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Der letzte Ausritt - Oranienburger Geschäft Ross & Reiter schließt

Verkäuferin Karin Otterstein ist selbst Reiterin und berät seit 19 Jahren bei "Ross & Reiter". Sie ist traurig, dass das Geschäft schließen muss.
Verkäuferin Karin Otterstein ist selbst Reiterin und berät seit 19 Jahren bei "Ross & Reiter". Sie ist traurig, dass das Geschäft schließen muss. © Foto: MZV
Antje Jusepeitis / 30.01.2018, 20:01 Uhr
Oranienburg (Maerker) von Antje Jusepeitis

Oranienburg. (mae) Vor 21 Jahren eröffneten Bernd und Claudia Lazar das Geschäft "Ross & Reiter" für ihre Tochter Laura, die es ab dem Jahr 2000 führte. Jetzt setzen die drei auf andere Pferde. Zum 28. Februar schließt der Laden für Reitartikel in der Havelstraße. Haus und das Grundstück, das bis an die Dechertstraße reicht, hat Bernd Lazar verkauft.

Sacco, Reithosen, Helm, Stiefel, Weste, Hemd oder Bluse und Handschuh - mit dieser Grundausstattung treten Reitsportler zu Turnieren an. Die komplette Ausrüstung für Ross und Reiter offeriert das gleichnamige Geschäft in der Oranienburger Havelstraße.

Seit 1996 finden Reiterinnen und Reiter hier alles für ihren Sport Relevante. Es gab zahlreiche Turniere auf den mehr als 30 Reiterhöfen in Oberhavel. Das Reiten war und ist beliebt in der Region. Bernd Lazar und seine Frau Claudia haben den Bedarf an Reitsportartikeln schnell erkannt, als sie 1992 nach Friedrichsthal zogen. Einige Zeit später schloss ein Reitsportgeschäft in Sachsenhausen. Die Zukunftsplanung und Reitbegeisterung ihrer Tochter Laura brachte die Lazars auf die Idee, in "Ross und Reiter" zu investieren.

So eröffneten sie vor 21 Jahren in der ehemaligen Fleischerei in der Rungestraße ihren Laden. Vier Jahre führte Claudia Lazar ihn, bevor sie die Leitung an Tochter Laura weitergab. Die Ladenadresse wechselte von der Runge- in die Berliner Straße und 1998 in den heutigen Flachbau, einen früheren Farbenladen an der Havelstraße. Viele Jahre galoppierte das Geschäft im übertragenen Sinne. "Es lief ganz gut, unter anderem kamen viele Berliner zu uns, weil unsere Waren preiswerter waren als in der Hauptstadt", erzählt Bernd Lazar von guten Zeiten. Leider seien sie vorbei. Das Internet habe zu großen Teilen dazu geführt, "dass sich das Geschäft einfach nicht mehr lohnt. Oft kamen Kunden zu uns, ließen sich beraten und bestellten dann den Artikel online." Seit etwa zehn Jahren bewege sich der Umsatz nach unten. "Irgendwann ist man als Geschäftsmann gezwungen, die Konsequenz zu ziehen", bedauert er als Ladeninhaber. Seine nach wie vor reitbegeisterte Tochter Laura betreibt heute eine Pferdepension in Friedrichsthal. Hätte Lazars das Haus nicht gehört, "wäre schon früher Schluss gewesen mit dem Laden." Vor gut einer Woche musste er seine Verkäuferin, Karin Otterstein, mit der Kündigung konfrontieren. "Nicht schön, aber es geht halt nicht anders", sagt sie traurig. Beinahe 19 Jahre war die Oranienburgerin für viele das bekannte Gesicht im Geschäft. Selbst Reiterin, weiß sie, was gebraucht wird, gibt Tipps für Mensch und Tier weiter, sucht Passendes heraus.

"Zum Reiten braucht man Leidenschaft. Und Stalldienste gehören dazu. Viele Mädchen haben falsche Vorstellungen", ist Karin Ottersteins Erfahrung. Sie hat zwei Pferde, sitzt seit ihrer Kindheit im Sattel. In der DDR sei es für 60 Pfennige Monatsbeitrag möglich gewesen, zu reiten. Heute werde mehr Geld benötigt. "Wir haben aber, denke ich, in den zurückliegenden Jahren zahlreiche Menschen zum Reitsport gebracht, an Reiterhöfe vermittelt. Zahlreiche Stammkunden sind uns treu geblieben. Unsere Hauptkunden waren Freizeitreiter, Kinder. Es hat immer Spaß gemacht, hier zu arbeiten," sagt sie.

Bis zum 28. Februar berät Karin Otterstein Kundinnen und Kunden, verkauft Reiterkleidung, Zaumzeug, Satteldecken und Bürsten, gewährt bis zu 50 Prozent Rabatt auf die mehr als 200 Artikel. Die Aktion gilt bis zum letzten Ausritttag von "Ross & Reiter".

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