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Leichtsinn ist in den Bergen die größte Gefahr

Jens Rümmler / 08.12.2017, 18:26 Uhr
Berlin (Mäso) Drama am Gipfel, unsichere Urlauber am Karabiner, Bergstürme und Gewitter. Dazu eine Prise Liebe und Leidenschaft, manchmal auch Intrigen: Jeden Donnerstag flimmert dieses TV-Erfolgsrezept in Form der ZDF-"Bergretter" über die Mattscheibe. Die Einschaltquoten sind topp - und das seit mehr als neun Jahren. 2014 stieg Schauspielerin Luise Bähr als Sanitäterin Katharina Strasser in die Serie ein: "Ich drehe mit einem tollen Team in fantastischen Kulissen und könnte es mir nicht besser wünschen", so die 38-Jährige beim Interview in einem Café in der Berliner City. "Konzentration ist dennoch unerlässlich - denn in hochalpinem Revier kann jeder falsche Schritt Lebensgefahr bedeuten." Das sei auch das Anspruchsvolle der Außendrehs: Die Spannung bis zur letzten Sekunde zu halten. "Auch beim Abstieg muss man aufmerksam sein. Leichtsinn ist die größte Gefahr. Das gilt auch beim Filmen in den Alpen", betont die gebürtige Hessin.

Echte Bergretter seien bei den Drehs selbstverständlich immer vor Ort. Wenn binnen Minuten Gewitter aufziehen und brenzlige Situationen entstehen, muss es am Gipfel schnell gehen. Klingt nach Drama und ist es in der Fernsehreihe auch. Luis Trenker lässt grüßen.

Doch Stargebaren, wie sie dem Südtiroler zugeschrieben wurden, gibt es am Set laut Luise Bähr nicht. Beim Tragen des aufwändigen Equipments müssten alle vom 30-köpfigen Team mit ran. Auch Hauptdarsteller Sebastian Ströbel hat man schon Kabel schleppen sehen. Extrawürste gibt es nicht. Die neuesten Staffeln laufen seit November 2017. Gedreht wurden immer zwei Folgen im Block. ZDF und ORF strahlten zuletzt sechs 90minütige Filme aus. Drehorte sind u.a. Ramsau am Dachstein und das Salzburger Land.

Privat musste Luise Bähr zwar zum Glück noch nie erste Hilfe leisten, doch die Berge liebt sie auch im richtigen Leben. "Im Winter fahre ich Snowboard, in der wärmeren Jahreszeit gehen wir gern wandern und klettern", verrät die erfolgreiche Schauspielerin, die u.a. in "Der Landarzt" und "Traumschiff" zu sehen war und seit 22 Jahren ununterbrochen im Filmgeschäft aktiv ist. "Auf dem Gipfel kann ich den Alltag hinter mir und meinen Gedanken freien Lauf lassen. Das Ganze hat für mich fast etwas Spirituelles."

Manchmal allerdings hat Luise Bähr auch 500 Fans der TV-"Bergretter" im Schlepptau. Diese organisierten Wanderungen ähneln dann eher einer Prozession - Autogramme am Gipfelkreuz sind hier inklusive.

Die Wahlberlinerin ist weltweit unterwegs: dienstlich und privat. Sie sah schon Neuseeland und Myanmar, die Vereinigten Staaten, Afrika, Südamerika und halb Europa. "Ich hatte in den letzten Jahren das Glück, im Rahmen der Dreharbeiten viel reisen zu dürfen: In Neuseeland drehten wir beispielsweise "Emilie Richards - Entscheidung des Herzens", kurz darauf in New York "Leuchtturm mit Aussicht". Wenn man vor Ort mit Einheimischen arbeitet und dreht, lerne man das Land intensiver kennen. Eins ihrer privaten Wunschreiseziele heiße Bhutan, ein Land, dass das so genannte Brutto-Nationalglück im Regierungsprogramm verankert hat.

Doch wohl fühlt sich Luise Bähr dem eigenen Bekunden nach auch in Brandenburg. "Potsdam ist natürlich immer einen Ausflug wert. Im Spreewald lief ich schon Schlittschuhe, mit meiner Vespa (Baujahr 1968 - d. Red.) fuhr ich schon durch schattige märkische Alleen", schwärmt die beliebte Schauspielerin von der Mark. Die Frau, die in Frankfurt am Main aufwuchs, war noch nie im "anderen Frankfurt", der Stadt an der Oder, wie sie auf Nachfrage sagt. Ihre Eltern seien aber immerhin schon mal in Richtung Frankfurt(Oder) gefahren - bis sie merkten, dass sie falsch sind und umkehrten.

Wahlheimat von Luise Bähr, Mutter einer zweijährigen Tochter, ist seit 18 Jahren Berlin. "Ich entdecke die Stadt immer noch, schätze die vielen unterschiedlichen Ecken und Kieze, aber auch das grüne Umland ringsum." Ihr Sonntagsfrühstück steigt in Berlin-Kreuzberg, wo die Mimin mit ihrem Partner, dem Kameramann Bernhard Jasper, lebt. "Wenn es unser Terminkalender zulässt, bleiben wir sonntags gern länger im Bett und ich bekomme von meinem Partner Kaffee ans Bett serviert", lächelt Bähr. Letzteres macht er allerdings auch werktags. Bleibt Zeit, geht es am Wochenende auf den Markt am Südstern oder zum Rudern auf die Müritz. Yoga und Pilates stehen eh immer im Programm. "Sport ist mir wichtig. Ich bin aber eher nicht der Typ fürs Fitnessstudio, sondern lieber an der frischen Luft unterwegs." Für "Die Bergretter" nahm die Darstellerin sogar schon Klettertraining. Ausdauer sei beim Drehen in 3000 Metern Höhe ohnehin absolute Voraussetzung.

Eigentlich hatte sie nie vor, mal Schauspielerin zu werden, erklärt die Wahlberlinerin. Doch manchmal nehmen die Dinge einfach ihren Lauf: Schon im zarten Alter von sechs Jahren geht die kleine Luise zum Ballett. An ihrer Ballettschule wird auch Theater unterrichtet. Bereits mit zehn Jahren arbeitet sie als Synchronsprecherin. "Irgendwann entdeckte mich eine Agentur und die Rollenangebote wurden mit den Jahren immer mehr. Dennoch schrieb ich mich nach dem Abi erst einmal an der Uni für Kommunikationswissenschaften und Publizistik ein, weil ich dachte, ich lerne lieber noch was Vernünftiges", blickt die Mimin zurück. Doch mit Anfang 20 stellt Bähr fest, dass sie bereits einen Beruf hat, der sie ausfüllt: die Schauspielerei. "Es ist ein Geschenk, sein Hobby zum Beruf machen zu dürfen!"

Einer bestimmten Rolle laufe sie nicht hinterher, wie Luise Bähr erklärt. "Vielfalt ist mir wichtig. Ich liebe die Abwechslung", lächelt die zierliche Frau, der man ihre Power nicht auf den ersten Blick ansieht. Ihre beruflichen Ziele verfolge sie weiterhin zielstrebig, aber nicht um jeden Preis, wie sie betont. "Meine Mutter sagte immer: Hör' auf, Dich zu drehen - und die Welt dreht sich um Dich!" Dann macht Luise Bähr den Kinderwagen startklar. Es geht weiter zum nächsten Interview.

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