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Auf der Linie RE1
Mit der Motorsense gegen Wildwuchs am Gleis

Jan-Henrik Hnida / 17.07.2019, 07:00 Uhr - Aktualisiert 17.07.2019, 08:11
Frankfurt (Oder) (MOZ) Langsam senkt sich das Schlagwerk Richtung Böschung. Mit den rotierenden Ketten mäht der Bahn-Mitarbeiter die Sträucher rechts vom Bahngleis mit seinem Unimog (Universal-Motor-Gerät) raspelkurz. Das Zweiwegfahrzeug fährt bei Jacobsdorf ein Stück auf den Schienen, wo sonst der RE1 rüber rollt, weiter nach vorne. "Der Unimog  schlägt die Vegetation kaputt", erklärt Steven Koppenhagen. Der Stützpunktleiter der Deutschen Bahn (DB) für Frankfurt beaufsichtigt die Vegetationsarbeiten zwischen Jacobsdorf und Briesen.

Abschnittsweise werden hier seit dem 17. Juni bis Ende Juli der Aufwuchs und die Sträucher weggeschnitten, was in den vergangenen Wochen zwischen Fürstenwalde und Frankfurt auch zu Zugausfällen führte.  "Jeweils sechs Meter rechts und links von der Gleismitte", erläutert Koppenhagen, müsse nach außen Platz für durchfahrende Züge sein. Ein Arbeitsabschnitt pro Gleis beträgt 25 Kilometer, also insgesamt 50 Kilometer für die beidseitige Böschung. Jährlich werden diese Arbeiten von der DB durchgeführt, um  "präventiv" gegen mögliche Störungen beim Zugverkehr vorzugehen. Zum Beispiel wenn Pflanzen Signale verdecken oder die Funktion des Schotterbettes beeinträchtigen.

Für nahestehende Bäume gibt es extra Baumkontrolleure, die Ausschau nach Wurzelschäden, Fäulnis, Pilzbefall oder Sturmschäden halten, um diese dann zu protokollieren, zu melden und gegebenenfalls Bäume fällen zu lassen. Denn wenn mal ein Ast auf die Oberleitung fällt, gehe dieser erstmal in Flammen auf – kein Wunder, bei 15 000 Volt. Gleichzeitig kommt eine Störmeldung beim zuständigen Notfallmanager der DB an, der die Lage beurteilen und gegebenenfalls den Zugverkehr stoppen muss.

Laut dem "Aktionsplan Vegetation" der DB, der auch die Lärmverordnung sowie den Umwelt- und Naturschutz berücksichtigt, besteht zwischen März bis September ein Schnittverbot. Hauptgrund dafür sei die Brutzeit von Vögeln und Säugetieren. Deshalb finden nur Freischneidearbeiten bei Jacobsdorf statt.

Weil keine gleichzeitigen Brückenarbeiten oder Schwellenwechsel der DB Netz AG stattfinden, werden die Gleise nur einseitig gesperrt. "So kann der Zug auf der Gegenseite vorbeirauschen", sagt Mareen Krysian. Die Serviceleiterin im Bereich Vegetation Cottbus bei DB Fahrwegspflege kennt die Oderstadt und ihre Umgebung, war sie doch früher selbst hier bei der DB tätig. Koppenhagen und Krysian sind beide gelernte Landschaftspfleger, kennen sich also mit Schutzgebieten sowie der Planung und Umsetzung von Landschaftspflegearbeiten aus.

Bei Wind und Wetter draußen

"Hi Schulzi", begrüßt Krysian die Sicherungsaufsicht Andreas Schulz, der mit seiner Signaltröte vor heranfahrenden Zügen warnt. Er gehört neben dem Unimog-Fahrer, Landschaftspflegern, dem Technischen Berechtigten und dem Schaltantragsteller zum Vegetationstrupp. Bei Wind und Wetter sind sie draußen – außer bei Nebel und Starkregen, wenn die Sichtverhältnisse zu sehr eingeschränkt sind.

Während der Unimog zum größten Teil junge Robinien und Brombeersträucher abschneidet, tut dies Maik Noak mit der Motorsense. "Ich mähe um die Masten herum und wo Kabel lang laufen", erklärt er – also dort, wo das Motor-Gerät ungeeignet für ist.

"Glyphosat wird bei diesen Vegetationsarbeiten nicht eingesetzt", informiert Kerrin Dartsch von der DB-Kommunikation Berlin und Brandenburg. Nur im Gleis, wo Pflanzen die Funktion des Schotterbetts beeinträchtigen könnten, werden Herbizide wie das immer noch zugelassene Glyphosat eingesetzt.

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