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Weltwärts
Sansibar, Säulen, Schwungtücher

Die fast 100 Meter hohen Victoriafälle Sambias beeindrucken David Rosenthal und Heinar Kleineberg-Massuthe.
Die fast 100 Meter hohen Victoriafälle Sambias beeindrucken David Rosenthal und Heinar Kleineberg-Massuthe. © Foto: MZV
Antje Jusepeitis / 20.04.2018, 19:14 Uhr
Hohen Neuendorf (MAERKER) (mae) Heinar Kleineberg-Massuthe aus Hohen Neuendorf verbringt ein Freiwilligendienst-Jahr in Uganda / Teil 3

Vor mehr als einem halben Jahr hob Heinar Kleineberg-Massuthe Richtung Uganda ab. Hier verbringt der Hohen Neuendorfer ein freiwilliges Jahr über das Projekt "weltwärts", um Kindern in einer Grundschule zu helfen und sie zu unterrichten. Seinen Aufenthalt hat er durch zwei eigene Spendenkonzerte im Frühjahr 2017 an der Regine-Hildebrandt-Schule mitfinanzieren können. Sporadisch berichtet er über seine Erlebnisse und Arbeiten wie den Bau zweier Steinöfen.

,,Der Sportunterricht macht immer mehr Spaß, weil die Schüler uns und wir sie jetzt ein bisschen besser kennen", stellt der Ugangda-Reisende fest. Unterrichten sei nicht ganz so einfach, weil die Klassen groß sind, die Kinder oft nicht kommen, da die langen Wege nicht passierbar sind oder Eltern das Schulgeld nicht aufbringen können. Rund 100 Kinder gehören zu einer Klasse. Etwa 1 000 Mädchen und Jungen lernen insgesamt an der Kyabirwa Primary School "Sport machen alle gern", sagt Heinar Kleineberg-.Massuthe. Unterrichtet er nicht in der Primary School von Buwenda, kümmert er sich um die zurzeit rund 25 Kinder und Jugendlichen im Kinderheim und Waisenhaus Ewaka. Die Hälfte von ihnen ist zwischen fünf und sieben Jahre alt. Mit einigen von ihnen sind er und die "Weltwärts-Freiwilligen" Mitte Oktober am Victoriasee in Uganda. An dessen nordöstlichem Ende liegt Buwenda/Ewaka.

Die Kinder von Ewaka freuen sich sehr, Heinar nach den Weihnachtsferien wiederzusehen. Er und David, ein weiterer Freiwilliger sind über Weihnachten und Silvester bis Mitte Januar in Sambia, Tansania und auf Sansibar unterwegs gewesen. Eingequetscht in absolut überfüllte Kleinbusse legen sie beispielsweise ganze 300 Kilometer in neun Stunden zurück. Zu meistern sind jedoch nahezu 2000 Kilometer in drei Tagen. ,,Die Straßen sind eine Katastrophe, Schlagloch an Schlagloch, aber die Landschaft Tansanias gleicht der in einem Bilderbuch".

Nach einer abenteuerlichen Fahrt erreichen sie Dar-es-Salaam, die mit etwa 5,47 Millionen Einwohnern größte Stadt und wirtschaftliches und kulturelles Zentrum Tansanias. Gelegen an der Ostküste im südlichen Afrika ist sie Ausgangshafen für die Überfahrt oder den Überflug zur Insel Sansibar. Hier verbringen alle 27 Freiwilligen der ,,Weltwärts"-Organisation, die gerade in Ruanda, Sambia, Uganda und Tansania weilen, gemeinsam Silvester 2017.

Anschließend reisen einige von ihnen für mehr als eine Woche nach Sambia. Nicht ganz ungefährlich. ,,Einige Mädchen wollten nicht mit, da in Lusaka, der Hauptstadt, die Chorlera ausgebrochen sein soll", erzählt der Hohen Neuendorfer. Während der Sambiatage übernachten er und die anderen im Freiwilligenhaus in Livingstone, beobachten, dass Sambia auf sie viel weniger menschenüberfüllt und wesentlich sauberer wirkt als Uganda. ,,Allerdings hat Sambia nur 16 Millionen Einwohner und ist drei Mal so groß wie Uganda, wo mehr als 40 Millionen Menschen leben", hat Heinar nachgelesen.

Gemeinsam mit David und Jan sieht er Zebras, Büffel, Giraffen, Elefanten, Nashörner, die Victoriafälle, den Sambesi-Fluss, traumhafte Sonnenuntergänge und die Projekte von Jan, der in Sambia für ,,Weltwärts" im Einsatz ist.

Ein Jahr zuvor, im Januar 2017, haben für Heinar die Planungen für sein Projekt begonnen. Er bestand das Auswahlwochenende der Organisation und resümiert: ,,Ich bin froh und dankbar, dass ich dieses Projekt gewählt habe." Neben der Arbeit ermöglicht es ihm, ein wenig von der Welt Afrikas kennenzulernen, zu erfahren, wie sich ein Leben jenseits großer Einkaufsmeilen, fester Straßen, gesicherter Stromversorgung und Hygienestandards anfühlt. Zurück in Buwenda, seinem Einsatzort, beginnt Anfang Februar für Ebou und Sarah wieder die Schule. ,,Für Marie und mich ging's eine Woche später weiter. Das passte ganz gut. Maries Zimmer musste vom Schimmel befreit werden und bei den Arbeiten musste immer einer im Haus bleiben."

An der Schule gab es derweil einen kleinen Zwischenfall. ,,Matty und Tam haben bei der Kyabirwa School eine Library (Bibliothek) eröffnet. Der Headteacher hat kurz vor Weihnachten den Lehrern angeboten, gespendete Sachen zu bekommen. Viele Lehrer haben sich dagegen entschieden. Von Moses, einem Lehrer aus der Schule haben wir erfahren, dass viele Lehrer die Schule verlassen haben. Moses gehört zu ihnen."

Es soll eine neue Nurseryschool eröffnen. Sie wird von einer italienischen Baufirma finanziert. ,,Wir haben uns das im Bau befindliche Gebäude angeguckt. Ich bin sehr gespannt, ob es fertig wird. Moses hat uns erzählt, dass die Löcher für die Toiletten 40 Meter tief sind - unglaublich."

Der Unterricht an der Kyabirwa School hat trotzdem begonnen. ,,Es hat sich eigentlich nichts geändert", beschreibt Heinar seinen Eindruck. ,,Wir haben den Lehrern ,Guten Tag' gesagt, die ersten Sportstunden nach den Ferien gegeben. Frisbee stand auf dem Stundenplan, einen Tag später Handball. ,,Außerdem haben wir mit Schwungtüchern verschiedene Spiele gespielt. Die Schwungtücher haben wir in den Sachspenden für die Schule gefunden."

Für das Kinderheim Ewaka galt es, einen neuen Plan zu erstellen. ,,In Zukunft werden immer zwei von uns fünf Helfern mit zwei Kindern schwimmen gehen. Die Neulinge, die erst seit August bei Ewaka wohnen, sind noch sehr wasserscheu, weshalb sie jetzt Einzelunterricht bekommen. Weitere Aufgaben warten auf Heinar und die anderen ,,Weltwärts"-Freiwilligen. ,,Als Erstes sollten wir die neu verputzen Säulen grün anstreichen. Die großen Kinder haben uns dabei geholfen. Außerdem haben wir auf die Chickenfarm den Sponsor geschrieben und sie mit Wiesen und Hühnern", berichtet Heinar von seinem Kunstprojekt-Alltag im ugandischen Dorf.

Als er das erste Mal 2018 mit seinen Kindern schwimmen geht, ist ,,Ashraf sogar ohne Schwimmflügel ins Wasser, obwohl er noch nicht richtig schwimmen kann. Okullu und Akello sind ein bisschen vorsichtiger. Normalerweise bringen wir die Kinder mit einem Boda (Zweirad) nach Hause, aber ich habe alle drei mit dem Fahrrad transportiert: Okullu auf dem Lenker, Akello sitzt auf dem Rahmen und Ashraf klammert sich wie ein Äffchen auf meinen Rücken." In Deutschland absolut unzulässig, denkt nicht nur Heinar trocken und erklärt:

,,Die aktuelle Trockenzeit ist kaum mehr auszuhalten. Fahrradfahren wird von Tag zu Tag gefährlicher, weil sich immer mehr Zuckersand bildet. Die Autos und Lkw fahren in der Mitte der Straße und Fahrradfahrer müssen ausweichen, was manchmal echt nicht so einfach ist."

Bald schon wird Heinar wieder auf den geteerten und gepflasterten Straßen Hohen Neuendorfs unterwegs sein. ,,Unsere Nachfolger stehen fest. Es gilt also, unsere begonnenen Arbeiten zu beenden. Unser Chef und auch unsere Projektmanager sagen, wir sind bislang mit Abstand der beste Jahrgang bei Ewaka", schöpft er Motivation zum Weiterarbeiten aus dem Lob. Während seines Uganda-Aufenthaltes baute er unter anderem in Eigenregie zwei Steinbacköfen, einen für Ewaka und einen für die Unterkunft der Freiwilligen in Buwenda.

Seither werden hier Kekse, Brot und Pizzen gebacken - ein bisschen Heimatgefühl. Viele von Heinars Erlebnissen sind nachzulesen auf https://ebou-jinja-uganda.blog

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