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Honda Jazz
Ein Bonsai mit Van-Charakter

MOZ / 07.02.2019, 16:11 Uhr
Frankfurt (Oder) ([]) Was ist das nun? Ein Kleinwagen, ein Crossover oder doch eher ein kleiner Van? Die einen sagen so, die anderen so. Für uns ist der Honda Jazz ein Bonsai mit Van-Charakter. Und wenngleich er nur 4,05 Meter zwischen den Puffern misst, ist er innerhalb seiner Gilde ein echter Alleskönner unter den variablen und praktischen Mobilen. Was der smarte Japaner drauf hat? Der Märkische Markt hat ihn getestet.

Außen kommt der Jazz (Radstand 2,53 m) mit einem agilen Look daher und stellt seinen Blechbody mit kräftigen Linien und Konturen zur Schau. Vorn geben ihm sportliche Stoßfänger ordentlich Schwung. Besonders gelungen an der auch bei der 3. Generation beibehaltenen klassischen Silhouette sind die schmalen Frontscheinwerfer (mit serienmäßigen LED) und die markante geschwungene Linie in den Flanken des mit 1,55 m hoch gebauten Jazz. Hinten setzen die fast vertikale Heckscheibe, hohe Leuchten und ein dreiteiliger Diffusor ästhetische Akzente. Ansonsten macht der Jazz eigentlich nicht auf protzig oder extravagant modern aussehend. Lifestylige Anflüge überlässt man lieber anderen.

In das Auto steigt man ein mit erhobenem Haupt ohne Bückling, durch hohe Türen und ein luftiges Dach. Hier zeigt sich der Japaner ähnlich flott beseelt mit einem Cockpit ohne Biedermann-Mief und mit modern gestalteter Armaturentafel. Allerdings sind die Instrumente nicht besonders gut ablesbar und auch die verarbeiteten Materialien wirken insgesamt etwas schlicht. Daran ändern auch nichts die bei der serienmäßigen Dynamic-Ausstattung orange gefärbten Nähte an Sitzpolsterung, Lenkrad und Schaltknauf. Löblich hingegen sind die gut konturierten Sitze, die auch hinten ausreichend feste Polster bieten.

Als Motor haben wir für den Test die üppigste Variante gewählt, welche 130 PS aus 1,5 l Hubraum schöpft. Der aus dem HR-V bekannte Vierzylinder (erfüllt die Euro 6d-Temp-Norm) sorgt auch im Jazz für ordentlich Musik unter der Haube. Und wie fährt er sich? Nun, seine 155 Nm machen ihn auch ohne Turbounterstützung ausreichend agil. Die Bildsprache wie Gut-am-Gas-Hängen und Leichtfüßigkeit - hier ist sie angebracht. Wenngleich der Jazz bei den oberen Gängen kräftig geschaltet werden will, was bei dem knackigen Sechsgang-Getriebe allerdings Vergnügen macht. Nur bei Vollgas und ordentlich beladen mit Passagieren und Last verweist das Triebwerk mit leichtem Trompeten auf seine Maloche.

Wer gern schalten lässt – kein Problem: Für 1.300 Euro Aufpreis ist ein stufenloses CVT-Getriebe erhältlich welches speziell für das Jazz-Aggregat überarbeitet wurde. Es wird automatisch über das Motor-Management-System gesteuert und wählt anhand von Motorgeschwindigkeit, Drosselklappenstellung und Fahrereingabe das optimale Verhältnis unter den sieben simulierten Gängen aus. Lenkung und Bremsen passen zum dynamischen Anspruch, die Federung genügt dagegen nicht jedem Komfortanspruch. Bei fiesen Straßenunebenheiten rumpelt es ungeniert bis in die Sitze.

Und der Verbrauch? Genügsam soll er sein, verspricht Honda. Nun ja, was Hersteller eben darunter verstehen. Zumindest bei unserem Probegalopp gab der Jazz kein Zeugnis von Askese ab, nahm sich im Schnitt gut 1,5 l mehr als angegeben aus dem allerdings ausreichend großen 40-l-Bunker, welcher übrigens direkt unter den Vordersitzen platziert ist und somit Raum schafft unter den Rücksitzen für das vielfach konfigurierbare hintere Sitzsystem. Die Sitze vorn bieten guten Seitenhalt, hinten bleibt es beim genial ausgetüftelten und flexibel einstellbaren „Magic Seats“-System. Ob Familie oder Baumarkt – der Jazz meistert so bestückt eigentlich alles.

Dann los zum fröhlichen Stühlerücken: Man schiebt die Vordersitze einfach nach vorn, klappt Reihe zwei um und – Abrakadabra! ist alles im Wagenraumboden verschwunden. Fehlt eigentlich nur noch ein Schaukelstuhl. Der lässt sich zumindest locker einladen, denn im Tall-Modus können die Sitzflächen wie beim Kino-Gestühl in senkrechter Position hochgeklappt werden und bieten dann viel Stauraum für hohe Gegenstände (oder auch Fahrräder) hinter den Vordersitzen. Als Zweisitzer schluckt der Kleine bis 1.314 l und nach Umlegen des Beifahrersitzes geht sogar Sperriges bis 2,48 Meter Länge rein. Klingt alles ziemlich unwahr, denn diese Platzfülle sieht man dem Zwerg von außen nicht an.

Alles in allem ist der Jazz ein Bonsai-Van mit echt praktischem Nutzwert, für den jedoch als 130-PS-Variante ein recht selbstbewusster Preis von 20.390 Euro aufgerufen wird. Aber dafür gibt es gleich die flott aufgepeppte Dynamic-Version mit besagter Sportoptik, Klimaautomatik, Rückfahrkamera, LED-Scheinwerfern, Lederlenkrad, einem 7-Zoll-Infotainmentsystem, getönten Fondscheiben, Parksensoren vorn und hinten, Sitzheizung vorn. Ebenso schon an Bord sind außerdem u. a. Nebelscheinwerfer, ein Heckklappenspoiler, als auch 16-Zöller in Hochglanz-Schwarz, eine Audioanlage und ein Tempomat. Und an verschiedenste Assistenzsysteme hat Honda ebenso gedacht. Serie sind u.a. automatische Fahrlichtschaltung, Tempomat, Sitzheizung sowie elektronische Helferlein wie City-Notbremsassistent, Kollisionswarner, Spurhalteassistent und Verkehrszeichenerkennung.

Rainer Bekeschus

MäMa-Testfahrt: Honda Jazz

Honda Jazz

1.5i-VTEC Dynamic

Motor: 1,5-Liter-Vierzylinder-Benziner, Direkteinspritzer, 130 PS

0 - 100 km/h: 8,7 Sekunden

Spitze: 190 km/h

Verbrauch: 5,9 Liter Super

CO²-Wert: 133 g/km

Kofferraum: 354 - 1.314 l

Preis: ab 20.390 Euro

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