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Kahnfahrten im Winter

Der Spreewald - hier in Burg - zeigt sich im Winter von seiner stillen Seite. Nur selten begegnet man an den Ufern und auf dem Wasser seinesgleichen. Das macht den Reiz aus.
Der Spreewald - hier in Burg - zeigt sich im Winter von seiner stillen Seite. Nur selten begegnet man an den Ufern und auf dem Wasser seinesgleichen. Das macht den Reiz aus. © Foto: Claudia Rößger
Dietmar BENDER / 25.01.2018, 16:39 Uhr - Aktualisiert 26.01.2018, 11:42
Burg (MäMa/Märker/Brawo) Längst hat es sich herumgesprochen - oder eben noch nicht: Kahnfahrten im winterlichen Spreewald sind ein besonderes Erlebnis. Das liegt bei Weitem nicht nur an dem Glühwein, der nicht fehlen darf und den auch Kahnführer Karsten reicht, als er seinen Gästen eine große Thermoskanne reicht und vom Bootshaus Rehnus in Burg ablegt. Wenn sich dann sogar ein wenig die Sonne zeigt, wie zur Mittagszeit am Neujahrstag, dann kann das ruhige Gleiten mit dem hölzernen Kahn auf den schmalen Spreearmen zu einem noch größeren Vergnügen werden als im belebten Sommer. "Aber auf den Fließen und Kanälen in Burg und Umgebung ist auch im Sommer nicht so viel los wie in der Gegend um Lehde oder Lübbenau", weiß der Fährmann, der schon über zehn Jahre die Gäste durch den Spreewald schippert. Außerdem kennen die Kahnführer ihre Strecken so gut, dass sie einem möglichen Ansturm schnell ausweichen können. Doch dies ist an jenem Wintertag nicht nötig: keine Paddelboote und nur ein weiterer Kahn im Gegenverkehr - mehr Bewegung gab es in der Stundentour nicht.

Im Spätherbst, Winter und im frühen Frühjahr ist die Sicht auf die Landschaft sowie die Gehöfte, die rechts und links, mal dichter, mal weitläufig verstreut am Kanal entlang liegen, gänzlich unverstellt. Dieser Blick zeigt aber auch, wie der Sommersturm streckenweise hier gewütet und viele Bäume, ob mit der gesamten Wurzel oder am Stamm, einfach umgepustet hat. "Es wird noch Jahre dauern, bis alles Bruchholz weggeräumt ist", sagt Karsten, während er im ruhigen Rhythmus stakt.

Etwa 300 natürliche Wasserläufe gibt es um Burg herum, dazu weitläufige Wiesen und Felder sowie die sogenannten Kaupen, also Schwemmsandinseln, die dem Ortsteil Burg-Kauper seinen Namen geben. Mit dem Kahn geht es sowohl auf kurzen als auch auf langen Wegen durch das Dorf. Beliebt sind beispielsweise die Kahnfahrten in den Hochwald, die ab Burg etwa fünf bis sechs Stunden dauern oder den kurzen Schnuppertouren. In allen drei Ortsteilen Burg-Dorf, Kolonie und Kauper finden sich Häfen für eine Kahntour. Schleusentouren sind besonders beliebt. Doch auch die "Kahnfahrt zur Hofbrennerei", die entspannte Tour mit dem "Wellnesskahn der Sinne" oder die romantische "Kaminkahnfahrt" begeistern die Gäste. Interessante Sehenswürdigkeiten in Burg, wie der Bismarckturm, die Heimatstube, der Barfußpark oder Steffens Geschichtsstübchen laden zusätzlich zu einem Ausflug in den Kurort ein.

Beim Bootshaus Rehnus werden auch Rundfahrten auf Fontanes Spuren, nach Leipe oder Lübbenau sowie Mondscheinpartien angeboten. Man kann sich hier vorher oder nach einer Fahrt im Spreewaldhäuschen mit einem traditionellen Hefeplinsen stärken.

Steven Rehnus, der Juniorchef des altehrwürdigen Bootshauses, ist mit dem Kahnfahren groß geworden. Schon als kleiner Junge stand er am Wochenende oder in den Ferien an der Schleuse und hat sich dort nach der Wende so manche D-Mark verdient. "Um von den Touristen ein bisschen Trinkgeld zu bekommen, reichte es natürlich nicht, einfach die Hand aufzuhalten, da musste schon ein flotter Spruch her", erzählt er. "Ich bin ein kleiner Zwerg, ich komm' nicht über'n Berg, drum gib mir eine Mark, dann bin ich wieder stark." Oder: "Schleusenwärter groß und klein, wir lassen in die Schleuse rein. Wir lassen Sie auch wieder raus und wir hoffen, Sie geben einen aus. Ist uns're Arbeit dann getan, recht gute Fahrt im Spreewaldkahn. Doch ist der Gewinn nicht wie vermutet, wird der Kahn geflutet!"

Außerdem gab es ein ungeschriebenes Gesetz: Wer morgens als erster an einer der Burger Schleusen stand, durfte bestimmen, wer noch mitmachen darf. Jungs aus anderen Orten wurde übrigens nicht geduldet, "sonst kamen die großen Brüder. Manchmal gingen wir sogar mit einigen hundert D-Mark nach Hause!"

Heute führt Steven er den väterlichen Betrieb weiter - und kann bei einem Hefeplinsen noch viel mehr Kahn-Geschichten erzählen.

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