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Kristin Suckow
Energiebündel zwischen Film und Funkerberg

Kristin Suckow aus Königs Wusterhausen zählt zu den gefragten Nachwuchsschauspielerinnen des Landes.
Kristin Suckow aus Königs Wusterhausen zählt zu den gefragten Nachwuchsschauspielerinnen des Landes. © Foto: David Reisler
Jens Rümmler / 27.03.2018, 19:18 Uhr
Berlin (MäSo) Radler drängeln sich am Straßenrand. Fußgänger ignorieren auf Rot stehende Ampeln. Direkt davor dröhnt der Straßenlärm. Mütter tauschen sich über ihre Sprösslinge aus. Väter starren gelangweilt in ihre Handys. Mitten im pulsierenden Großstadt-Kiez des Prenzlauer Berg sind wir mit Kristin Suckow, dem großen Schauspieltalent aus Königs Wusterhausen, verabredet. In den Szenecafés trinkt sie nicht nur gern ihren Tee oder isst einen Happen, hier steigt auch oft ihr Sonntagsfrühstück.

Im ersten Moment könnte man die zierliche kleine Frau unterschätzen. Doch dieser Moment dauert nicht lange. Gleich nach dem ersten Wortwechsel ist klar: Diese Frau weiß, was sie will. Kristin Suckow ist ein wahres Energiebündel, das voller Leben und Ideen steckt. Mit gerade mal 28 Jahren hat die Darstellerin schon eine kleine Karriere hinter sich: Suckow spielte in den TV-Reihen "Wilsberg" und "Großstadtrevier". Zuletzt brillierte sie im Kinofilm "Lux, Krieger des Lichts", in dem sie eine Stripperin spielt. Gerade dreht sie die Komödie "FrauMutterTier". Auf der Bühne glänzte die junge Künstlerin u.a. im Renaissance-Theater sowie im Hamburger Ernst-Deutsch-Theater, wo Kristin Suckow u.a. die Hauptrolle in "Anne Frank" übernahm und die Luise in "Kabale und Liebe" spielte. Hierfür erhielt sie den Theaterpreis Hamburg als "Herausragende Darstellerin"!

"Für mich ist es absoluter Luxus, zwischen Theater und Film wählen zu dürfen", sagt die Frau, die sich aber auch als "Theater-Tier" bezeichnet. "Meine Theaterrollen im Team zu erarbeiten, liegt mir." Das Filmgenre fasziniert die sympathische Mimin ebenso: "Jede Figur bringt eine ganze Welt mit sich."

Seine Ursprung hat das alles in Königs Wusterhausen. "Eigentlich begann es damit, dass mich schon als Kind alte DDR-Märchenfilme begeisterten. Ich inszenierte darauf hin selbst kleine Stücke in der Wohnstube - mit meinen beiden jüngeren Schwestern." Zu ihren liebsten Filmen zählten "Die Gänsehirtin", "Schneeweißchen und Rosenrot", aber auch der sowjetische Streifen "Der Hirsch mit dem goldenen Geweih".

Auch wenn die Wahl-Berlinerin seit neun Jahren im Hinterland der Schönhauser Allee lebt, hält sie Kontakt zu ihrer alten Heimat. "In mein Königs Wusterhausen komme ich immer wieder gerne - nicht nur wegen meiner Eltern, die mich von Anfang an unterstützten." Kristin Suckow besucht gern das Bergfunk-Festival, das Kino "Capitol", spaziert durch den Schlosspark oder radelt am Notte-Kanal entlang. Im Friedrich-Wilhelm-Gymnasium, das sie einst selbst besuchte, spielte sie kürzlich im Elke Lasker-Schüler-Stück "ELS". Lange Zeit besuchte die gefragte Darstellerin das Kinder-Tanztheater Berlin-Brandenburg, das in KW beheimatet war. "Leider gibt es dieses wunderbare Theater nicht mehr."

Ab und an gibt Papa Rainer auf dem Funkerberg eine Privatführung. Er ist der Chef des Fördervereins "Sender KW. "Ich ziehe wirklich den Hut davor, was die Ehrenamtler dort oben, an der Wiege des deutschen Rundfunks leisten." Vater Rainer Suckow wiederum zieht den Hut vor der Tochter. Als sie vor Jahren an der Potsdamer Schauspiel-Hochschule "Konrad Wolf" angenommen wurde, hat er vor Freude geweint. Das Studium meisterte Kristin Suckow, die auch singt und Gitarre spielt, mit Bravour. Neben den Eltern erwähnt die erfolgreiche Künstlerin Regisseur Knut Sommer (1943 - 2015), der für sie eine Art Mentor war. "Ich hatte anfangs großen Respekt vor diesem Beruf, der für mich der schönste Beruf der Welt ist - trotz Drehtagen von mehr als 18 Stunden, trotz der Unsicherheit, ob es mit der nächsten Rolle wirklich klappt." Knut Sommer habe ihr immer den Rücken gestärkt, so die gebürtige Königs Wusterhausenerin. "Letztlich entschied sich mein Herz für diesen Beruf. Der Verstand wurde da einfach nicht gefragt." Insgesamt würde sich die gefragte Darstellerin eine "mutigere Förderpolitik" in Sachen Film wünschen. Deutschland habe so viele tolle Drehbuchautoren und kreative Köpfe, die mehr Chancen verdienten.

Dann kommt Kristin Suckow auf ihr Chansonprogramm "Amor liebt dich. Oder mich" mit ihrem künstlerischen Partner Johannes Norden zu sprechen. "Wir präsentieren darin Lieder zum ewigen Thema, das jeder kennt und niemand versteht." Nur am Rande sei hier erwähnt, dass die Mimin auch selbst Klarinette und Flöte spielt.

Ihre ersten Rollen spielte Kristin Suckow noch während ihrer Ausbildung im Szenenstudium, beispielsweise 2009 in "Hautnah" von Patrick Marber und 2010 in Shakespeares "Was ihr wollt" sowie "Ostern" von August Strindberg. Auf der Bühne debütierte sie (außerhalb der Schule) 2010 am Maxim Gorki Theater als Marie in "Woyzeck" von Georg Büchner. Im selben Jahr war sie an der Berliner Volksbühne in "Wider den Donjuanismus" zu sehen.

Von 2011 bis 2013 spielte sie in unterschiedlichen Inszenierungen am Potsdamer Hans-Otto-Theater, u.a. in "Parzival", "Hexenjagd" und "Krebsstation". 2012 gab sie außerdem ein Gastspiel an den Vereinigten Bühnen Bozen. 2013 trat sie im Berliner Renaissance-Theater auf. In den Spielzeiten 2013/14 und 2014/15 war Suckow am Hamburger Ernst-Deutsch-Theater zu sehen. Hier spielte sie in "Heute bin ich blond" nach der Romanvorlage von Sophie van der Stap die Hauptrolle. 2015 stand sie auch als Else Lasker-Schüler im Stück "Else" im Hoftheater Berlin auf der Bühne.

Im Kurzfilm "Taschengeld" blickte Kristin Suckow 2009 zum ersten Mal in eine Filmkamera. Es folgten weitere Rollen in verschiedenen Fernseh- und Kinofilmen sowie Gastauftritte in Krimiserien. Für ihre Darstellung der "Hanna" in "GeschwisterDiebe" in der Regie von Antoine Dengler war sie 2014 für den Max-Ophüls-Preis als beste Nachwuchsdarstellerin nominiert.

Dann muss Kristin Suckow weiter zum nächsten Termin - mit dem Rad nach Kreuzberg, wo sie gerade im Schaupieler-Ensemble "Eyduna" die nächste Rolle probt. Danach will die Mimin noch im Mauerpark klettern. Wenn sie nicht schon so bekannt wäre, müsste man schreiben: Kristin Suckow - ein Name, den man sich merken sollte!

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