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Eine Kugel geht auf Reisen

Das durch Sabine Christiansen bekannt gewordene TV-Studio wird im Filmpark Babelsberg ein neues Zuhause finden und soll zum 5D-Kino umgebaut werden.
Das durch Sabine Christiansen bekannt gewordene TV-Studio wird im Filmpark Babelsberg ein neues Zuhause finden und soll zum 5D-Kino umgebaut werden. © Foto: Kai Horstmann
Mathias Hausding / 03.12.2010, 17:42 Uhr
Frankfurt (Oder) (In House) Am kommenden Dienstag beginnt der Umzug der „Blauen Kugel“ vom Berliner Breitscheidplatz in den Filmpark Babelsberg. Dort wird aus dem legendären TV-Studio ein 5D-Kino.

Nach der Saison ist vor der Saison. Eben hat der Filmpark Babelsberg seine Tore für die Winterzeit geschlossen, doch die Vorbereitungen für die am 15. April beginnende neue Saison laufen bereits auf Hochtouren. Drei Millionen Euro werden für das Potsdamer „Jahr des Films“ investiert. Unter diesem Motto soll das Programm für 2011 stehen.

Zur ersten deutschen Star-Trek-Ausstellung von Mai bis Oktober werde auch mit „Trekkies“ und „Klingonen“ aus dem Ausland gerechnet. „Wir erwarten über 100 000 Besucher“, sagte Filmpark-Geschäftsführer Friedhelm Schatz. Auf 1500 Quadratmeter sollen in der Caligari-Halle Originalkostüme, Modellbauten der Sternenflotte und weitere Exponate zu sehen sein. Die Lizenzgebühren für die aus den USA importierte Schau liegen bei 760 000 Euro.

Außerdem wird 2011 erstmals ein in Babelsberg entstandener Film Thema einer Show im Park sein. „Die drei Musketiere“ laden in den Original-Kulissen zu einer Action- und Tiershow. Gebaut wird dafür zusätzlich ein Segelschiff, das in einem Bassin schwimmt.

Die größte technische Herausforderung ist jedoch die Einrichtung eines sogenannten 5D-Kinos. Genau genommen gibt es natürlich keine fünf Dimensionen. Einzigartig soll der Saal mit voraussichtlich 100 Sitzplätzen in jedem Fall sein. Filmpark-Sprecherin Liane Nowak erklärt: „Die vierte Dimension sind Effekte, die passend zum Film von außen auf die Zuschauer wirken – Regen, Nebel oder Gerüche.“ Und in der fünften Dimension werden die Gäste interaktiv in die Handlung eingebunden. „Sie haben einen Knopf am Stuhl, mit dessen Hilfe sie sich an der Verbrecherjagd auf dem Bildschirm beteiligen können“, führt Liane Nowak ein Beispiel an.

Bevor es so weit ist, muss allerdings Architekt Berthold Roth noch die eine oder andere knifflige Aufgabe lösen. Das Filmpark-Kino wird in der Emil-Jannings-Straße nicht neu errichtet, sondern ab Dienstag in Einzelteilen aus Berlin geholt. Dort, gleich neben dem Eingang zum Zoo, ist die Blaue Kugel seit 20 Jahren ein Hingucker. Errichtet als 360-Grad-Kino erlangte es als TV-Studio für „Christiansen“ Berühmtheit. „Ich bin glücklich, dass der Filmpark diesen legendären Ort retten will“, sagt Roth. Die Eigentümer hatten offenbar keine Verwendung mehr für die Kugel und haben sie gratis abgegeben.

Allerdings sei die Kugel seinerzeit nicht für einen eventuellen Umzug konstruiert worden, betont Architekt Roth. Derzeit wird das Innere entkernt. Anschließend muss jedes einzelne Teil der 21 Meter breiten und 15 Meter hohen Kugel nach einem zuvor ausgeklügelten Plan abgeschraubt, beschriftet, verpackt und nach Potsdam in ein Zwischenlager gebracht werden. „Wenn das Wetter mitspielt, sind wir damit in vier Wochen fertig“, hofft Berthold Roth.

Dann wird alles wieder zusammengeschraubt. „Das muss millimetergenau passen, sonst funktioniert es nicht.“ Steht die Kugel wieder, müssen bis April noch Lüftung, Heizung und Schallschutz installiert werden, bevor der erste 5D-Film laufen kann.

Welcher das sein wird, steht noch nicht fest. Während im kommenden Jahr noch ein fremder Streifen ausgeliehen werden muss, plant der Filmpark für 2012 eine eigene 5D-Produktion, zum Beispiel mit Originalbildern aus den „Drei Musketieren“. Für Filmparkchef Schatz wäre das kein Neuland. Als 1989 das damalige Kugel-Kino in West-Berlin gebaut wurde, produzierte er „Destination Berlin“ für das 360-Grad-Filmtheater.

So groß die Pläne für 2011 sind – es ist doch nur der Aufgalopp für das folgende Jahr. 2012 feiert das Studio Babelsberg 100-jähriges Bestehen. Für die Jubiläumsveranstaltungen werde schon jetzt mit den Vorbereitungen begonnen. Im Februar 1912 fiel in dem weltweit ältesten Großatelier-Filmstudio die erste Klappe zu Urban Gads Stummfilm „Der Totentanz“.

Bereits im September 2011 will der Filmpark einen 1:1-Nachbau jenes Filmstudios präsentieren. Das Glas-Atelier – aus technischen Gründen war man seinerzeit für das Drehen stets auf Tageslicht angewiesen – soll an der Metropolis-Halle aufgebaut werden und am 24. September mit einem Bürgerfest eröffnet werden.

Wirtschaftlich geht es dem Filmpark nach Angaben von Friedhelm Schatz gut. Genau Zahlen wollte er nicht nennen. Der Umsatz des Unternehmens, zu dem auch die Westernstadt El Dorado in Templin gehört, sei jedoch in der abgelaufenen Saison um sieben Prozent, der Gewinn um zehn Prozent gestiegen.

Mehr Infos im Internet unter 
www.filmpark-babelsberg.de

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