sollte noch persönlicher sein", so Ellfeldt, der bereits im Vorfeld der Mama Videobotschaften der Cottbuser Kicker geschickt hatte. Diese bekam Corven dann in der Halle gezeigt. Die Freude war riesig. Ellfeldt versprach dazu, dass er für die Zeit des Klinikaufenthalts in München weitere Botschaften aus dem Mannschaftskreis von Energie Cottbus schicken würde. Auch Corvens Lieblingsspieler Viteritti steht diesbezüglich im Wort. "Ein großes Dankeschön dafür", rang Christin Eichler um Fassung.

Die zweite große Überraschung überbrachte Christoph Sommerfeld. Der Inhaber von drei Apotheken sammelt in jedem Jahr für ein soziales Projekt. Als er von Corvens Geschichte hörte, da fiel die Wahl in diesem Jahr auf den jungen Storbecker. Mit einer großzügigen Spende sorgte Christoph Sommerfeld für ein Raunen in der Halle. Als der 2500-Euro-Scheck der Familie überreicht wurde, waren einige Anwesende zu Tränen gerührt. Dieses Geld wird dringend für die Zeit in München benötigt und hilft der Familie ungemein, einen normalen Alltag zu realisieren.

"Wir fahren am Sonntag für eine Woche nach München, um die Voruntersuchungen dort abzuschließen mit Röntgen, EKG, EEG, Blutentnahme, Aufklärungsgespräch und Anlage eines Hickmann Katheters", erklärt Christin Eichler den folgenden Ablauf. Nachdem die Familie anschließend für zwei Wochen wieder vereint in Storbeck ist, folgt der lange Aufenthalt. "Am 30. Januar ist die geplante Aufnahme auf der Knochenmark-Transplantationsstation. Da wird die Chemo für eine Woche stattfinden. Wenn alles klappt, folgt am 6. Februar die Transplantation. Wir hoffen auf einen Krankenhausaufenthalt von sechs bis zwölf Wochen, je nachdem wie alles klappt", so die Mutter.

Corven hat die Überraschung des SV Blau-Weiß viel Kraft für die anstehenden Aufgaben gegeben.

"Nochmals danke Walsleben. Gestern war echt krass. Zirka 60 Leute sind nur wegen mir erschienen. Es war mir eine große Ehre. Ich habe geweint vor Freude. Wir sehen uns in München oder nach der Tour. Forever. You'll never walk alone", so der elfjährige Corven am Tag danach.

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG