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Dominic Boeer
"Mein Lieblingskiez ist meine Couch"

Dominic Boeer zählt zu den gefragten Schauspielern des Landes. Seit zehn Jahren steht er für die ZDF-Krimi-Reihe "Soko Wismar" vor der Kamera.
Dominic Boeer zählt zu den gefragten Schauspielern des Landes. Seit zehn Jahren steht er für die ZDF-Krimi-Reihe "Soko Wismar" vor der Kamera. © Foto: ZDF
Jens Rümmler / 27.03.2018, 18:56 Uhr
Franfurt (Oder) (MäSo) Dozent an der Dortmunder Wirtschaftshochschule, Redenschreiber für Politiker, Zeitungsautor, Familienvater sowie gefragter Schauspieler: Ein Interview mit Dominic Boeer zu ergattern, ist bei seinem Pensum gar nicht so einfach. Über ein Dreivierteljahr dauerte es, ehe der gebürtige Warsteiner (Nordrhein-Westfalen) Zeit für ein Gespräch fand. "Das tut mir so Leid, aber im Moment komme ich einfach kaum zum Luft holen. Es ist so viel los in meinem Leben", sagt der Mann, dessen Filmografie beachtliche 40 Serien, Fernseh- und Kinofilme umfasst. Gerade steht er wieder für die ZDF-Krimi-Serie "Soko Wismar" vor der Kamera. Morgens geht's mit dem siebenjährigen Sohn zur Schule, danach ins Fernsehstudio nach Berlin-Adlershof oder nach Wismar. Boeers Tage könnten manchmal 30 Stunden haben. "Auf acht Stunden Schlaf bin ich in den letzten zwölf Monaten wohl nie gekommen", schmunzelt der Mime.

Seit zehn Jahren mimt Boeer - mit einer Unterbrechung - in der Erfolgsserie "Soko Wismar" den Kriminaloberkommissar Lars Pöhlmann. Nicht Gemetzel und wilde Verbrecherjagden stehen hier im Vordergrund, sondern auch für den Laien nachvollziehbare Ermittlungen mit Tiefgang. Im Gespräch mit dem sympathischen Schauspieler gibt's gleich zu Beginn die erste Überraschung. Gedreht werde die "Soko" vor allem in der Hauptstadt und deren Umland, zuletzt in Potsdam und Ludwigsfelde. "Zu einem Drittel arbeiten wir in Wismar", verrät der Westdeutsche. Für die Produktionsfirma sei dies einfach kostengünstiger. Pro Jahr würden um die 30 Folgen gedreht. "Es gibt eine Winter- sowie eine kleine Sommerpause."

Wismar und das Umfeld der Hansestadt sei für ihn "Liebe auf den ersten Blick" gewesen. "Schiffe, Möwen, Kraniche und das ganze maritime Flair - mich hat es gleich beim ersten Besuch gepackt", schwärmt Dominic Boeer. Zuvor kannte er lediglich das "Pendant Nordsee". "Ich habe Verwandtschaft in Halle an der Saale, kannte aber vor der "Soko" relativ wenig vom Osten", räumt der 39-Jährige ein. Sein Lebensmittelpunkt ist dienstbedingt seit 15 Jahren Berlin-Mitte. Wenn er in Wismar arbeitet, wohnt er im "Steigenberger", dem ersten Haus am Platz. Abends geht er dort häufig noch joggen oder ins Fitnesscenter um die Ecke, wo er mit Werftarbeitern oder anderen Einheimischen ins Gespräch kommt. "Wismar ist vielleicht nicht so hipp wie Berlin, dafür aber ehrlicher. Das liegt mir sehr", erklärt der gefragte Darsteller.

Bleibt Zeit, schaut er gern Fernsehen und hier am liebsten Krimis: "Mich interessiert natürlich auch, was die Kollegen machen", sagt der Wahl-Berliner. Dann kommt das Gespräch auf Politik und mediale Kommunikation, die zweite große Leidenschaft von Dominic Boeer. Wahlkämpfe interessierten ihn schon, bevor er in Köln Politikwissenschaft studierte. In der Folge verfasste er Konzepte für Landtagsabgeordnete und schrieb Reden für bekannte Politiker, u.a. für Saarlands Ex-Ministerpräsident Peter Müller (CDU).

Dann kommt das Gespräch aufs Thema Freizeit: die verbringt Dominic Boeer ganz gern auch zu Hause. Auf die Frage nach Berliner Lieblingskiezen, antwortet er postwendend und augenzwinkernd: "Mein Lieblingskiez ist eigentlich meine Couch." Freunde und Bekannte kommen gern zu ihm nach Hause in die Berliner City-Ost. Er sei nun mal kein Partylöwe oder einer, der nachts noch um die Häuser zieht.

Sein "Sonntagsfrühstück" ist ihm dem eigenen Bekunden nach heilig. "Mein Sohnemann und ich nehmen das Morgenmahl im Pyjama und mit großer Decke auf der Couch ein." Vorher würden beim französischen Bäcker um die Ecke die angeblich besten Croissants der Stadt gekauft. "Manchmal lassen wir bei dem kurzen Gang zum Bäcker den Pyjama gleich unter Jeans und Jacke an", lacht der Schauspieler. Sonntagmittag geht's an die Hanteln in der Wohnstube. "Mein Sohn erzählt mir dann manchmal von ihm selbst ausgedachte Witze." Der Vater sei dann "schwer begeistert", wie Boeer lächelnd berichtet. Nun ja, er ist schließlich Schauspieler.

Apropos: Dass er mal genau diesen Beruf wählt, sei recht früh klar gewesen. "Mit meiner Familie hat das aber nichts zu tun. Die hat mit der Branche überhaupt nichts am Hut." Ein Theater im früheren Wohnumfeld sei Schuld an der Spielleidenschaft des späteren Mimen. "Als das besagte Theater ein Kind suchte, nahmen sie mich, weil ich immer so eine große Klappe hatte. Mit acht Jahren bekam ich ein halbes Jahr schulfrei", erinnert sich Dominic Boeer. Seinerzeit ging er als "Mogli" mit der "Dschungelbuch"-Inszenierung auf Tournee. "Ich war schon früh Schauspieler und konnte als Erwachsener auch immer davon leben." Bereits mit 18 Jahren schrieb er das Elvis-Musical "Trouble with Elvis", das mit ihm in der Hauptrolle am Stadttheater Lippstadt lief.

Ausgefüllt habe ihn das Metier aber längst nicht, weshalb er sich an der Uni Köln für Politologie einschrieb. "Köln passte sehr gut, weil ich dort in der Fernsehstadt während des Studiums weiter drehen konnte." Das Interesse für politische Kommunikation wuchs an der Uni. Im Jahr 2000 reiste er im US-Wahlkampf in die Vereinigten Staaten. Besonders vom "amerikanischen Freiheitsgeist" fühlte er sich damals angesprochen. "Mir gefielen die Schriften Abraham Lincolns, der Glaube an den einzelnen Menschen überhaupt", erklärt Boeer, der in den USA auch Schauspielunterricht nahm.

Der Mime sah aber auch schon andere Ecken der Welt, beispielsweise Australien. Vom fünften Kontinent stammt die Mutter seines Sohnes, die Tänzerin und Choreografin Alexandra Hippwell (37). Beide leben mittlerweile getrennt.

Wenn Dominic Boeer in den kommenden Jahren das Fernweh packt, stehen seinen Worten nach u.a. Vietnam und Mexiko auf der Reiseliste. Ausgesprochen wohl fühle er sich aber auch in Potsdam. Er könne sich vorstellen, hier später einmal zu leben.

Dominic Boeer schreibt regelmäßig für Tageszeitungen, wie "Die Welt" und "taz". Er arbeitet nach wie vor als politischer Berater für Parteien und deutsche Politiker.

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