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Neue Ausstellung
Naturforscher Georg Forster auf der Spur

Wiederentdeckt: Georg Forster. Eine erste Ausstellung im Schloss Wörlitz zeigt das Wirken Forsters als Weltreisender, Naturforscher, Zeichner und Revolutionär.
Wiederentdeckt: Georg Forster. Eine erste Ausstellung im Schloss Wörlitz zeigt das Wirken Forsters als Weltreisender, Naturforscher, Zeichner und Revolutionär. © Foto: Dietmar Bender
27.06.2018, 13:51 Uhr
Wörlitz (MäMa/Märker/Brawo) Im UNESCO-Weltkulturerbe Gartenreich Dessau-Wörlitz, nur wenige Kilometer südlich der Brandenburger Landesgrenze, verbirgt sich seit Jahrzehnten ein sensationeller Sammlungsbestand an bedeutenden ethnologischen Objekten aus dem 18. Jahrhundert: Die Wörlitzer Südsee-Sammlung. Diesen seltenen Schatz neu zu heben und ihn der Öffentlichkeit in einer umfassenden Dauerausstellung wieder zugänglich zu machen, ist für die Jahre 2018 und 2019 das erklärte Ziel der Kulturstiftung Dessau-Wörlitz im Rahmen des Georg-Forster-Jahres "Georg Forster - Der Welterkunder in Wörlitz". Der erste Schritt wurde nun Anfang Mai gemacht, als die Ausstellung "Forster in Wörlitz: Südsee-?Romantik - Welterkundung - Aufklärung" im Wörlitzer Schloss. Den Anstoß dafür gab der Historiker und Journalist Dr. Frank Vorpahl, der bereits im Alter von zehn Jahren mit den Naturzeichnungen des Weltreisenden in Berührung kam und seither vom Leben des Georg Forster (1754-1794) - Naturforscher, exzellenter Zeichner und Schriftsteller, später Jakobiner und schließlich Revolutionär - begeistert war. Später recherchierte er in Archiven und begab sich auf die Spuren Forsters bis nach Polynesien, wo dieser einst als 17-Jähriger mit dem Weltumsegler James Cook anlandete. Zusammen mit seinem Vater Johann Reinhold Forster (1729-1798) hatte er James Cook auf dessen zweiter Weltumsegelung begleitet. Gemeinsam hatten Vater und Sohn Tier- und Pflanzenwelt beobachtet, gezeichnet und klassifiziert und Georg Forster tat sich auf dem Feld der vergleichenden Länder- und Völkerkunde hervor. Seine Reiseeindrücke hielt er in seinem Werk "Reise um die Welt" fest. Während der Reise sammelten die Forsters eine große Fülle an ethnologischen Objekten, aus deren Fundus sie Fürst Leopold III. Friedrich Franz von Anhalt-Dessau bei seinem Besuch in England im Jahr 1775 eine Auswahl zum Geschenk machten. Forster freundete sich daraufhin mit ihm an.

Der erste Teil der Ausstellung im Schloss informiert über die Rückkehr und die Geschichte der Wörlitzer Südsee-Sammlung. In drei Räumen des Schlosses, welche thematisch über Georg Forsters Wirken berichten, werden zudem abgeschlossene und laufende Restaurierungsarbeiten dokumentiert.

Der nachhaltige Schutz und die behutsame Präsentation der 250 Jahre alten, überaus wertvollen Stücke der Wörlitzer Südsee-Sammlung haben oberste Priorität. Um die ethnologischen Artefakte Stück für Stück in die Dauerausstellung im Mezzanin des Wörlitzer Schlosses zu implantieren, sind daher Zeit und Ruhe erforderlich. Das Voranschreiten der konservatorischen Maßnahmen soll in der Ausstellung selbst reflektiert werden. Nach der ersten Ausstellungseröffnung gibt es zwei weitere Höhepunkte: Vom 6. bis 8. September veranstaltet die Dessau-Wörlitz-Kommission mit verschiedenen Partnern die wissenschaftliche Tagung "Johann Reinhold und Georg Forster - Gesammelte Welten". Und schließlich wird am 5. Mai 2019 die "Rückkehr ins Licht" der gesamten Wörlitzer Südsee-Sammlung feiern - dann auf verdoppelter Ausstellungsfläche im Wörlitzer Schloss.

Georg Forster ist eine der faszinierendsten Figuren der deutschen Geistesgeschichte. Sein Leben ist so dramatisch wie reich, als Revolutionär rief er auch die Mainzer Republik mit aus und organisierte - per Haftbefehl gesucht und von der vernichtenden Reichsacht bedroht - vom revolutionären Paris aus den Schutz der belagerten Stadt. Kein Wunder, dass er vor diesem Erfahrungshintergrund die Welt in vielem anders sah als seine Zeitgenossen. Seinen frühen Tod fand er in Paris, er starb ausgezehrt an einer Krankheit, um ihn herum tobte gerade der Terror der Guillotinen.

Über seine Entdeckungen und Erfahrungen fasste Frank Vorpahl in seinem erst kürzlich erschienenen Buch "Der Welterkunder: Auf der Suche nach Georg Forster" zusammen. Auf den Spuren Forsters wandelnd fand er im Laufe der Jahre Erstaunliches: unbekanntes Archivmaterial, Reste der Cook'schen Expedition, Stellen, an denen Forster stand und mit deren Hilfe man Zeichnungen geographisch verorten kann; vergessene Texte, unbekannte Zeichnungen. Detailgenau registriert er, wie verschiedene Weltgegenden sich seit Forsters Zeiten änderten. Er reiste systematisch an Orte, an denen Forster sich aufhielt. Er traf Reiseforscher wie Thor Heyerdahl, Geschichts- und Politkenner, Biologen, Ökologen, Sprachwissenschaftler, aber auch Fischer auf der Osterinsel, Bio-Drogen-Dealer auf Tonga und die angeblich letzten Kannibalen auf Tanna. (Öffnungszeiten bis Oktober: Di-So 10-18 Uhr) (db)

(Frank Vorpahl: "Der Welterkunder: Auf der Suche nach Georg Forster", Galiani-Berlin, 544 S., geb., Preis: 32 Euro)

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