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Luther kulinarisch

Oliver Wittkopf, Peter Seifert mit einer Flasche "Luthers Schwarzes" und Bernd Norkeweit (von links) von der Rathausbrauerei in Fürstenwalde.
Oliver Wittkopf, Peter Seifert mit einer Flasche "Luthers Schwarzes" und Bernd Norkeweit (von links) von der Rathausbrauerei in Fürstenwalde. © Foto: Matthias Schäfer
19.07.2017, 11:39 Uhr
Frankfurt (Oder) () Was dem Reformator Martin Luther wohl einst gemundet haben mag? Vielleicht war es Erbsenpüree mit Brathering, den er sich vor 500 Jahren auf der Zunge zergehen ließ. Bestimmt wird er sich auf seinen Reisen immer mal wieder ein frisch gezapftes Bier schmecken lassen. Dies sind Stationen für eine kulinarische Entdeckungstour im Jahr des Reformationsjubiläums.

Luther-Bier aus Fürstenwalde (Spree)

In einem Seitenraum des Kellergewölbes ist es warm und es riecht intensiv nach Maische. Dieser Geruch entsteht, wenn geschrotetes Malz mit Wasser vermischt und erhitzt wird. Brauer Oliver Wittkopf hat gerade einen Braukessel angesetzt, in dem 500 Liter Bier bei 100 Grad Celsius kochen. Es ist ein ganz spezielles Bier. "Luthers Schwarzes" gibt es nur zum Reformationsjubiläum. 1.000 Liter wurden insgesamt davon hergestellt und in 1-Liter-Flaschen mit dem charakteristischen blau-gelben Luther-Etikett abgefüllt. "Das Luther-Bier ist ein dunkles, untergäriges, nicht so stark gehopftes Bier mit einem leicht malzigen Geschmack", erzählt Peter Seifert, Inhaber der Rathausbrauerei Fürstenwalde im Seenland Oder-Spree. Rund acht Stunden dauert das Kochen des Bieres. Danach kommt es in den Whirlpool - einer Zentrifuge, wo das Bier langsam heruntergekühlt wird.

1451 hatte die Brautradition in Fürstenwalde an der Spree begonnen. Große Unternehmen wie Paulaner, Schultheiß und Patzenhofer hatten einst große Brauereien in der Stadt. In den 1930er-Jahren endete jedoch die jahrhundertelange Tradition aufgrund der Konkurrenz der Bier-Unternehmen im nahen Berlin. Erst 76 Jahre später wurde die 565 Jahre lange Brautradition in Fürstenwalde fortgesetzt. Genau gesagt war es der 12.12.2012. An diesem Tag wurden die ersten Maschinen und Kessel in den Keller des alten Rathauses gehievt, erinnert sich Peter Seifert. Von nun an zog wieder Leben in den Gewölbekeller des Alten Rathauses ein. Das Besondere in der Brauerei: alles ist handgemacht - vom Befüllen der glänzenden Kupferkessel bis zum Abfüllen in die 1-Liter-Bügelflaschen. Und die Zutaten sind immer gleich: Malz, Hopfen, Hefe und Wasser - so will es das Reinheitsgebot von 1516. Nur durch die veränderten Anteile der Zutaten und verschieden langen Kochzeiten kommt am Ende ein unterschiedlicher Biergeschmack zustande. (www.rathausbraeu-fuerstenwalde.de)

Luther-Menü in Finsterwalde

Bestimmt hätte Martin Luther das Fürstenwalder Rathsbräu gemundet, so wie auch das 4-Gang-Menü im Restaurant "Goldener Hahn" in Finsterwalde im Elbe-Elster-Land. Hier steht seit 20 Jahren Gourmetkoch Frank Schreiber am Herd. Für das Reformationsjahr hat er sich ein spezielles Luther-Menü ausgedacht. Dazu hat Frank Schreiber zusammen mit seiner Frau Iris vorab intensiv in Büchern recherchiert, was bei Martin Luther und seinen Zeitgenossen in Eisleben, Magdeburg, Worms oder Wittenberg auf den Tischen gestanden hatte. Dazu zählt unter anderem ein Erbsenpüree mit Brathering, was Luthers Leibspeise gewesen sein soll. Auf alle Fälle werden sich die Menüs aus jahreszeitlichen Produkten zusammensetzen, die allesamt aus der Region stammen. Das kulinarische Erlebnis steht in diesem Jahr noch insgesamt sechs Mal auf der Speisenkarte. Auf alle Fälle engagiert sich Frank Schreiber immer wieder gern touristisch für die Reiseregion Elbe-Elster-Land. So ist bei ihm im Restaurant selbstverständlich auch der Luther-Pass erhältlich. Er ist das "offizielle" Reisedokument im Jahr des Reformationsjubiläums. Das pinkfarbene Heft verbindet Reformationsorte in Brandenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Mit dem Luther-Pass gibt es in den acht Orten bei vielen Pass-Paten besondere Angebote. Termine für das Luther-Menü: 21.7., 11.8., 8.9., 31.10, 24.11., Beginn jeweils 19 Uhr, Preis p.P. 49 Euro. (www.schreiber-cuisine.de)

Luther-Teller in Herzberg (Elster)

Ein weiteres kulinarisches Angebot wartet im nahe gelegenen Herzberg (Elster). Direkt gegenüber der St. Marienkirche, nicht weit entfernt vom ehemaligen Gebäude des Melanchthon-Gymnasiums im Herzen der historischen Altstadt, hat das Luther-Stübchen eröffnet. Hier kann man sich entspannt niederlassen und nach dem Auf- und Abstieg vom Turm der Marienkirche einen Kaffee genießen. Und zwar nicht irgendeinen, sondern Kaffee, der in Herzberg geröstet wurde. Andreas Bintig, Inhaber der "Kleinen Kaffeerösterei", röstet mit ihn Leidenschaft selbst und kann viel darüber berichten. Aber Kaffee allein macht noch nicht glücklich. Deshalb unterstützen Christian Graf und Nicole Thinius von der Bäckerei & Café Plätzchen ihn und backen neben ihrem Tagesgeschäft extra leckeres Backwerk und bereichern so das Angebot des Luther-Stübchens. Am 21. Juli findet in Herzberg (Elster) außerdem eine kulinarische Stadtführung mit dem Luther-Fachmann Ulf Lehmann statt. Sie beginnt mit einem Cocktail in Kneists Kleinem Restaurant. Anschließend geht es zu den Herzberger Schauplätzen der Reformation wie dem ehemaligen Melanchton-Gymnasium und endet mit einem zünftigen Luther-Teller im Gasthaus von Romy und Ronald Kneist, die seit Oktober 2015 das kleine Restaurant betreiben. Mit einem monatlich wechselndem Gericht aus der Küche von Katharina von Bora, der Frau von Martin Luther, möchten die beiden ihre Gäste überraschen und gleichzeitig eine kulinarische Zeitreise ins Mittelalter unternehmen. (www.das-plaetzchen.de, www.kneists-kleines-restaurant.de)

Luther-Menü in Mühlberg

Gerichte wie zu Luthers Zeiten gibt es auch im Gasthof "Zum Kronprinz" in Mühlberg. Wer mit knurrendem Magen auf Wanderschaft durch die Stadt an der Elbe ist, wird im "Gasthof zum Kronprinz" fündig. So steht hier im Reformationsjahr ein spezielles Luther-Menü auf der Speisenkarte. Besitzer des Luther-Pass' bekommen übrigens zusätzlich ein alkoholfreies Getränk gratis. (www.gasthof-zum-kronprinz.de)

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