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Audi Q8
Sportliche Trutzburg für Business und Freizeit

16.12.2019, 15:36 Uhr
Frankfurt (Oder) Dass große, protzige SUV inzwischen zu einer fast schon stigmatisierten Spezies gehören ist nicht neu. Das hat verschiedenste Gründe, die für die einen begreiflich sind, für andere nicht. Mit auf Lifestyle getrimmten Modellen wollen manche Autohersteller nun testen, ob sanfter geformte Modelle etwas besser bei der Kundschaft ankommen. Die Ingolstädter glauben, mit dem Audi Q8 eine salonfähige Antwort gefunden zu haben. Er soll das SUV-typische Raumangebot mit der eleganten Linienführung eines 4-türigen Coupés vereinen und so ein Angebot für Business und Freizeit sein. Was der Zwilling kann und taugt? Der Märkische Markt hat ihn ausprobiert.

Klar, über Ästhetik lässt sich trefflich streiten und aus einer Seltersflasche ist noch nie ein prickelnder Champagner geworden. Fakt ist aber: Dieses Modell hat im Vergleich zu einem Q7 den bulligen Charakter tatsächlich abgelegt, sieht deutlich adretter und sportlicher aus. Jedenfalls sind die Züge eines Coupés unverkennbar, ist es doch breiter, kürzer und niedriger als seine Q7-Schwester. Typische Designmerkmale von Audi sind geblieben, werden hier allerdings mit einem imposanten neuen Singleframe-Grill im Oktagon-Design präsentiert. Den selbstbewussten Look unterstreichen ein nach vorn gezogener Spoiler, große, stark konturierte Lufteinlässe sowie eine elegant abfallende Dachlinie, die in flach geneigte D-Säulen ausläuft.

Schwere Türen schirmen das geräumige Interieur ab, einem Kokon aus edlem Leder und anderen erlesenen Materialien. Wer einmal drin sitzt, dürfte seine Skepsis ob der Sinnhaftigkeit eines solchen Schiffs schnell ablegen, denn auf allen fünf Sitzen reist es sich ausgesprochen bequem. Hinten fast besser als vorn, kann man doch schön fläzen und sich räkeln – dem drei Meter langen Radstand sei Dank.

Urlaubstauglich ist der Q8 auch. Der Gepäckraum mit seinen 605 Litern hat zweifelsohne Kombi-Niveau. Die Dreier- Sitzanlage im Fond lässt sich auf Wunsch längs verschieben. Vorn gibt es ein Armaturenbrett mit perfekter Architektur und Bedienung, mit penibel eingepassten und übersichtlich angeordneten Schaltern, chromumrandeten Instrumenten und Tasten. Die Anzeigen erscheinen im volldigitalen 12,3-Zoll-Display und lassen sich am Multifunktionslenkrad in zwei Ansichten umschalten. Zentrales Bedienelement ist das obere MMI touch response-Display. Mit seiner Black-Panel-Optik ist es im ausgeschalteten Zustand fast unsichtbar in eine große, schwarze Fläche integriert. Fast alle Funktionen sind über zwei Displays abrufbar. Das obere mit 10,1 Zoll Diagonale dient zur Steuerung von Infotainments und Navi. Auf dem 8,6-Zoll-Display darunter managt der Fahrer Klimatisierung und vielerlei Komfortfunktionen.

Freilich gehen die Mundwinkel beim Fahrer auch nach oben wenn er den Drei-Liter-TDI mit 286 PS startet. Eine Zahl, die der Besitzer wohl selten komplett abrufen wird. In der Praxis reicht es, das Gaspedal mit spitzem Fuß zu streicheln. Die 100-km/h-Grenze ist schneller erreicht (6,3 s), als die Rotglut im Zigarettenzünder. Portioniert wird die gewaltige Leistung (600 Nm) von einer 8-Gang-Tiptronic, die mit dem Ölbrenner gut harmoniert.

Zum sparsamen Umgang mit dem Treibstoff trägt ein Mildhybrid-Antrieb mit 48-Volt-Generator bei. Diese technische MHEV-Technologie kann mehr Energie rekuperieren, erlaubt lange Segelphasen mit deaktiviertem Motor und einen Start-Stopp-Bereich, der bereits bei 22 km/h beginnt.  Der Durchschnittsverbrauch kann damit um 0,7 Liter auf 100 Kilometer gesenkt werden.

Egal wo er fährt, der Sechszylinder-Diesel macht einen rundum souveränen Eindruck, fährt auf Asphalt beinahe wie ein Sportwagen. Hierfür wird fahrtechnisch in Serie oder optional alles geboten, was derzeit im Audi-Regal zu haben ist. Durch derlei Zutaten gerät die sportliche Trutzburg nie ins Wanken. Ob lädierte Straßenbeläge oder Bodenwellen den Weg kreuzen, die Passagiere werden damit nicht belästigt. Dank permanentem Allradantrieb, großer Bodenfreiheit, kurzen Überhängen und einem Bergabfahrassistenten fährt das Auto auch dort weiter, wo befestigte Straßen enden.

Logisch, dass der Q8 auch sonst mit einer Top-Ausstattung glänzt. Und für Sicherheit sorgen im Verborgenen mehr als drei Dutzend elektronische Helferlein. Selbst einen Bordsteinwarner gibt es. Ein Highlight ist der Garagenpilot, der den Boliden (bei Überwachung durch den Fahrer) selbsttätig in seine Unterkunft hinein und wieder heraus fährt.

Insgesamt ist der Q8 ein durchaus qualifizierter Alleskönner. Wer so ein Auto braucht? Die Frage lässt sich nicht so leicht beantworten. Zumindest muss man schon mal zur betuchten Kundschaft gehören, denn der Q8 mit potentem 286-PS-Diesel ist nicht unter 77.300 Euro zu haben.Rainer Bekeschus

MäMa-Testfahrt: Audi Q8 50 TDI

Audi Q8 50 TDI Quattro

Motor: 3,0-Liter-Sechszylinder-TD, Allradantrieb, 8-Gang-Tiptronic, 286 PS

0 - 100 km/h: 6,3 Sekunden

Spitze: 245 km/h

Verbrauch: 8,2 Liter Diesel

CO²-Wert: 16 g/km

Kofferraum: 605-1755 Liter

Preis: ab 77.300 Euro

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