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Waltraud Hable
Ich bin noch lange nicht fertig mit der Welt

Fühlt sich in der ganzen Welt heimisch: Waltraud Hable.
Fühlt sich in der ganzen Welt heimisch: Waltraud Hable. © Foto: DuMont Reiseverlag
Jens Rümmler / 13.06.2018, 11:50 Uhr
Frankfurt (Oder) (Mäso) 14 Länder, über 106000 Reise-Kilometer, gute elf Monate unterwegs - das sind die Fakten von Waltraud Hables unglaublicher Reise rund um den Globus. Etwas geschafft, etliche Kilos abgespeckt und auch 42000 Euro ärmer, präsentiert die Österreicherin nun stolz ihr flott und amüsant zu lesendes Buch "Mein Date mit der Welt" (DuMont Reiseverlag). Urlaubscharakter hatte das Ganze offenkundig nicht unbedingt - skurrile Episoden liefert die Autorin dafür am Fließband: angefangen bei Richard, dem feschen Kanadier, in den sie sich in Rio de Janeiro unsterblich verliebte bis hin zu Helsinki, wo sie die Reisemüdigkeit überfiel. "Dabei gefiel mir die finnische Hauptstadt eigentlich ganz gut", seufzt Waltraud Hable. Genaueres ist im Buch zu erfahren. An Richard muss die Journalistin noch heute denken, wie sie sagt: "Der durchtrainierte Typ mit der perfekten Nase und den freundlichen blau-grauen Augen ist mit seinen einundvierzig Jahren sage und schreibe dreimal um die ganze Welt gereist", schwärmt die im 3000-Seelen-Ort Aurolzmünster in Oberösterreich geborene Autorin. Überprüfen ließen sich die Angaben des Angebeteten nicht. Aber egal: "Was für ein Kerl."

Waltraud Hable berichtet von ihrem Bauchgefühl, das ihr riet: Brich auf und erobere die Welt. "Dieses Bauchgefühl sagte mir: Wenn ich es nicht mache, werde ich es bereuen und als alte Frau frustriert auf einer Parkbank auf Tauben und kleine Kinder schimpfen. Und das wäre blöd", erklärt die 39-Jährige die Intention zur Welttour. Im alten und neuen Arbeitsort Wien zurückgekehrt, schildert die reisefreudige Schreiberin, wie sie sich dafür von geliebten Gewohnheiten lösen musste. Das Buch erzählt von unglaublichen Zufällen, von der Kraft des Lächelns, von der Suche nach der großen Liebe, aber auch vom Mut, sich selbst zu überwinden.

Reisestationen waren Tansania, Südafrika, USA (mit Hawaii), Argentinien, Brasilien, Australien, Japan, Myanmar, Laos, Thailand, Indien, Finnland, Marokko und Portugal. Von Lissabon und Marrakesch schwärmt Waltraud Hable bis heute. San Francisco wurde dagegen zum größten Missverständnis der Globetrotterin in Sachen Reise. Keines der Klischees von Al Capone, Alcatraz, steilen Straßenzügen und filmreifen Sonnenuntergängen stimmte Hables Wahrnehmung nach. Die unverschämt teure Unterkunft schildert sie als Katastrophe (schmutzige Bettwäsche, fehlende Heizung, kein Waschbecken), einige Einheimische als selbstverliebte Karrieristen.

Die Frau aus der kleinen Alpenrepublik fühlte sich in San Francisco wie ein Fremdkörper. "Jeder in San Francisco schien auf Networking und Karriere-Optimierung aus zu sein. Die Hippies sind vorausschauend mit der ersten Dotcomwelle abgehauen. Zurück blieben (...) Vice Presidents. Und wer keinen Titel hat, bastelt zumindest an einem "genialen Start up" und sagt auffällig oft Sätze wie: "Das wird richtig groß"", heißt es im Buch. Getoppt wurde das Ganze nur noch von Indien, die einzige Destination der Tour, die Hable vorzeitig verließ. Mangelnde Hygiene, fades Essen und notgeile Männer gaben der Buchautorin ihrer Lektüre nach den Rest.

Dieser vorzeitige Reiseabbruch ist nachvollziehbar. Dennoch erstaunt in vielen Passagen - besonders in der über San Francisco - die offenkundige Blauäugigkeit mit der die gestandene Magazin-Journalistin hinaus in die Welt zog. Dass die kalifornische City für viele heute längst nicht mehr zu den Hotspots einer Amerika-Tour zählt und vom Ruhm vergangener Tage zehrt, hat sich längst herumgesprochen. Aber vielleicht braucht die Weltreisende auch genau diese Naivität, um überhaupt zu starten und ein knappes Jahr lang voller Neugier den Globus zu erkunden.

Nur damit keine Missverständnisse aufkommen: Am Ende überwogen spannende Begegnungen mit Einheimischen sowie faszinierende Eindrücke von Landschaften und Städten. Beispielsweise in Kapstadt oder Lissabon. "Ich hätte noch ewig durch die herrliche Altstadt der portugiesischen Metropole schlendern können", begeistert sich Waltraud Hable etwa für die Hauptstadt Portugals. Doch egal, ob Iberische oder skandinavische Halbinsel, ob Afrika oder Australien: eines vereint Waltraud Hables Beobachtung nach alle Bewohner unserer Erdkugel: "Alle Menschen dieser Welt wollen dasselbe: Familie, Liebe, Lachen, Arbeit", lautet eine der Reiseweisheiten der sympathischen Österreicherin. Weitere Erkentnissse nach ihrer Welttour sind, dass das Bauchgefühl immer recht hat und es ausreicht, nur jedes dritte Souvenir zu kaufen. Daran, dass sie in Japan und Myanmar andauernd zum Erinnerungsfoto gebeten wurde, habe sie sich letztlich gewöhnt. "Mein Freund, der Europäer"-Schnappschüsse seien in Asien grundsätzlich sehr begehrt, scherzt Waltraud Hable. Nicht arrangieren konnte sie sich mit Kaffee an Bord von Fliegern - zumindest nach einem Gespräch mit einem Pilot auf Hawaii. Der bezeichnete Kaffee als unhygienischstes Getränk in Flugzeugen überhaupt. Thermoskannen würden kaum oder nur schlecht gereinigt, heißt es im Buch.

Apropos Kaffee und Sonntagsfrühstück: Das fällt bei der Journalistin eher spartanisch aus. Hirsebrei mit Apfel und einem Hauch Zimt. Dazu ein Glas Wasser. Das wars. "Der warme Hirsebrei wärmt von innen, schmeckt herrlich nach erwachsenem Babybrei und hält lange satt." Stehen keine Hirse zur Verfügung, gibt es Spiegeleier mit selbst gebackenem Oliven-Tomaten-Rosmarin-Brot. Egal, ob in Österreich oder in einer anderen Ecke des Planeten.

"Meine Date mit der Welt" enthält darüber hinaus auch eine Art Lektion, wie eine fast einjährige Weltreise vorzubereiten ist. Waltraud Hable beschreibt mit Witz und Ironie, wie sie ihren gut bezahlten Job als Chefredakteurin eines Magazins kündigte, ihren schrottreifen Skoda verkaufte und die Wohnung untervermietete. Ihr lesenswertes Buch widmet sie allen Menschen, die noch zögern, aufzubrechen: "Die Welt wartet - und sie hat die schönsten Momente mit im Gepäck!" Eine zweite Reise um den Globus schließt Waltraud Hable übrigens nicht aus. Für möglich hält sie aber auch, sich irgendwann einmal in wärmeren Gefilden niederzulassen. Hables Resümee: "Ich bin noch lange nicht fertig mit der Welt."

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