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Ford Transit Custom
Alltagstauglich ohne Kompromisse

21.10.2019, 16:43 Uhr
Frankfurt (Oder) Schon seit eh ist der Transit einer der Lieblinge bei den Gewerbetreibenden in Deutschland. Zumindest fährt er bislang in der Verkaufsstatistik ziemlich weit vorn mit. Sind doch die verschiedensten Varianten des Ford in Sachen Nutzen und Vielseitigkeit hervorragend, in der Ausstattung beispielhaft und in der Bedienung praxisgerecht. Seine Position dürfte der Kölner jetzt noch stärken, denn er trumpft im Rahmen eines Facelifts demnächst erstmals in der Transporter-Gilde mit dem Custom in der Ein-Tonnen-Nutzlastklasse als PHEV (Plug-in Hybrid Electric Vehicle) auf. Hinzu kommen eine Vielzahl qualitativer Veränderungen. Der Märkische Markt hat die Custom-Variante aus der Ein-Tonnen-Nutzlastklasse mit PHEV-Antrieb getestet.

Mit seine geometrischen Linien zeigt sich der 4,97 Meter lange Custom weiterhin hemdsärmelig und mit robustem Charme. Alles wirkt vertraut. Der agilere Look beschränkt sich beim aufgefrischten Jahrgang auf einen neuen Kühlergrill (jetzt mit drei Lamellen), neue Tagfahrleuchten in den Scheinwerfern sowie anders geformte Schürzen.

Viel mehr passierte aber unter dem Blech, laut Ford wurden rund 6.400 und damit die Hälfte aller Teile geändert! Das Platz nehmen ist durch die großen Türen kein Problem. Die Fahrkabine ist geräumig und komfortabel ausgestattet. Selbst drei nebeneinander sitzende Erwachsene haben viel Raum und müssen nicht kuscheln. Zwar offenbart sich auf den ersten Blick noch so manches Teil als Plastik-Hausmannskost. Dennoch hat dieser Ford im großen und ganzen kaum noch etwas mit sprödem Transporter-Charme gemein. Verströmen doch vielerlei innere Zutaten Wohlfühlatmosphäre und wurden pflegeleicht verpackt. Zudem gibt es in dem 1,96 Meter hohen Transporter Ablagen in Hülle und Fülle, Séparées für Gerätschaften aller Art. Neu sind beim Plug-in einige Instrumente auf der Armaturentafel. Statt Drehzahlmesser gibt es eine Leistungs- und Ladeanzeige, statt einer Anzeige für die Kühlwassertemperatur zeigt ein Instrument den Ladezustand der Batterie. Und der Kilometerzähler informiert sowohl über die Reichweite unter Batteriebetrieb als auch den Range Extender. Letzterer ist ein kleiner Dreizylinder-Benziner mit nur 1,0 Liter Hubraum, der übrigens auch im Fiesta oder Focus werkelt.

Der E-Motor selbst mobilisiert 126 PS und 355 Newtonmeter. Er bezieht seine Energie aus einer unterhalb des Fahrzeugbodens montierten flüssigkeitsgekühlten Lithium-Ionen-Batterie mit einer Kapazität von 13,6 kWh und treibt ausschließlich die Vorderräder an.

Und die Praxis? Der Transit surrt leise und verzögerungsfrei los, der Antritt ist flott, die Power geht im PHEV stets auf die Vorderräder. Als Reichweite sind aus der Batterie und ohne Nutzung des Range-Extenders nach WLTP etwas mehr als 40 Kilometer möglich. Reicht zumindest für tägliche Kurzstrecken. Geht der Batterie der Saft aus, springt der Benziner ein und dient zusätzlich durch Rekuperation beim Bremsen quasi als Reichweitenverlängerer, indem ein angeschlossener elektrischer Generators dem Akku neuem Strom liefert und kann so die E-Reichweite verlängern. Das Höchsttempo ist übrigens auf 120 km/h begrenzt.

Unterwegs kann der Fahrer per Knopfdruck stets den Antrieb umschalten von der rein batterieelektrischen Fahrt auf die stromliefernde Unterstützung durch den als Range Extender arbeitenden und sehr leise agierenden Benziner. Die Gesamtreichweite liegt dann bei 500 Kilometer.

Auch als Transporter macht der Custom seinem Namen alle Ehre. Ist doch hinten Platz wie in der Sporthalle. Allein die Laderaumlänge beträgt 2,55 m. Zwischen den Radkästen misst er 1,39 m, ansonsten ist er innen 1,78 m breit. Platz ist insgesamt für sechs Kubikmeter und an Ladung 1130 Kilo.

Unterwegs haben wir mit der etwas sperrigen Fuhre keine Probleme. Dazu tragen auch die großformatigen Rückspiegel mit integriertem Weitwinkeleinsatz an den Seiten bei. Beim Rückwärtsfahren tritt eine über den Türen angebrachte Kamera in Aktion, die auf einem nun verbauten Acht-Zoll-Touchscreen zeigt, wo es hindernisfrei langgeht. Auch das Fahrwerk trägt zum sicheren Fahreindruck bei, Bodenwellen kommen innen nur gut gedämpft an, die leichtgängige Lenkung vermittelt im Transporter etwas Pkw-Feeling. Selbst in Kurven bleibt der Wagen trotz des hohen Schwerpunkts erstaunlich stabil.

Eine Klimaanlage ist Serie, im Winter sorgt eine beheizbare Windschutzscheibe schnell für freie Sicht. Für Kommunikation per Telefon und Unterhaltung mittels Radio ist das sprachgesteuerte System Ford Sync 3 zuständig. Nicht zu vergessen sind wichtige Assistenzsysteme zum Einparken und Halten der Spur sowie die elektro-mechanische Servolenkung, die ihre Vorteile insbesondere im Stadtverkehr und auf kurvenreichen Landstraßen ausspielen kann. Pfiffiges Detail: Ab Frühjahr 2020 kann ein spezielles über eine App gesteuertes Modul (optional) erkennen, wann man in eine Umweltzone einfährt. Die Technik schaltet dann automatisch auf E-Antrieb um und speichert derlei Infos auch als Beweis für mögliche Behörden-Anfragen.

Weiter im Angebot bleiben beim hinterradgetriebenen Transit Custom (ab 28.450 Euro netto) verschiedene Zweiliter-Turbodiesel mit Leistungsstufen von 105, 130, 170 und ab sofort auch 185 PS. Die Versionen mit 6-Gang-Schaltgetriebe sind optional zudem als Mildhybrid mit Riemen-Startergenerator und 48V-Bordnetz erhältlich. Wer eine Sechsgang-Wandler-Automatik an Bord haben will, kann diese zusätzlich für die 130- bis 185-PS-Varianten ordern. Sie alle eint, dass sie durch eine verbesserte Einspritzung, neue Kolben und eine variable Ölpumpe effizienter sind und durch die Bank deutlich knauseriger mit dem Bölkstoff umgehen. Zur Sparsamkeit trägt auch bei, dass bei Ford durch veränderte Bauteile die Transit-Transporter um bis zu 75 Kilo leichter wurden. Kurierdienste und andere gewerbliche Vielfahrer dürften sich hierüber besonders freuen, da somit auch noch die Zuladung steigt.

Alles in allem glänzt die Hybridvariante, auch wenn es vielerorts noch bei der Ladestruktur hakt, ohne Kompromisse mit der gewohnten Alltagstauglichkeit und kombiniert die Vorteile des emissionsfreien Elektroantriebs mit der Freiheit, mühelos auch längere Fahrten absolvieren zu können. Allerdings hat der Plug-in-Spaß auch seinen Preis: 47.995 Euro netto (60.420 Euro brutto) sind für so manchen Dienstleister doch ziemlich viel Geld.

Rainer Bekeschus

MäMa-Testfahrt: Ford Transit Custom PHEV

Ford Transit Custom PHEV

Motor: Elektromotor: 126 PS (92,9 kW), Lithium-Ionen-Akku mit 13,6 kWh, Getriebe: feste Übersetzung, Range Extender: 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner mit 120 PS

Verbrauch: 2,7 Liter Super

el. Reichweite: 41,7 km

Reichweite insg: 500 km

CO²-Wert: 70 gr/km

Laderaum: 2,55 Meter lang

Preis: 60.420 Euro brutto

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