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Tafelnutzung
Lebensmittelkisten-Ausgabe erfordert eine Vollmacht

In verschiedenen Orten des Landkreises Lebensmittel werden Lebensmittel in Kisten gepackt und an Bedürftige verteilt.
In verschiedenen Orten des Landkreises Lebensmittel werden Lebensmittel in Kisten gepackt und an Bedürftige verteilt. © Foto: MZV
Heike Ottilige / 30.01.2018, 20:12 Uhr
Oberhavel (Maerker) (mae) Rene R. ist sauer. Jeden Dienstag könne er beobachten, wie mit Kisten der Tafel, die eigentlich nur Bedürftigen zur Verfügung stehen, gehandelt wird. Er hat schon mehrere Fotos an die Verantwortlichen geschickt. Aber es ändert sich nichts, findet er. Im Gegenteil. Die Kisten werden seiner Meinung nach weiter an Menschen gegeben, die es nicht nötig haben. Die Tafel widerspricht dem.

"Manchmal ist für eine Woche Ruhe. Immer dann, wenn ich mich mal wieder beschwert habe", hat Rene R. beobachtet. Aber die Ruhe halte nicht lange an. Etwa seit drei Jahren ist der Mann aus Grüneberg Hartz-IV-Empfänger und darf deshalb selbst zur Tafel gehen. Er weiß sehr wohl, dass die Lebensmittelkisten immer sehr begehrt sind."Mal ist Brot drin, mal Wurst, mal Obst, Butter und manchmal eine gute Mischung. Das hilft schon sehr, wenn einem nur wenig Geld zur Verfügung steht. Die Waren sind top in Ordnung",spricht er von seiner Tafelerfahrung. Nur zu gut weiß er, wie sehr sich Menschen mit wenig Geld daran erfreuen.

Roswitha Mischke ist für die Tafel in Zehdenick verantwortlich. Ihr ist der Fall bekannt, allerdings sieht sie das Ganze aus einem anderen Blickwinkel. "Der Mann, der hier beschuldigt wird, hat selbst Anspruch auf Tafelnutzung. Er hat zudem für drei weitere Tafelgänger eine Vollmacht, so dass ihm immer vier Kisten mit Lebensmitteln ausgehändigt werden. Die Vollmachten liegen uns schriftlich vor. So hat alles seine Richtigkeit", sagt sie. Sie wisse jedoch auch, dass teilweise unter den Nutzern getauscht wird. "Manche Flüchtlinge essen bestimmte Sachen nicht. Ob sie die Waren danach tauschen oder weitergeben entzieht sich unserer Kenntnis. Es würde auch zu weit gehen, hier Vorschriften zu machen."

Insgesamt acht Mitarbeiter sind allein für die Zehdenicker Tafel zuständig. "MAE-ler", wie Mischke erklärt, also über eine arbeitsmarktpolitische Maßnahme beschäftigt. Ebenso drei Kraftfahrer und ein Bundesfreiwilligendienstler. "Alle geben hier ihr Bestes. Die Waren werden von den Supermärkten abgeholt und nach bestem Gewissen gerecht auf die Kisten, die dann für vier Euro verkauft werden, verteilt. Der eigentliche Wert liegt natürlich weitaus höher. Deshalb muss auch ein Berechtigungsschein vorliegen", erklärt sie.

Gerade in der Gemeinde Löwenberger Land habe es im zurückliegenden Jahr immer wieder Querelen gegeben. "Ein Nutzer dachte, dass sein Kurierfahrer den Inhalt der Kisten zuvor vertauscht hat. Wir haben geraten, gegebenenfalls die Vollmacht zu entziehen", berichtet sie von aufgetretenen Problemen. Auch habe die Tafel keinen Einfluss darauf, ob sich der Kurierfahrer seine Leistung bezahlen lässt. "Verlangt er dann beispielsweise fünf statt vier Euro, hat er ja auch Benzin verfahren. Aber das liegt nicht mehr in unserem Ermessen. Wir können dann nur immer wieder raten, selbst vorbeizukommen."

Die Kisten sind laut Auskunft von Roswitha Mischke tatsächlich gut gefüllt. "Frisches Obst und Gemüse, Brot und Brötchen, Milchprodukte, Fisch, Wurst, auch mal Fleisch oder Süßigkeiten. Teilweise bekommen wir auch Lebensmittel aus den Großlagern in Oranienburg", berichtet sie.

Zwischen 50 und 60 Tafelgänger gibt es zurzeit in Zehdenick, circa 15 in der Gemeinde Löwenberger Land, etwa 30 in Fürstenberg und um die 40 in Gransee, führt Mischke konkrete Zahlen an. Die Mitarbeiterin der Zehdenicker Tafel hat weitaus mehr als das Besorgen der Lebensmittel und die Verteilung zu organisieren. Ihr Bundesfreiwilligendienstler verlässt die Tafel zum 1. Februar. "Wir brauchen dringend Ersatz", macht sie deutlich, wie sehr sie auf die Hilfe jedes Einzelnen angewiesen ist. Sie weiß, dass das Tafel-Team gute Arbeit leistet und dass mit den Lebensmitteln vielen Menschen geholfen wird. So soll es auch in Zukunft bleiben.

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