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Eric Sindermann
Von der Handball- in die TV- und Modewelt

Wie gemacht fürs Modejournal: groß, durchtrainiert, moderner Kurzhaarschnitt, ein großes, sehr kunstvolles Tattoo auf dem rechten Arm - Eric Sindermann, Handballer beim SV Jahn Bad Freienwalde.
Wie gemacht fürs Modejournal: groß, durchtrainiert, moderner Kurzhaarschnitt, ein großes, sehr kunstvolles Tattoo auf dem rechten Arm - Eric Sindermann, Handballer beim SV Jahn Bad Freienwalde. © Foto: Udo Plate
Bernd Röseler/Udo Plate / 08.12.2017, 18:42 Uhr - Aktualisiert 11.12.2017, 13:42
Bad Freienwalde (Mäso) Er ist ein Modellathlet, wie gemacht fürs Modejournal: groß, durchtrainiert, moderner Kurzhaarschnitt, ein großes, sehr kunstvolles Tattoo auf dem rechten Arm - und mit einer Ausstrahlung, die sofort sympathisch rüber kommt. Es ist der Berliner Eric Sindermann, der mit seinen 29 Jahren bereits die Vita eines Weltbürgers hat.

Wir haben uns mit ihm in einem Restaurant in Bad Freienwalde verabredet. Seit etwas mehr als einem Jahr hat er hier öfter zu tun, ist angetreten, dem Kurstadthandball möglichst zu weiteren Höhenflügen zu verhelfen.

Doch seine Vorliebe für den Handballsport ist nur eine von vielen Facetten dieses jungen Mannes. Wenn auch nicht gerade die unwichtigste. Immerhin gehörte Eric Sindermann zu den talentiertesten Nachwuchshoffnungen im deutschen Handball. Sport war schon immer die wichtigste Leidenschaft des Berliners, dessen Familiennamen bei manch älterem Ostdeutschen noch Assoziationen hervorrufen dürfte. Eric Sindermann ist der Enkelsohn des langjährigen DDR-Volkskammerpräsidenten Horst Sindermann. Erinnerungen an die einstige Nr. 3 der untergegangenen DDR hat er allerdings kaum noch. Als der Großvater im April 1990 starb, war Eric noch keine zwei Jahre alt.

Eric Sindermann ist ganz und gar ein Kind des neuen, wiedervereinigten Deutschland. Der 1988 geborene Junge besuchte die Werner-Seelenbinder-Sportschule in Hohenschönhausen. Sein Talent für den Handball wurde bereits frühzeitig entdeckt und gefördert. Er hatte das Potenzial, ganz groß herauszukommen. Mit dem Ziel, in der Bundesliga zu spielen, wechselte er mit 14 Jahren in die Jugendabteilung der SG Flensburg Handewitt, einem der seinerzeit renommiertesten Handballvereine in Deutschland. Das war der Beginn einer Odyssee, die ihn über viele, viele Stationen führte. In Deutschland und im Ausland.

Doch Eric war nie stromlinienförmig angepasst. Wenn ihm etwas nicht passt, dann macht er aus seinem Herzen keine Mördergrube. Und so geriet er mit manchem seiner Trainer und Mitspieler aneinander. Er machte stets, was er selbst für richtig hielt, teilte auch aus, wenn er es für angemessen befand.

Als er für den SV Anhalt Bernburg in die 2. Liga nach Sachsen-Anhalt gekommen war, geriet er mit Übungsleiter Heinz Prokop aneinander. Während eines Auswärtsspiels verließ Eric nach einem Streit mit Prokop auf der Hälfte der Strecke den Mannschaftsbus und fuhr mit dem Taxi nach Hause.

Aus heutiger Sicht hätte er vielleicht manches anders gemacht. "Ich bin wohl erst mit 27 Jahren richtig erwachsen geworden", betont er heute. Die Phase seiner Selbstfindung war lang. Nachdem es in Deutschland für ihn handballerisch nicht mehr so wirklich vorwärts ging, versuchte er im Ausland sein Glück. 2011 heuerte er beim katarischen Handballclub al-Arabi an, dann wechselte er nach Libanon, spielte in Rumänien, ging nach Norwegen, kehrte wieder kurzzeitig nach Deutschland zurück und unterschrieb schließlich in Tunesien einen Vertrag. Mit 25 ließ er seine Karriere schließlich beim MTV Altlandsberg verletzungsbedingt ausklingen. Eric gönnte sich eine Genesungspause von zwei Jahren, um dann wieder als Vertragsamateur beim SV Jahn Bad Freienwalde das Trikot überzustreifen.

Und hier macht es ihm richtig Spaß. Vor allem das Bad Freienwalder Publikum hat es dem Handballer angetan. "Da kommen ganze Familien zu den Spielen. Manche haben zwar nicht die ganz große Ahnung von diesem Sport. Doch in einer super Stimmung fiebern sie mit ihrer Mannschaft mit. Das ist ausschlaggebend, das finde ich wirklich toll", sagt der leidenschaftliche Handballer.

Wenn Eric Sindermann von sich behauptet, erst mit 27 erwachsen geworden zu sein, dann dürfte das zeitlich zusammenfallen mit seinem Bad Freienwalder Engagement. Hier in der Kurstadt spielt er begeistert Handball. Hier hat der Vater einer fünfjährigen Tochter (Leni), der nach einer geschiedenen Ehe jetzt mit Freundin Nadine (27) und deren anderthalbjährigen Sohn Nino in einer Patchwork-Beziehung, wie er sagt, zusammen lebt, begriffen, dass es an der Zeit ist, sich mehrseitig zu orientieren. Handball spielt nun nicht mehr die Hauptrolle in seinem Leben.

Eric begann eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Klar ist aber auch, dass ein Job irgendwo an einem Schreibtisch kein Karriereziel für den 29-Jährigen ist. Eric versucht den Spagat zwischen dem, was notwendig ist, und dem, was ihm Spaß macht. Er begann auszutesten, welche Talente - außer Handball - so noch alles in ihm schlummern. Als Stammgast des angesagten Berliner Clubs Berghain knüpft er intensive Kontakte zur TV- und Modeszene. Nach zahllosen Gesprächen spürte er, dass das Fernsehbusiness ein neues, interessantes Betätigungsfeld für ihn sein könnte. Die Serienstars Liza Waschke und Laura Schlüter ("sehr gute Freundinnen von mir") haben ihn schließlich in diese Szene eingeführt. Immer mal wieder steht er nun für eine Rolle in der RTL II- Reality-Seifenoper "Berlin - Tag & Nacht" vor der Kamera. "Ich habe mit meinem Gequatsche die Leute überzeugt, dass ich durchaus Rollen in der Serie besetzen kann", sagt Eric Sindermann. Wenn nun sein Handy klingelt, er angefragt wird, macht er sich auf den Weg zum nächsten Dreh nach Köln.

Neben diesen kurzzeitigen Engagements entwickelt der junge Mann aber auch den Ehrgeiz, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen, Bleibendes zu schaffen. Er ging auf die Suche nach dem Kreativen in sich. Der Zuspruch seiner Familie, der Freundin, der Eltern und so manches Gespräch aus den Kreisen des Berghain-Clubs brachten ihn schließlich auf die Idee: "Ich mag Mode, fasse gern Stoffe an und liebe alles Helle in den unzähligen Beige- und Weißtönen. Und ich lasse mich von vielen Dingen inspirieren." Er begann über ein eigenes Modelabel nachzudenken. Vor einem knappen halben Jahr gründete Eric Sindermann seine erste eigene Modemarke - "Dr. Sindsen". Den Titel leitete er aus seinem Spitznamen ab. "Es soll kein Massenlabel werden", sagt er, "sondern etwas "fürs Leben', auch wenn in den heutigen Zeiten die schnelllebige Mode das Geschäft bestimmt, soll meine Streetwear nicht die sprichwörtlichen Berge von Altkleider erhöhen. Ich diskutiere nicht nur über nachhaltige Mode, sondern möchte mit meiner Modestrecke einen Trend in der Nachhaltigkeit befördern. Mein Bauchgürtel benutze ich beispielsweise mehrere Jahre und das bereitet mir dennoch Spaß", erläutert Eric.

Es gibt Styles, die ihm gefallen. Doch vieles, was es auf modischem Gebiet so gibt, ist eben nicht seins. "Dr. Sindsen", das sind Bauchtaschen, T-Shirts, Hemden, die dem eigenen, dem Eric-Sindermann-Stil folgen. Der ehemalige Handballer wollte "eine Bauchtasche entwerfen, die einem langen Partyabend standhält und in der man perfekt alle Utensilien (Handy, Geldbörse, Bargeld) verstauen kann", wie es auf seiner Website www.dr-sindsen.com heißt. Und genau nach diesen Kriterien erstellte er die Dr. Sindsen-Bauchtasche. Eric ist auf dem Weg, "Dr. Sindsen" zu einer Streetwear-Marke zu entwickeln, die sowohl für den Alltag als auch den Partyabend die perfekte Kleidung bietet.

Das Ziel ist ehrgeizig. Doch Eric Sindermann glaubt an sich. Und er hat auf diesem Weg auch keine Scheu, Kontakt zu den Großen der Branche zu suchen. Erst kürzlich stiefelte er in einen Berliner Salon von Starfrisör Udo Walz und verlangte, den Chef zu sprechen. Die Mitarbeiterinnen taten zunächst etwas pikiert wegen des forschen Auftritts des jungen Mannes. Schließlich gelang es ihm, zu Udo Walz vorzudringen. Der konnte ihm auch ein paar wichtige Tipps für sein "Dr. Sindsen"-Label geben. Eric war glücklich über den Kontakt und twitterte das sein Freunden, worauf prompt die Antwort von Udo Walz aufploppte: "Pass auf Du, ich lese alles mit...". Eric freut sich, er denkt, auf dem richtigen Weg zu sein. Auf seinem Weg...

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