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Events zum Jubiläum
100 Jahre Bauhaus (Teil 1)

Das Bauhaus-Denkmal Bundesschule Bernau wurde 2017 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen.
Das Bauhaus-Denkmal Bundesschule Bernau wurde 2017 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. © Foto: Lehmann
MOZ / 10.05.2019, 16:58 Uhr - Aktualisiert 10.05.2019, 17:06
Frankfurt (Oder) Zu den weltweit bekannten Bauhaus-Stätten in Dessau und Berlin ist es von Brandenburg aus nur einen Katzensprung. Kein Wunder, dass auch hier wichtige Zeugnisse der vom Bauhaus beeinflussten Architektur und Kunst zu finden sind. So wurde dieim Jahr 2017 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Die bereits seit 1996 bestehende Welterbestätte "Das Bauhaus und seine Stätten in Weimar und Dessau" wurde damit um das Bauhaus Denkmal Bundesschule Bernau erweitert.

Von 1928 bis 1930 schufen der Bauhausdirektor Hannes Meyer, der Leiter der Bauhaus-Architekturwerkstatt Hans Wittwer sowie Studierende des Dessauer Bauhauses im Auftrag des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) einen einzigartigen Schul- und Internatskomplex. Das funktionale Schulgebäude diente nicht nur der Wissensvermittlung, sondern vereinte gemeinsames Lernen und Leben mit Sport- und Kulturangeboten. Unter Meyer, der in der Planungszeit die Position des Direktors des Bauhauses in Dessau inne hatte, wurde das Bauwerk der Bundesschule in Bernau ausgeführt. Hans Wittwer, seit März 1928 als Meister der Bauabteilung und Leiter des Baubüros am Bauhaus tätig, war bis Anfang 1929 maßgeblich daran beteiligt. Auch die Mitarbeit der Studierenden der Baulehre und die Einbeziehung mehrerer Werkstätten in den Bauprozess belegen die enge Bindung an die Bauhausarbeit. Die Bundesschule ist nach dem Bauhaus-Gebäude in Dessau von 1925/26 (Architekt Walter Gropius) das zweite Schulgebäude aus dem Wirkungsfeld des Bauhauses. Sie steht bis heute als ein Beispiel für eine gegliederte bauliche Anlage, die frei und einfühlsam in den naturbelassenen Landschaftsraum komponiert wurde.

(Das Bauhaus-Denkmal Bundesschule Bernau ist kein öffentlich zugängliches Gebäude. Besichtigungen der Innenräume sind deshalb nur im Rahmen von Führungen möglich, die immer donnerstags und sonntags um 11.30 und 14.30 Uhr nach vorheriger Anmeldung stattfinden. Buchung unter www.bauhaus-denkmal-bernau.de/fuehrung)

Anlässlich des Bauhaus-Jubiläums 2019 präsentiert das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR in Eisenhüttenstadt bis zum 5. Januar 2020 die Sonderausstellung "Alltag formen! Bauhaus-Moderne in der DDR". Die Ausstellung Alltag formen!" - funktional, langlebig und optimiert für die industrielle Massenproduktion - stellt Objekte der Alltagskultur der DDR – Möbel, Gefäße, Technik, Grafikdesign – sowie ihre männlichen und weiblichen Gestalter vor, die in der Tradition und für die Weiterentwicklung der Gestaltungsprinzipien des Bauhauses und der modernen Formgestaltung stehen. Es wird sichtbar, wie die Gestaltungsprinzipien von Formgestaltern wie etwa Albert Krause auf neue Materialien wie Plaste übertragen wurden. Zugleich zeigt die Ausstellung den widersprüchlichen kulturpolitischen

Auf frühe Ansätze zur Wiederbelebung folgen "Formalismus"-Vorwürfe, Verfemung und eine Rückbesinnung auf vermeintlich nationale Gestaltungstraditionen. Erst der industrielle Wohnungsbau ermöglicht eine vorsichtige Rehabilitierung der Moderne. Verbunden mit der Wiedereröffnung des sanierten Bauhauses Dessau im Jahr 1976 wird die vormalige Hochschule für Gestaltung schließlich zum Bestandteil des offiziellen Kulturerbes der DDR.

So beleuchtet die Ausstellung u.a. die Möbelgestaltung der bereits seit Anfang des 20. Jahrhunderts für innovative Produkte stehenden Deutschen Werkstätten Hellerau anhand von Arbeiten der Formgestalter Franz Ehrlich, Selman Selmanagić und Rudolf Horn. Im Schatten dieser wechselvollen Rezeptionsgeschichte inspirierten vor allem in den Jahren der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der frühen DDR ehemalige Bauhäusler*innen wie Mart Stam und Walter Funkat durch ihre Gestaltungspraxis und Lehre an den Hochschulen der DDR eine nachfolgende Generation von Gestalter*innen, die ihrerseits die Alltagskultur entscheidend prägen sollte. In der Ausstellung wird diesen personellen Kontinuitäten und Netzwerken anhand von 50 Biografien und zentralen Wirkungsorten nachgegangen.

Dabei lohnt der Besuch Eisenhüttenstadts in mehrfacher Hinsicht: Neben der Ausstellung "Alltag formen!"  ist die 1950 erbaute Planstadt ein attraktives Reiseziel. Denn an kaum einem anderen Ort lassen sich die wechselhaften architektonischen und städtebaulichen Leitlinien der DDR innerhalb eines Spaziergangs so unmittelbar und anschaulich nachvollziehen. Eisenhüttenstadt zählt zu Deutschlands größten zusammenhängenden Flächendenkmalen und im Rahmen des Bauhaus-Jubiläums zu den 100 ausgewählten Orten der Grand Tour der Moderne. (Öffnungszeiten: Di-So 10 und 18 Uhr, ab Oktober 11-17 Uhr)(tmb/db)

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