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René Kollo
"Ich bin kerngesund, warum sollte ich aufhören?"

René Kollo überzeugt sein Publikum auch im 81. Lebensjahr.
René Kollo überzeugt sein Publikum auch im 81. Lebensjahr. © Foto: promo
Jens Rümmler / 01.03.2018, 18:43 Uhr
Berlin (Mäso) Er gastierte an allen bedeutenden Opernhäusern der Welt und war regelmäßig bei den Bayreuther und Salzburger Festspielen zu sehen. Später arbeitete der Weltstar aus Berlin mit Herbert von Karajan und Leonard Bernstein: René Kollo darf man ohne Übertreibung als lebende Legende bezeichnen. Dabei begann er mal als Schlagersänger, präsentierte u.a. das Lied der ARD-Fernsehlotterie. Seit seinem Debüt am Staatstheater Braunschweig 1965 stieg er zum Startenor auf. Er folgte damit in der Musikerdynastie der Familie Kollo seinem Großvater Walter und Vater Willi, zwei Komponisten von Weltrang.

Jetzt ging der Opernstar auf große Abschiedstournee, trat u.a. in Neuruppin, Potsdam und Berlin auf. "Abschied - das klingt so endgültig. Ein echter Abschied soll es aber gar nicht sein", erklärt der Künstler. "Ich bin kerngesund, meine Stimme ist top. Warum sollte ich aufhören", fragt der Zehlendorfer ein bisschen den Reporter und wohl ein bisschen auch sich selbst. Eine große Tournee, wie die gerade laufende, werde es allerdings nicht noch einmal geben. Nur noch auf dem heimischen Sofa sitzend, würde er wahrscheinlich zusammensacken wie ein Pudding, scherzt Kollo. "Zu Hause rumsitzen ist mir einfach zu langweilig. In den Ruhestand verabschieden könnte ich mich, wenn ich nicht mehr gesund wäre", so der gefeierte Wagner-Tenor.

Mit wehendem Schal und gut gelaunt betritt der Künstler den Innenhof vorm Berliner Admiralspalast, einem Auftrittsort seiner Gastspielreise. Im Haus sollen gleich Interviews stattfinden, um die Tournee zu bewerben. René Kollo ist schon seit den frühene Morgenstunden auf den Beinen. "Wir kommen gerade aus Potsdam - Interview beim rbb. Entschuldigen Sie die Verspätung." Der Sänger stand im Stau. Seine 80 Lebensjahre sieht man Kollo nicht an. "Das Schönste ist: Ich fühle mich auch nicht so alt", lacht der gebürtige Berliner.

Er blieb seiner Heimat immer treu. Auch wenn die Familie im Zweiten Weltkrieg ausgebombt wurde und nach Schlesien ging. Als die Front immer näher an Deutschland heranrückte, hieß es erneut: Koffer packen. "Wir fuhren mit dem letzten noch abfahrenden Zug nach Hamburg", blickt René Kollo nachdenklich zurück. Seine Mutter, eine Friesin, stammte aus dem Norden. Ab 1946 besuchte er auf Föhr die Schule und lebte im Internat. Nach erfolgreichem Schulabschluss ging es erst einmal auf eine Fotoschule in Hamburg. Parallel bringt sich René Kollo als Autodidakt das Spiel auf Gitarre und Kontrabass bei. Er tritt in Jazzkellern auf und nimmt Schauspielunterricht. Bei Opernsängerin Elsa Varena erhält er aber auch stimmpädagogischen Unterricht.

An die große Weltkarriere ist zu dieser Zeit dennoch nicht zu denken. "Ursprünglich wollte ich ja mal Kameramann und Schauspieler werden." Der Künstler erinnert sich im Gespräch an eine alte Zigaretten-Reklame, die mit dem "Duft der großen weiten Welt" warb. "Das wollte ich auch: die große weite Welt sehen. Doch nach einem Jahr merkte ich, dass die Kamera nichts für mich ist." Die Welt lag ihm später dennoch zu Füßen. Auch in Filmen wirkte er mit, beispielsweise in "So liebt und küsst man in Tirol" (1961).

So sehr wie er Berlin liebt, so wenig kennt er Brandenburg, räumt der Wagner-Fan auf Nachfrage ein. "Durch die Mauer um Westberlin konnten wir früher nicht raus. Der ganze Osten schien so weit weg wie der Mond." Die Geschichten von Theodor Fontane schätzt Rene Kollo aber sehr, wie er sagt. Auch die Landeshauptstadt Potsdam finde er "geschichtsträchtig und hübsch". Im Gespräch merkt man jedoch schnell, dass ihm das Thema Brandenburg nicht so behagt. Über Mallorca, wo er einen zweiten Wohnsitz hat, könnte der 80-Jährige dagegen ausführlicher berichten.

Aber egal, ob Mallorca, die Mark oder andere Ecken der Welt - sein Sonntagsfrühstück fällt fast immer gleich aus: Eine Tasse Kaffee. Das wars. Ein besonders großer Frühstücker sei er nicht, sagt der sympathische Interviewgast. Wenn es hoch kommt, genehmige er sich mal ein Rührei mit gekochtem Schinken, so Kollo. Morgens fehle ihm einfach der Appetit. Selbst zubereiten würde er das Morgenmahl ohnehin nicht. "Zu Hause in Zehlendorf geht's immer in mein Stamm-Café", verrät der beliebte Sänger, der auch mal mit Zarah Leander auf Tournee war. Abends genehmigt sich René Kollo ein gutes Glas Rotwein. "Das hält jung."

Stimmübungen benötigt der Künstler heute nicht mehr, wie er sagt. Auch keine besondere Schonung vorm Konzert. Das war früher vor großen Partien ganz anders. Da wechselte René Kollo drei Tage vorm Auftritt mit der Familie und Bekannten kein Wort. Sein Beruf sei manchmal sehr einsam gewesen: "Es war oft wie eine Klausur. Du musst einfach weg sein von dieser Welt." Von seinem berühmten Vater und auch vom Großvater habe er als Kind wenig mitbekommen, sagt der Berliner. Auch sei die Familie im Privaten nicht sonderlich musikalisch gewesen, so die überraschende Auskunft René Kollos. "Mein Vater Willi Kollo hatte dienstlich genug mit Musik zu tun. Daheim wollte er seine Ruhe haben. An Hausmusik oder dergleichen war überhaupt nicht zu denken", erinnert sich der Künstler, der sich in der Freizeit mit Geschichtsthemen befasst und neben seinen Memoiren dazu auch schon Bücher veröffentlichte.

Apropos Memoiren: Auch daraus wird René Kollo bei seinen Auftritten vorlesen. "Dazu gibt's viel Musik, schön gesungen. Es wird ein sehr unterhaltsamer Abend", verspricht der große René Kollo. Sein Publikum wird ihn beim Wort nehmen. Im Programm präsentiert der Barde einen prominenten Mix seines Repertoires. Kirchliche Lieder (z.B. Jesus bleibet meine Freude) als auch Stücke aus Operetten (z.B. Ach ich hab in meinem Herzen), Werke seines Vaters und Großvaters (z.B. Lieber Leierkastenmann) und Volkslieder (z.B. Auf der Heide blühn die letzten Rosen) sind Teil des Konzerts.

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