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Jazz-Echo-Preisträger
Gitarrist und Komponist Arne Jansen erzählt Instrumentalgeschichten

Echo-Preisträger und Jazzgitarrist Arne Jansen lebt mit seiner Familie in Hohen Neuendorf.
Echo-Preisträger und Jazzgitarrist Arne Jansen lebt mit seiner Familie in Hohen Neuendorf. © Foto: MZV
Antje Jusepeitis / 05.04.2018, 15:51 Uhr
Hohen Neuendorf (MAERKER) (mae) Er arbeitet regelmäßig mit Größen wie Nils Wülker, Gitte Haenning, Paul van Dyk, Jocelyn B. Smith, Katja Riemann und Matthias Schweighöfer zusammen, Gitarrenriffs für das Filmorchester Babelsberg, tourt durch Europa und Afrika. Er sendete auf Radio Fritz Ärztesongs in Jazzvariation. Seit ein paar Jahren lebt der Jazzgitarrist, Komponist und zweifache Echopreisträger Arne Jansen in Hohen Neuendorf.

Arne Jansen steht an einem Montagmorgen im März gegen 7 Uhr für drei Stunden in einem Hamburger Studio vor einer grünen Leinwand, folgt den Anweisungen, bewegt sich mit seiner E-Gitarre "etwas nach rechts, bisschen nach links". Der 42-Jährige greift ohne Publikum in die Saiten. "Wir haben für die Zukunft gedreht. Das Konzert ist über eine virtuell Reality Brille abrufbar. In den USA ist diese Art von 3-D-Konzert schon sehr verbreitet", sagt Arne Jansen und erklärt: "Der grüne Hintergrund verschwindet bei den Aufnahmen, wir können herausgeschnitten und vor jedem beliebigen Hintergrund wieder eingesetzt werden", zum Beispiel zum Elbjazzfestival. Zukunftsmusik, die der Jazzgitarrist mitgestalten möchte.

Erst am Abend zuvor ist er mit dem Trompeter Nils Wülker in der Hansestadt aufgetreten. Seit mehreren Jahren sind beide befreundet, lernten sich beim Bundesjazzorchester kennen. "Wülker schafft immer den Spagat zwischen aktueller Musik wie Peter Fox oder Marteria und dem Jazz."

Direkte Kontakte mit Zuhörern bevorzugt Arne Jansen. Egal, ob vor rund 100 Leuten im Berliner Jazz-Domizil A-Trane oder auf großer Bühne vor rund 3000 Leuten. "Man spielt ja nicht nur für sich. Das Konzerterlebnis mit Publikum ist viel intensiver."

Zu einem Abend "voller Intensität und musikalischer Hingabe" lädt der Kulturkreis Hohen Neuendorf Mitte Februar, Jazzfreunde ein. Im Landgasthaus "Weißer Hirsch" ist das Arne Jansen Trio zu Gast. Es ist der erste Auftritt in seinem Heimatort, seit Jansen vor vier Jahren nach Hohen Neuendorf gezogen ist. Er freut sich über die Herzlichkeit von Veranstalter und Publikum und ist froh, dass seine vierjährige Tochter und zwei ihrer Kindergartenfreundinnen dabei sein können und mittanzen.

"Es hat sich nicht ergeben bislang", begründet der Jazzgitarrist, der international unterwegs ist, weshalb er erst jetzt hier mit seinem Trio gastiert.

2017 ist Jansen auf Einladung des Goethe Instituts mit Robert Lucaciu (b), Moritz Baumgärtner (dr) unter anderem in Luanda, Angola in Maputo, Mozambique und in Dakar, Senegal. "Es gab wunderbare Begegnungen mit Menschen und Musikern der jeweiligen Länder. "Eins der absoluten Highlights war ein Konzert mit dem legendären Orchestra Baobab, einer Art Buena Vista Social Club im Senegal".

Robert Lucaciu (Contrabass) gehört zum Arne Jansen Trio ebenso wie Eric Schaefer an den Drums. Jeder im Trio hat schon einen Jazz-Echo gewonnen. "Ihr Markenzeichen sind melodiöse Stücke, transparente Arrangements, Schnörkellosigkeit und ein warmer Gitarrensound", wirbt der Kulturkreis in der Veranstaltungsankündigung und trifft so den Geschmack von mehr als 180 Konzertbesuchern.

Sie wippen mit Füßen und Köpfen, lassen sich hineinziehen in die Geschichten, die Jansens Gitarre, Lucacius Bass und Schaefers Schlagzeug wortlos erzählen, träumen, sind erstaunt und begeistert.

Diese Begeisterung für den Jazz, speziell Modern Jazz, teilen sie mit Arne Jansen. Der 1975 in Kiel geborene Musiker entdeckte verhältnismäßig spät sein Faible fürs Gitarre spielen. Fasziniert von Jimi Hendrix, den Dire Straits, Beatles, Pink Floyd, deren Platten den elterlichen Schrank füllen, findet er ebenso Gefallen an Petti Smiths' Rockgitarre wie an den Tonwiedergaben des US-amerikanischen Jazzmusikers John Scofield. Mit 17 versucht sich Arne Jansen selbst an den Riffs. Mit 16 greift er erstmals zur Gitarre. Zuvor lernte der Sohn eines Kriminaldirektors und einer Buchhalterin Klarinette und Saxophon spielen, "weil es in der Big Band meines Gymnasiums schon drei Gitarristen gab". Seine Eltern hörten viel Rockmusik, seine Schwester ist Sängerin. Arne spart als Schüler sein Taschengeld, um sich alle zwei, drei Monate eine neue Platte leisten zu können, kauft auch heute noch durchaus Vinyl, produziert inzwischen selbst Alben.

Intensität bei der Musik ist ihm wichtig. Er gibt mit der Schülerband Konzerte, haut den Verstärker rein. "Da sind mir mal drei Seiten gerissen", erinnert er sich und deutet eine Tonfolge an "Bu, dej, de, dudej, bababdababdada..."

Trotz seiner Müdigkeit am Montagabend nach Wochenendkonzert und morgendlicher Studioaufnahme überträgt der groß gewachsene, schwarzhaarige Gitarrist seine Leidenschaft fürs Fach auf den Zuhörer und gewährt zugleich einen Einblick in sein Hohen Neuendorfer Einfamilienhaus. Vor vier Jahren zog er mit seiner englischen Frau Helen, klassische Pianistin und aktuell bei den Salzburger Festspielen tätig, hierher. Inzwischen wohnt auch der Opa ihrer Tochter in der Stadt.

"Das war eher Zufall. Wir wollten aus Berlin raus und entdeckten das Haus auf einem großen Immobilienportal. Ganz passend zu uns hatte der zuständige Makler früher Schlagzeugunterricht bei Bela B und wusste, dass ich auf Fritz Radio mal Ärztesongs in Jazzvarianten gespielt habe."

Auf den Jazz aufmerksam wird Arne Jansen im Schülercafé. "Da lief eine CD. Die Intensität des Spiels hat mich ergriffen. Ich wollte wissen, was das ist: Pet Metheny, ein sehr berühmter Jazzmusiker. Da war für mich klar: ,Ich muss erst einmal den Jazz auskundschaften'". Die Freiheit der Improvisation genießt er, übt intensiv "acht bis zehn Stunden täglich während des Jazzgitarrenstudiums", komponiert selbst.

Seine Songs erzählen Geschichten ohne Worte. Bei "He, who Counts the Stars" oder "Always Night" sehen Zuhörer das Firmament über dem usbekischen Samarkand förmlich über sich, wo der Astronom Ulug Beg eines der ältesten Himmelobservatorien aufbaute.

Seine Stücke sind häufig von persönlichen Begegnungen, Zufällen, Reiseeindrücken und Künstlern inspiriert: Hofmaler Francisco des Goya, Hermann Hesse oder das Schweizer Kanton Tessin, der Ort Carona - wiedergegeben mittels modernem Jazz samt Rockeinfluss.

In Hohen Neuendorf ist er zwar angekommen und fühlt sich wohl. "Doch manchmal fehlen mir das Meer und die ausgedehnten Strandspaziergänge an der Kieler Förde."Die Atmosphäre fängt er mit "On the Store ein". Manchmal entlockt er seiner Gitarre Intervalle oder eine Sequenz und merkt "es ist genau der Kern und dann fühlt es sich an als müsste ich das Stück freilegen, beinahe wie ein Archäologe."

Produziert er ein Album, teilt er sich das Studio mit Till Brönner. Mit dem Trompeter, Komponisten und Arrangeur ist er ebenso bekannt, wie mit Katja Riemann, Paul van Dyk, dem Mann von Jeanette Biedermann, Jörg Weißelberg, oder Matthias Schweighöfer. Mit der Band des Schauspielers nahm er schon Musik für "Der Nanni" auf, spielte im Februar 2017 ein erstes Konzert mit dessen Band. Am 4.Mai werden sie gemeinsam im Berliner Tempodrom auf der Bühne stehen. "Die Schweighöfer-Band hat eine besondere Energie, Matthias ist unglaublich spontan."

Von all diesen besonderen Auftritten erzählt Arne Jansen eher beiläufig, völlig uneitel. Er wirkt absolut bodenständig, fährt einen unauffälligen Mittelklassewagen, trägt zu Auftritten einfach Jeans, Poloshirt, schlichtes schwarzes oder graues Hemd, schaffte es noch nicht, alle Umzugskartons auszuräumen. "Wir sind berufsbedingt einfach zu viel auf Reisen, meine Frau und ich. Meist bin ich eine Woche am Stück unterwegs." Ostern jedoch verbrachten sie in ihrem Haus und hörten vielleicht "Die Zauberflöte". Für diese klassischen Töne begeistert sich das Töchterchen aktuell.

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