Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Anne-Catrin Märzke
Das „Mädchen aus Ostberlin“ entpuppt sich als wahres Multitalent

Multitalent aus dem Prenzlauer Berg: Anne-Catrin Märzke
Multitalent aus dem Prenzlauer Berg: Anne-Catrin Märzke © Foto: Urban Ruths
MOZ / 29.11.2018, 17:10 Uhr - Aktualisiert 13.12.2018, 16:39
Berlin Von Jens Rümmler

Schwarze Lederjacke, große blaue Augen und ein herzliches Lachen: Auch wenn ihre Haare weniger blond als auf PR-Fotos wirken, erkennt man Anne-Catrin Märzke im Café an der Schönhauser Allee sofort. Vielen ist sie noch als „Mädchen aus Ostberlin“ im Udo-Lindenberg-Musical „Hinterm Horizont“ oder aus „Gute Zeiten Schlechte Zeiten“ in Erinnerung. Doch seitdem hat sich viel getan.

Sechs Jahre nach der umjubelten Musicalrolle ist klar, dass genau dieses Projekt der Startschuss zur großen Karriere war. Denn Anne-Catrin Märzke darf man heute getrost als Multitalent bezeichnen. Sie spielt, singt, tanzt und synchronisiert, ging mit der amerikanischen Heavy-Metal-Band „Kamelot“ drei Jahre auf Welttournee Sie  war aber auch mal deutsche Jugendmeisterin im Kegeln! Allein „Hinterm Horizont“ spielte die vielseitige Darstellerin zwei Jahre am Stück. „Das waren rund 700 Vorstellungen am Potsdamer-Platz-Theater. Eine tolle Erfahrung, von der ich bis heute profitiere“, sagt die gebürtige Parchimerin. Auch die Begegnung mit Udo Lindenberg zählt sie dazu. „Udo ist ein sehr offener Mensch, immer an Leuten und Geschichten interessiert.“

Gerade erst drehte Anne-Catrin Märzke den Kinofilm „Justice“ in Berlin, da steht schon das nächste Projekt ins Haus: „Adventures of a Mathematician“ an der Seite von Esther Garrel handelt von einem jüdischen Mathematiker, der vor den Nazis in die USA flüchtet und dort eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Wasserstoffbombe spielt.

Märzkes Kriterien bei der Rollen-Auswahl heißen: Inhalt, Kollegen und Regie. „Wenn zwei von drei Punkten stimmen, mache ich den Film“, so die klare Ansage der Schauspielerin. Allzu sehr verbiegen mag sie sich aber nicht, um an Aufträge zu kommen: „Dinge ergeben sich oder auch nicht. Ich versuche einfach immer nur, meine Arbeit so gut zu machen wie ich kann.“ Diese Strategie funktioniert nun schon seit Jahren.

In ihre Wahlheimat, den Prenzlauer Berg, kam sie 2006 über die Berliner Verwandtschaft: „Mein Onkel und meine Tante wohnten hier, ich kannte die Gegend und fühlte mich immer wohl.“ Nach einer Bleibe habe sie sich auch in anderen Ecken der Hauptstadt umgesehen. „Aber hier gefällt mir das Klima und das Miteinander verschiedener Kulturen. Im Prenz‘lberg fühl‘ ich mich pudelwohl.“ Was nicht heißt, dass Anne-Catrin Märzke nicht auch in andere Ecken der Metropole ausschwärmt. Meist ist sie dann per Rad unterwegs, wie die Künstlerin betont. „Das ist das, was mich an Berlin auch fasziniert: dass es aus ganz verschiedenen Kiezen besteht, die sich immer wieder neu erfinden.“ Gern schlendert Anne-Catrin Märzke durch den Volkspark Friedrichshain. Ziel ist dann meist der Märchenbrunnen.

Ihr „Sonntagsfrühstück“ nimmt sie aber bei sich zu Hause unweit der Schönhauser Allee ein: „Dazu gehören Bäckerbrötchen sowie ein frischer Erdbeer-Bananen-Smoothie“, zählt Märzke die wichtigsten Komponenten ihres Frühstücks auf. Der erste Teil des Morgenmahls finde vormittags statt, Teil zwei am frühen Nachmittag - anstatt des Sonntagsbratens. Mit letzterem hätte sie als Vegetarierin ohnehin Probleme. „Es gibt viele Gründe, warum ich auf Fleisch verzichte. Massentierhaltung ist der wichtigste.“ Die Schauspielerin und Sängerin unterstützt nicht nur einen „Lebenshof für Tiere“ in Mecklenburg-Vorpommern, sie nutzt ihre Popularität ganz bewusst auch für Botschaften zum Tierwohl.

So sieht die sympathische Interviewpartnerin auch die Haltung von Katzen und Hunden in Städten skeptisch. „Die Halter verstehen sich als Tierfreunde, bewirken aber leider oft das Gegenteil. Zumindest wenn sie Mauz und Bello in kleinen Wohnungen halten“, seufzt die 33-Jährige. „Hunde und Katzen streicheln, aber Kaninchen und Hühner essen – das passt für mich nicht zusammen“, so die engagierte Darstellerin. Die Hühnereier ihres Onkels vom Land seien aber okay, lacht die Wahl-Berlinerin. Der halte um die 15 der gackernden Tiere.

Brandenburg schätzt Anne-Catrin Märzke sehr, wie sie sagt. Nicht nur, weil die Mark ihrer Heimatregion rund um Parchim ähnele. „Ich mag Potsdam und seine Schlösser, Caputh mit dem Albert-Einstein-Haus, aber auch den Spreewald, in dem ich gern mal ein, zwei Tage ausspanne“, zählt sie einige ihrer liebsten Brandenburger Ziele auf. Natürlich arbeitet Anne-Catrin Märzke den eigenen Worten nach auch immer wieder gern im Märkischen: so zuletzt beim „Sommertheater Wustrau“ am Ruppiner See oder bei den Schlossfestspielen Ribbeck, bei denen sie die Effi in „Effi Briest“ mimte.

Aufgewachsen ist die Darstellerin in einer Musikerfamilie. Cousin und Vater sind Sänger, der Vater war zudem Techniker im „Jungen Staatsschauspiel Parchim“. „Da hab‘ ich schon als Kind viel Bühnenluft geschnuppert, Künstler und ihre Proben beobachtet.“ Schon mit acht Jahren sang Anne-Catrin Märzke als einziges Kind im jährlichen Bach-Weihnachtsoratorium. Mit 14 hatte sie in „Räuber Vieting“ ihre erste Theaterrolle. Beinahe folgerichtig absolvierte sie ein Studium für Schauspiel, Gesang und Tanz an der Joop van den Ende Academy Hamburg. In dieser Zeit entdeckte Musicalstar Uwe Kröger Märzkes Talent: „Anne-Catrin ist schauspielerisch so genial begabt, die Geschichte treibt sie nach vorn, ganz bezaubernd, toller Typ“, schwärmte Kröger von der Frau, die er sogar mit der jungen Nastassja Kinski vergleicht.

Zum Schluss kommt die so Gelobte noch auf ihr „Herzensprojekt“ zu sprechen: Die szenische Lesung „Empfänger unbekannt“ mit ihrem Schauspiel-Kollegen Thaddäus Meilinger. „In 18 Briefen und einem Telegramm wird die Geschichte der beiden Deutschen Martin Schulze und Max Eisenstein erzählt, die Anfang des 20. Jahrhunderts eine Galerie in San Francisco betreiben“, beschreibt Anne-Catrin Märzke das Drama von Kathrine Kressmann Taylor. 1932 kehrt Martin Schulze nach Deutschland zurück. Es ist der Beginn einer intensiven Brieffreundschaft zwischen Eisenstein und Schulze. Als Hitler 1933 an die Macht kommt, ändert sich alles. Die Lesung fand jetzt u.a. im „Theater unterm Dach“ in Berlin statt.

Geplant sind auch Schul-Workshops und Lesungen in Brandenburg. Mit Anne-Catrin Märzke erlebt das Publikum eine engagierte Künstlerin, von der man noch hören, lesen und sehen wird!

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
(Ihr Name wird auch in der Zeitung veröffentlicht. Die Adresse wird nicht veröffentlicht.)
© 2018 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG