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Brecht-Jubiläum
Kunstdebatte im Rückblick

Blick in einen der Ausstellungsräume im 2017 eröffneten Gustav Seitz Museum Trebnitz, wo zum Brecht-Jubiläum Werke von Seitz und Barlach sowie Texte von Seitz und Brecht zu sehen sind
Blick in einen der Ausstellungsräume im 2017 eröffneten Gustav Seitz Museum Trebnitz, wo zum Brecht-Jubiläum Werke von Seitz und Barlach sowie Texte von Seitz und Brecht zu sehen sind © Foto: Gustav Seitz-Museum/Franziska Mandel
14.02.2018, 16:54 Uhr
Zum 120 (MäMa/Märker/Brawo) Geburtstag von Bertolt Brecht - am 10. Februar 2018 - eröffnete das Gustav Seitz Museum in Trebnitz die Studioausstellung "Unerwünschtes Erbe? Gustav Seitz und Bertold Brecht über Ernst Barlach". Die Ausstellung, die bis zum 29. April 2018 präsentiert wird, ist eine Zusammenarbeit mit dem Brecht-Weigel-Haus Buckow und dem Ernst-Barlach-Museum Güstrow.

Die Ausstellung "Unerwünschtes Erbe? Gustav Seitz und Bertold Brecht über Ernst Barlach" zeigt Werke von Gustav Seitz und Ernst Barlach sowie Texte zur Kunstkritik von Seitz und Bertolt Brecht. Hintergrund der Ausstellung ist der sogenannte Formalismusstreit der Jahre 1951/52. Die Akademie der Künste der DDR zeigte damals eine repräsentative Ausstellung mit Werken von Ernst Barlach, der unter den Nationalsozialisten mit Ausstellungsverbot belegt war. Gustav Seitz, der als zweiter Redner nach dem Akademiepräsidenten Arnold Zweig die Ausstellung eröffnet hatte und Barlachs Werk würdigte, erfuhr jedoch herbe Kritik seitens der Presse. Als Reaktion auf ihre Verdammungsurteile schrieb Seitz eine Entgegnung: "Mehr Sachlichkeit in der Kunstkritik". Das Typoskript verschickte er an die Presse und u. a. an Bertolt Brecht und Ernst Bloch. Der Text wurde nirgends gedruckt. Brecht verfasste daraufhin selbst seine "Notizen zur Barlach-Ausstellung" ("Ich halte Barlach fuer einen der groessten Bildhauer, den wir Deutschen gehabt haben."). Auch sie wurden in der Tagespresse nicht veröffentlicht, Brecht konnte aber das eingeschränkt öffentliche Forum der Akademie-Zeitschrift "Sinn und Form" (4, 1952) für die Publikation nutzen.

Die Ausstellung im Gustav Seitz Museum beleuchtet die Positionen und Konfrontationen der Künstler in diesem Streit. Brechts und Seitz' differenzierte Auffassung gesellschaftlich-fortschrittlicher Kunst im Sinne sozialistischer Vorgaben ohne ideologische Gängelung prägte ihr weiteres Wirken in der Akademie, der sich beide als ihre Gründungsmitglieder sehr verpflichtet fühlten. Nach Brechts frühem Tod im Jahre 1956 begann Seitz anhand von Zeichnungen aus der gemeinsamen Zeit über lange Jahre bis zu seinem eigenen Tod 1969 Porträts von Brecht zu gestalten und durch weitere Zeichnungen Eigenarten und Wesenszüge des Dichters und Theatermannes herauszuarbeiten.

Ab dem 14. August 2018 folgt eine Ausstellung im Brecht-Weigel-Haus Buckow, die dieses Thema ebenfalls mit eigenem Fokus bearbeitet und Brecht-Porträts von Gustav Seitz zeigen wird.

Ort der Ausstellung ist das im September 2017 eröffnete Gustav Seitz Museum im Schloss Trebnitz bei Neuhardenberg. In den Räumen des eigens dafür sanierten Waschhauses der ehemaligen Gutsanlage wird der künstlerische Nachlass des Bildhauers und Zeichners Gustav Seitz (1906-1969) dauerhaft bewahrt. Dazu gehören die erhaltenen Gussmodelle, Bildwerke in Bronze wie Groß- und Kleinplastik sowie Reliefs, Zeichnungen und Druckgrafik. Der Standort des Museums führt zu einer Zusammenarbeit mit dem Bildungs- und Begegnungszentrum Schloss Trebnitz. Zukünftig sollen hier gemeinsam beispielsweise Kurse für Familien und Kinder aus der Region, deutsch-polnische Künstler-Pleinairs und regelmäßige Führungen angeboten werden.

Als Ergänzung des Museumsbesuchs bietet sich ein Spaziergang durch den historischen Trebnitzer Schlosspark an. Schlossanlage und Park werden durch außergewöhnliches Engagement Ehrenamtlicher erhalten, renoviert und gepflegt und sind ganzjährig begehbar. (tmb/db)

Informationen:

Dauer der Sonderausstellung im Gustav Seitz Museum, Platz der Jugend 3a, 15374 Müncheberg OT Trebnitz: bis 29. April 2018; Öffnungszeiten: mittwochs bis sonntags 11 -17 Uhr und nach Vereinbarung unter 033477-5190; weitere Informationen, auch zum Begleitprogramm der Ausstellung, unter: www.gustav-seitz-museum.de

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