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Andreas Rösler
Der Schrippenbäcker vom Berliner Olympiastadion

Andreas Rösler führt den Familienbetrieb bereits in vierte Generation. Am liebsten lässt er sich einen frisch gebackenen Schusterjungen oder die beliebte Frühstücksschrippe "Knusperkanten" schmecken.
Andreas Rösler führt den Familienbetrieb bereits in vierte Generation. Am liebsten lässt er sich einen frisch gebackenen Schusterjungen oder die beliebte Frühstücksschrippe "Knusperkanten" schmecken. © Foto: Andrea Draeger/monkimia
Jens Rümmler / 11.06.2018, 18:14 Uhr
Berlin (Mäso) Das Schwarzwälder Landbrot duftet verführerisch. Handgemachte Dominosteine und Honigkuchen sind appetitlich aneinandergereiht. Bleche voller Leckereien, gefüllt mit Eclair, Bienenstich und Eierschecke, stechen gleich ins Auge. Der Klassiker der Bäckerei Rösler - Apfel-Bauern-Kuchen - geht sowieso immer. Hochzeitstorten kreieren die emsigen Konditoren aus Berlin-Spandau aber auch. Die ältesten verwendeten Rezepte stammen aus dem Jahr 1890, etwa für Nusskuchen und Mohnstolle.

Doch das Familienunternehmen gibt es noch viel länger. Mit stolzen 140 Jahren sind die Röslers Berlins älteste Bäckerei. "Gegründet wurde der Betrieb 1878 von meinem Urgroßvater Leopold", berichtet Bäckermeister und Geschäftsführer Andreas Rösler aus der Historie. Mit 60 Angestellten verarbeitet er im Jahr rund 180 Tonnen Mehl. Das herrliche Ergebnis sind 23 Brotsorten und um die 80 verschiedene Kuchen. Gerade holten die Röslers Goldmedaillen für ihre Mohn- und Rosinenstollen in einem Wettstreit der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft. Ende 2017 sorgte ein 44 Meter langer Rekord-Christstollen zur Eröffnung des Spandauer Weihnachtsmarktes für Aufsehen. 75 Kilogramm Mehl und 90 Kilogramm Rosinen wurden hier u.a. verbacken. "Wir verwendeten weniger Butter, dafür aber 20 Kilogramm mehr Quark, damit der Stollen länger frisch bleibt", verrät Andreas Rösler.

Seine typischen Berliner Schrippen dürften auch viele Fußballfans kennen - ohne es zu wissen. Denn der Traditionsbetrieb beliefert bis zu 40 Imbiss-Stände im und am Olympiastadion mit Brötchen. Bei einem normalen Bundesligaspiel von Hertha BSC seien das um die 15000 Schrippen. Bei Europapokalspielen oder anderen wichtigen Events kommen noch einmal bis zu 8000 Stück der Backware dazu. "Die Brötchen schneiden wir sogar alle auf", betont der Bäckermeister. Hertha-BSC-Fan sei er allerdings nicht, schmunzelt Rösler, dessen Stammhaus an der Falkenseer Chaussee nur einen Katzensprung von der brandenburgischen Landesgrenze entfernt liegt.

Viele Zutaten und Früchte für Obstkuchen kommen aus der Mark, das Mehl aus der Nordland-Mühle Jarmen (Mecklenburg-Vorpommern), die Kundschaft u.a. aus Henningsdorf und Falkensee. Er sei sozusagen der Falkenseer Bäcker, aber eben in Spandau, scherzt der Mitt-Fünfziger. Wenn Zeit bleibt, ist Andreas Rösler mit seiner Familie gern im Märkischen unterwegs. "Ich mag diesen Kontrast hier zwischen Weltmetropole und Idylle - und das nur ein paar Autominuten voneinander entfernt", so der Mann, der die Bäckerei Rösler nun schon in vierter Generation führt. Noch bis 1920 sei Spandau "märkisch" gewesen und erst danach gegen den Willen vieler Einheimischer "nach Berlin eingemeindet" worden.

Der Sonntag sei der einzige Tag, an dem die Familie mal zur Ruhe kommt, sagt Andreas Rösler auf Nachfrage. Das wirkt sich auch aufs Sonntagsfrühstück aus. Dann sitzen alle gemeinsam am Tisch und essen ihre Lieblingsbrötchen. Selbstverständlich aus dem eigenen Hause. Sohn Tobias schwört auf Rosinenbrötchen, Papa Andreas auf Mohnhörnchen, Schusterjungen und "Knusperkanten". "Dazu gibt's ein frisch gekochtes Ei, das gehört bei uns einfach dazu", so der Bäckermeister und frühere Lehrlingswart der Bäckerinnung Berlin-Brandenburg. Kuchen esse er eigentlich nicht so häufig, so die überraschende Auskunft des erfolgreichen Unternehmers. Dafür darfs gern mal ein Wiener Würstchen sein.

Zu Röslers Pensum zählt auch das Ehrenamt als Richter am Arbeitsgericht sowie die Tätigkeit als Meisterprüfer seiner Branche. Fit hält sich der Spandauer eigenen Aussagen nach u.a. durch Mittags- und Abendschlaf. Dass sein Wecker mitten in der Nacht klingelt, sieht man Andreas Rösler nicht unbedingt an. Besonders müde wirkt er im Gespräch nicht. Ganz im Gegenteil: Das Unikum plaudert frei von der Leber weg über seinen abwechslungsreichen Beruf, die eigene Verantwortung fürs Handwerk und von Spekulatiuskeksen, die im eigenen Haus immer noch wie anno dazumal hergestellt würden. Heraus komme eine Qualität, die jeder Kunde schmecken kann.

Das Geheimnis seines Backerfolgs: "Wir stellen nur das her, was wir auch selber essen würden." Auf dem leckeren Brot vom Vortag dürfe man sich als Bäcker nicht ausruhen, mahnt der Familienvater. Große Experimente sind bei den Röslers tabu. "Ich wüsste auch nicht, was ich anders machen sollte", zuckt der Chef mit den Schultern. Zwar gebe es in den acht Filialen mittlerweile auch Dinkel- und Chiabrot, doch Anbiederung an den Zeitgeist ist nicht Andreas Röslers Ding.

Was gibt's noch zu berichten von der ältesten Bäckerei Berlins? Dass Röslers Vater Ortwin mit seinen 87 Lebensjahren immer noch im Betrieb mitmischt, die Firma auch eigene Nudeln herstellt und Sohn Tobias kürzlich die Meisterprüfung bestand. Somit tritt wohl irgendwann die fünfte Generation der Bäckerei Rösler an. Die hatte übrigens auch schon mal Filialen in Tiefwerder und an der Schönhauser Allee im Berliner Prenzlauer Berg.

Dann geht's nochmal kurz hinein in die gute Backstube. Brötchen dürfen hier noch bis zu 20 Stunden "ruhen", damit sich Aromen auch richtig entfalten können. Der Reporter verkostet eine Scheibe des herzhaften Walnussbrots. Knackig im Biss, betonen geröstete Sonnenblumenkerne das nussige Aroma dieses Backwerks. Ein Genuss! "Das Schönste an meinem Beruf ist aber das Backen selbst, der Duft frischer Brotlaibe und der Prozess der Zubereitung." Die Traditionsbäckerei beliefert u.a. auch die Bayer-Werke, Siemens sowie Krankenhäuser.

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