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Wer "A" greift, muss auch "G" üben

Montags von 17 bis 18 Uhr treffen sich die vier Männer und drei Frauen im Alter zwischen 35 und 66 Jahren aus Oberhavel seit fast neun Jahren, um in die Gitarrensaiten zu greifen und von Oliver Dehnick zu lernen und sich inspirieren zu lassen.
Montags von 17 bis 18 Uhr treffen sich die vier Männer und drei Frauen im Alter zwischen 35 und 66 Jahren aus Oberhavel seit fast neun Jahren, um in die Gitarrensaiten zu greifen und von Oliver Dehnick zu lernen und sich inspirieren zu lassen. © Foto: MZV
Antje Jusepeitis / 30.01.2018, 20:15 Uhr
Oranienburg (Maerker) Der Oranienburger ist 43 Jahre alt, ist verheiratet und hat einen Sohn. Oliver Dehnick wuchs in der Kreisstadt Oberhavels auf. Seit seinem zwölften Lebensjahr spielt er Gitarre, liebt handgemachte Musik. Als "Lehrerkind" wurde er geprägt, und hat schnell mitbekommen, dass es ihm Spaß macht, sein Wissen weiterzugeben.

Oliver Dehnick spielt in der Oranienburger Irish Folk Band The Stout Scouts Gitarre, Mandoline, Banjo und Bass, nebst Gesang. Wer die Band live erleben möchte, der kann dies am 17. März, dem irischen Nationalfeiertag, im Oranienwerk an der Kremmener Straße 43 in Oranienburg.

Kürzlich spielten The Stout Scouts in der Hohen Neuendorfer Havelbaude.

(mae) Oliver Dehnick ist seit 2003 Dozent für das Instrument Gitarre an der Kreisvolkshochschule Oberhavel. Zudem leitet er privat seit fast neun Jahren eine Gruppe von vier Männern und drei Frauen, die gemeinsam Gitarre spielen. Ab Februar starten neue Anfängerkurse an der Kreisvolkshochschule.

Singend sitzen Anne Weimann und ihr Ehepartner montags oft im Auto auf dem Heimweg nach Bergfelde. Eingestimmt hat sie dabei keineswegs die Musikanlage im Wagen. Ihre Euphorie rührt vielmehr von der stets viel-saitigen Begegnung mit der Montags-Gitarrengruppe in Oranienburg. Dabei dachten die beiden Bergfelder vor rund neun Jahren bereits beim "G-Dur-Griff": "Das schaffen wir nie!" und zweifelten, ebenso wie die anderen Kursteilnehmer, an ihrem Entschluss, das Instrument von A bis Z mittels eines Kurses an der Kreisvolkshochschule in den Griff zu bekommen.

Tatsächlich fordern die Barré-Griffe - das Legen eines Fingers über alle Saiten (großes) oder einige Saiten (kleines) des Instruments - viel Geduld und Übung.

"Und der Spaß, allein zu üben, ist eher gering, insbesondere, wenn man die Zeit dafür extra abzwacken muss", gesteht Uta Graf. Mit dem Beitritt in die Montagsgruppe nach dem KVHS-Grundkurs zwang die Erzieherin ihren inneren Schweinehund mehr und mehr zum Rückzug. "Es lohnt sich, dabei zu bleiben, insbesondere, wenn man so einen tollen Lehrer wie Olli hat." Das klingt genauso wie es gemeint ist: als großes Lob für Gitarrenlehrer Oliver Dehnick. Und das, "obwohl er uns manchmal ganz schön fordert." Uta Graf fühlt sich dadurch sogar motiviert. "Die Stimmung in der Gruppe regt dazu an, weiterzumachen, sich zu trauen, auch mal etwas vorzutragen." Beispielsweise zur Gitarrenfete, die Dehnick seit 13Jahren regelmäßig im Oranienburger Lokal Weidengarten organisiert. 2017 ist seine siebenköpfige Montagsgruppe dort erstmals zusammen aufgetreten, überzeugte die Zuhörer unter anderem mit "Greensleeves", "Mad World", "Heart of Gold" und "California Dreamin'".

Positiver Nebeneffekt des ungezwungenen Konzertabends aus Gitarrenlehrersicht: "Meine Schülerinnen und Schüler üben mehr und fühlen sich zu Recht stolz nach einem Auftritt. Talent hat der, der ständig übt und spielt", fasst Oliver Dehnick seine Überzeugung zusammen.

Bei seinem Entschluss, anderen das Gitarrespiel beizubringen, war ihm klar: "Ich muss weit mehr als nur ein paar Akkorde lehren. Ich sehe mich mehr denn je als Motivator, Inspirator und Wegbegleiter." Er habe auch Kraft für die eine oder andere Durststrecke, betont er und hat erlebt: "Sogar Frust-Tränen bei Schülerinnen und Schülern kann man wegspielen." Dem in Oranienburg aufgewachsenen Gitarrenlehrer und Musiker ist es sehr wichtig, "behutsam an das schier unendliche Thema Musik heranzuführen. Es hat sich schnell herausgestellt, dass ich nicht alle Kursteilnehmenden mit zu viel Theorie, beispielsweise mit dem Noten lesen, ,belasten' kann und muss."

Mit seiner Erfahrung und einem eigens für die Kreisvolkshochschule (KVHS) ausgearbeiteten Lehrkonzept inklusive eigener Lehr-CDs weckt der 43-Jährige die Spielfreude der Frauen und Männer auf ihren Gitarrensaiten. "Die Schülerinnen und Schüler nehmen mich also auf CD als Spielpartner mit nach Hause und können so jede freie Minute zum Üben nutzen." Uta Graf spornt dies an, ebenso wie die 14täglichen gemeinsamen Übungsstunden. Seit sich die 51-Jährige vor vier Jahren entschloss, den Einstiegskurs an der KVHS zu besuchen, ist sie "infiziert" vom Gitarrenvirus. "Ich wollte das Instrument von der Pieke auf lernen, wollte etwas nur für mich machen, nachdem die Kinder aus dem Haus gewesen sind", erzählt die Hohen Neuendorferin. Inzwischen, sagt sie, profitiere auch ihre Arbeit als Erzieherin in einer Pankower Kita davon.

Ein Kind, konkret ihre Enkeltochter, war für Anne Weimann vor neun Jahren Motivation, zur Gitarre zu greifen. Ursprünglich wollte sie für die Kleine das Spielzeugzupfinstrument kaufen, das sie in einem Laden entdeckt hatte. Sie überlegte und beschloss: Ich lerne lieber selbst Gitarre spielen. "Just an diesem Tag steckte in unserem Briefkasten das Programmheft der Volkshochschule." Das kann kein Zufall sein, dachte sich die 54-Jährige und meldete sich zum Einsteigerkurs bei Oliver Dehnick an. Ihr Mann schloss sich an. "Olli lässt nie den Lehrer raushängen, obwohl er streng ist. Das gefällt uns. Und er führt uns an die unterschiedlichsten Stücke heran, Rock, Pop, Klassik, Metal, Folk, Blues. Er spricht die Lieder mit uns ab. Und er ist geduldig. Er weiß ja, dass wir nicht immer alle Zeit haben zum Üben. Wir sind keine Profis."

Dennoch würden sie keineswegs nur "Schnulli-Akkorde" lernen, müssten sich manche Ton- und Fingergrifffolge hart erarbeiten. "Natürlich gibt's Lieder, die man nicht so gern spielt", räumen Uta Graf und Anne Weimann ein. "Der eine mag eher Schrammelsongs, andere sind besonders gut im Zupfen, Olli geht aber auf jeden ein, fordert und fördert ihn." Sie mögen seine Art zu unterrichten. Und er? "Ich genieße durch mein tolles Team an der Volkshochschule und die lieben Kursbesucherinnen und Kursbesucher jedes Semester. Ein ehemaliger Nachbar sagte mir 2003, dass ein Gitarrenlehrer gesucht wird und ich bewarb mich sofort." Seither bietet der Musiker Kurse an der Kreisvolkshochschule an und ist dankbar für diese Aufgabe, "denn ich liebe es, Menschen auf ihrem musikalischem Weg mit meinem Fachwissen und auch als Freund zu begleiten."

Freund ist er seiner Montagsgruppe, die sich nach dem KVHS- Anfängerkurs als Privatunterrichtstreff zusammengefunden hat, geworden. Die sieben schwören auf ihn, haben sich inzwischen Westerngitarren mit Stahlsaiten zugelegt, eigene Vorstellungen von dem, was sie spielen möchten. Anne Weimann übt an "Wish you were here" von Led Zeppelin. "Eine große Herausforderung wegen der Barrés und der Mehrstimmigkeit." Was sie ihrem Instrument entlockt, hängt viel von ihrer Stimmung ab. Begeisterung dürfte es gewesen sein, als ihr Mann zur Hochzeit der Tochter vergangenes Jahr zusammen mit der Enkeltochter den Song "Chasing Cars" mit extra umgedichtetem Liedtext vortrug. Spätestens ab Februar wird wieder im Auto gesungen: Ein neuer Gitarrenkurs beginnt.

Darauf freut sich auch Kreisvolkshochschulleiterin Anna Drosdowska. "Oliver Dehnicks Kurse bei uns sind sehr nachgefragt und ich hoffe, dass dies so bleibt. Er ist ein toller Lehrer." Donnerstags, wenn sie länger arbeitet, hört sie, wie die Gitarrenschüler üben. "Das mag ich", sagt sie.

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