Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Auf Fontanes Spuren
Radelnd durch das Havelland

In Paretz hat es Theodor Fontane ganz offensichtlich gut gefallen, wie seine Beschreibungen in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" zeigen.
In Paretz hat es Theodor Fontane ganz offensichtlich gut gefallen, wie seine Beschreibungen in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" zeigen. © Foto: Leo Seidel/SPSG
MOZ / 25.09.2019, 14:47 Uhr - Aktualisiert 25.09.2019, 16:22
Frankfurt (Oder) Wer Natur sucht und nicht auf Kultur verzichten möchte, ist im Havelland genau richtig. Die Havel gleicht hier an vielen Stellen einer Seenlandschaft, auf denen Flöße, Hausboote oder Kanus durchs Wasser gleiten. Von Potsdam ist beispielsweise der idyllisch gelegene Ort Caputh nur rund zehn Minuten mit der Regionalbahn entfernt. Hier kreuzte einst schon der Physiker Albert Einstein mit seiner Jolle und ebenso der Dichter Theodor Fontane verbrachte ein paar Tage in der Region.

Das 1317 erstmals erwähnte Caputh, das sich über mehrere Kilometer am Ufer der Havel entlang schlängelt, wurde vor allem durch das Schloss und Einsteins Sommeridyll bekannt. In der abwechslungsreichen Landschaft mit ausgedehnten Buchenwäldern und den weiten Wasserflächen des Schwielow- und Templinersees fanden seit jeher Künstler die nötige Ruhe und Inspiration für ihre Arbeit. So auch Theodor Fontane, der sich im Sommer 1869 den lang gehegten Wunsch einer Segelpartie erfüllte.

Das "Chicago am Schwielowsee"

In seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" hat er Caputh ein ganzes Kapitel gewidmet. Zu seiner Zeit war der Ort ein bedeutender Handelsplatz für Ziegelsteine. An vielen Orten am Schwielowsee waren Ziegeleien zu finden, in denen Millionen von Steinen für das unermüdliche Wachsen der Stadt Berlin gebrannt wurden. Und die Männer des Ortes setzen auf den Bau von Lastkränen, um diese dorthin zu transportieren. Für Fontane war Caputh deshalb "das Chicago am Schwielowsee".

Heute ist davon nichts mehr zu sehen. Caputh hat sich zu einem beliebten Wohnort entwickelt und setzt auf den Tourismus. Im Zentrum steht das Schloss in der Ortsmitte, erbaut 1662 nach holländischem Vorbild. Es zählt zu den ältesten im Land Brandenburg. Fontane hat es in seinen Wanderungen durch das Havelland ausführlich beschrieben und war besonders beeindruckt von den Deckengemälden.

Am nördlichen Ende des Schwielowsees liegt Baumgartenbrück, wo Fontane ebenso Station machte und dem Ort ein eigenes Kapitel widmete. "Es ist eine ,Brühlsche Terrasse‘ am Schwielow-See… Man sitzt wie auf dem Balkon eines Hauses", schrieb er. In der Tat kann man ich es in dem idyllischen Biergarten unter schattigen Bäumen gut aushalten.

Wer sich für Handwerk interessiert, sollte anschließend unbedingt Station an der Handweberei in Geltow machen, der wohl ältesten Manufaktur ihrer Art in Deutschland. Hier kann man mit ein bisschen Glück Weberin Petra Steinfurth bei der Arbeit über die Schulter schauen oder im Garten einfach bei einer Tasse Kaffee ein Stück Kuchen genießen.

Am westlichen Ufer des Schwielowsees liegt Petzow. Fontane verglich die Lage des Ortes mit Sanssouci. Und weil Fontane "hier so gut wie an jedem Grashalm gestanden hat", bietet der Heimatverein im Fontanejahr "Wanderungen zu Fontane" (www.petzow-online.de).

Von einem Birnbaum und einem preußischen Landidyll

In Ribbeck war Fontane hingegen nie gewesen, obwohl der Ort durch ein Gedicht von ihm, das von einem Birnbaum handelt, weltberühmt wurde. Die Rede ist von Ribbeck im Havelland. Seit Generationen gehört das Gedicht des Herrn Ribbeck auf Ribbeck im Havelland zum Schulstoff. In dem Dorf dreht sich heute noch immer sehr vieles um die Birne, das Gedicht und damit auch um Fontane. Im Mittelpunkt von Ribbeck steht das imposante und im neobarocken Stil erbaute Schloss. Unter anderem machen dort die Havelländischen Musikfestspiele regelmäßig Station.

Nur wenige Meter vom Schloss entfernt liegt der Birnengarten von Ribbeck. Er wurde 2006 im Rahmen der Landesgartenschau angelegt. In diesem urwüchsigen Garten wachsen Sorten, die so ungewöhnliche Namen tragen wie Kongressbirne, Schweizer Wasserbirne oder Petersbirne. Noch mehr über die Birne und natürlich den Ort Ribbeck erfährt man während der szenischen Führung "Von Birnen und Menschen" (www.theaterderfrische.de).

Theodor Fontane hat der Landschaft und den Orten entlang der Havel viele weitere Texte gewidmet – unter anderem dem Ort Paretz, rund 30 Kilometer südlich von Ribbeck. In dem Dorf hat es ihm ganz offensichtlich gut gefallen, wie seine ausführlichen Beschreibungen in seinen "Wanderungen durch die Mark Brandenburg" zeigen. Es war das Landidyll der Preußischen Königin Luise und ihres Mannes, Kronprinz Friedrich Wilhelm III, die von 1797 bis 1804 stets sechs Wochen lang die Sommer in Paretz verbracht hatten. Ein Besuch der einst königlichen Wohnräume gibt faszinierende Einblicke in die Lebenswelt der als unbeschwert und temperamentvoll geltenden Luise.

Gemeinsam mit der Sommerresidenz Schloss Paretz wurde das Dorf einst als architektonisches Gesamtkunstwerk von dem Architekten David Friedrich Gilly umgestaltet. Das Schloss selbst ist im Stil eines großen Gutshauses erbaut und bildet zusammen mit dem Schlosspark, der Kirche sowie weiteren Bauwerken ein stimmiges Ensemble.(tmb/db)

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2019 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG