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Showmaster "auf Abwegen"

Bärenretter in Aktion: Frank Elsner mit den Tierärzten Marc Gölkel und Frank Göritz vom Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin, Zoodirektor Matthias Reinschmidt (2.v.l.) und dem Bärenexperten Carsten Herwig (r.
Bärenretter in Aktion: Frank Elsner mit den Tierärzten Marc Gölkel und Frank Göritz vom Institut für Zoo- und Wildtierforschung Berlin, Zoodirektor Matthias Reinschmidt (2.v.l.) und dem Bärenexperten Carsten Herwig (r. © Foto: Christiane Flechtner
Christiane Flechtner / 29.01.2018, 11:52 Uhr
(MaeSo) "Die ist aber gewaltig!" Fast ehrfürchtig betrachtet Frank Elsner die riesige Pranke des Bären und hält dann seine Hand zum Vergleich daneben. "Kaum vorstellbar, was er wohl schon alles durchgemacht hat", fügt er hinzu. Hinter verrosteten Gittern hat der rund 250 Kilogramm schwere Braunbär namens Tyson 16 Jahre auf einer Jagdstation in der Westukraine dahinvegetiert. Die Mutter erschossen, wurde Tyson als Junges aus der Wildnis gestohlen. Erst spielte man mit ihm und fütterte ihn vor allem mit Bonbons. Doch als er zu groß und gefährlich wurde, sperrte man ihn in einen viel zu kleinen Käfig, der so niedrig war, dass er sich nicht einmal aufrichten konnte.

Jetzt wurde dem Schrecken jedoch ein Ende bereitet: Die internationale Tierschutzorganisation Vier Pfoten, die sich seit 1988 mit nachhaltigen Projekten und Kampagnen für den Tierschutz einsetzt, rettete ihn. Jetzt kann Tyson sein restliches Leben im Bärenschutzzentrum Bärenwald Domazhyr verbringen, das die Stiftung in der Nähe der Stadt Lviv (Lemberg) auf einer Fläche von rund 30 Hektar gebaut hat.

Frank Elsner war mit dabei, um die Tierschützer bei der Rettung zweier in Privathaltung lebender Bären zu unterstützen. Normalerweise kennt man den 75-Jährigen aus zahlreichen Fernsehshows. Ob "Verstehen Sie Spaß" oder die von ihm erfundene Show "Wetten, dass..?", Europas erfolgreichste Fernsehshow - der im österreichischen Linz Geborene ist regelmäßig im Fernsehen zu sehen.

Seine Wurzeln hat er beim Radio: Bekannt wurde er ab 1964 als Sprecher, Chefsprecher und später auch als Programmdirektor der "Vier fröhlichen Wellen" von Radio Luxemburg. Seine Fernsehkarriere begann mit "Spiel ohne Grenzen. In den 1970er Jahren folgten "Die Montagsmaler", und 1981 erfand er die Fernsehshow "Wetten, dass?..", die bis heute als die erfolgreichste Fernsehshow Europas gilt. Er moderierte die Sendung von 1981 bis 1987 insgesamt 39 Mal, dann gab er die Moderation an Thomas Gottschalk ab.

Derzeit ist der Fernsehmoderator und Showmaster für die Sendung "Elsners Reisen" auf der ganzen Welt unterwegs - so war er nun auch in der Westukraine bei der Bärenrettung dabei, wo er die Folge "Retter der Bären" drehte. Im Frühjahr 2018 wird die Sendung im SWR ausgestrahlt.

Der Braunbär wurde nach einer Untersuchung durch den Berliner Tierarzt Frank Göritz in die Transportbox gelegt, um ihn anschließend in den rund drei Stunden entfernten Bärenwald zu bringen. Hier sind bereits vier Bären aus schlimmsten Haltungen in ihr neues Domizil "eingezogen" und genießen ihr Bärenleben mit ausreichend Platz, artgerechter Nahrung und regelmäßigen Bädern im Teich. So beispielsweise Kristina, die letzte ehemalige Tanzbärin in der Ukraine. Im August wurde sie von den ukrainischen Behörden im Beisein von Vier Pfoten kurz vor einem geplanten Auftritt in der Nähe von Lemberg beschlagnahmt. Jahrelang wurde Bärin Kristina von ihrem Besitzer unter tierschutzwidrigen Bedingungen gehalten und als Attraktion in Wanderzirkussen und Kneipen vorgeführt. Man hatte ihr das Augenlicht genommen, damit sie bei grellem Blitzlicht oder Scheinwerfern nicht erschrickt. Die blinde Bärin verbrachte die meiste Zeit ihres Lebens in einem winzigen Käfig im Transporter ihres Besitzers, den sie auch bei Temperaturen über 30 Grad Celsius nicht verlassen konnte. Im Winter und während auftrittsfreier Zeiten war Kristina in einem kleinen, schäbigen Holzverschlag auf dem Gelände einer Fischfabrik untergebracht.

Oder Potap: 2008 in einem ukrainischen Zoo geboren, musste in seinen jungen Jahren schon viel Leid ertragen. Nachdem er vermutlich als Jungtier verkauft wurde, lebte er als "Attraktion" eines Restaurants in einem kleinen Käfig. Als der Halter das Restaurant schließen musste, wurde Potap nur noch notdürftig von lokalen Aktivisten und Bewohnern gefüttert. Heute genießt Potap seine neu gewonnene "Freiheit" im Bärenwald Domazhyr. Hier kann er alles machen, was Braunbären Freude bereitet: baden, graben und nach Futter suchen.

So wird es nun auch Tyson gehen, der neben den vier Bären im Bärenwald ein neues Zuhause findet. "Gesundheitlich ist Tyson in einem guten Zustand, wenn man die Umstände bedenkt, in denen er jahrelang leben musste", sagte der Tierarzt Frank Göritz. "Einzig und allein seine Zähne sind in Mitleidenschaft geraten, was sicher auch der falschen Ernährung und dem Nagen an den Gitterstäben geschuldet ist", fügt er hinzu.

Carsten Hertwig, Bärenexperte von Vier Pfoten, erklärte: "Was er alles durchgemacht hat, können wir nur erahnen. Typischerweise werden auf solchen Stationen bei der so genannten Bärenhetze Jagdhunde darauf trainiert, Bären zu attackieren. Wir gehen davon aus, dass auch Tyson dieses Schicksal durchleiden musste."

Die Bärenhetze ist in der Ukraine dank dem Einsatz von Vier Pfoten bereits seit 2015 gesetzlich verboten, nicht aber die Haltung von Bären auf Jagdstationen an sich. Daher besteht immer noch ein hohes Risiko, dass Braunbären dort gehalten und illegal für die Hatz missbraucht werden. Derzeit vegetieren noch rund 20 Bären auf ukrainischen Jagdfarmen. Vier Pfoten fordert daher eine Verschärfung des Gesetzes, damit die Haltung von Braunbären auf Jagdstationen, in Restaurants oder Hotels generell verboten wird.

Elsner freut sich, dass die Rettung des Braunbären so gut verlaufen ist: "Es ist ein großartiges Erlebnis, dabei zu sein, wenn so ein armer Bär wie Tyson endlich ein friedliches Zuhause bekommt. Ich bin froh, dass das Team von Vier Pfoten das ermöglicht hat und sich auch weiterhin gegen die grausame Haltung von Braunbären in der Ukraine einsetzt."

Einen Tag nach der Rettung von Tyson wurde die 16-jährige Manya befreit. In einem Einkaufszentrum mitten in der 700 000 Einwohner zählenden Stadt Lviv hauste die Bärin in einem Käfig direkt neben einem Restaurant. Ein Leben hinter engen Gittern auf hartem Beton war alles, was sie bisher kannte. Gefüttert wurde sie mit den Abfällen des Restaurants. Der Käfig hatte keine Türen, so mussten die Gitter aufgeschweißt werden. Die ersten Momente ihres neuen Lebens erfreute nicht nur die Tierschützer, sondern auch Frank Elsner. Nach zögerlichen Schritten auf Gras und Sand nahm sie im Teich ein allererstes Bad in ihrem Leben - und genoss es sichtlich.

Weitere Infos unter www.vier-pfoten.de.

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