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Daniel Rodic
Kein Typ für den roten Teppich

MOZ / 07.02.2019, 17:48 Uhr
Frankfurt (Oder) ([]) Von Jens Rümmler

Durchtrainierter Body, Muckis in den Oberarmen und immer einen coolen Spruch auf den Lippen. So einen Typ schätzt man schnell mal falsch ein: Von wegen Aufschneider und Schaumschläger. Da liegt man bei Daniel Rodic ganz schön daneben. Der gebürtige Mainzer glänzt auf dem Bildschirm weniger mit Sprüchen, vielmehr mit Schauspiel-Talent. Davon konnten sich Kino-Besucher Ende 2018 in „So viel Zeit“ überzeugen.

An der Seite so großer Namen wie Jan Josef Liefers, Jürgen Vogel und Laura Tonke spielte Rodic einen Rapper, der die Musik und das Leben feiert und zeigt, dass es nie zu spät ist, noch einmal ganz von vorn anzufangen. „Mit solchen Profis zu drehen, bedeutet für mich vor allem, zu lernen. Jeder Tag am Set bringt mich weiter.“ Lampenfieber habe er dabei keineswegs, Respekt allemal. Bei manchen Streifen sei er nur an einem Drehtag dabei. „Dann ist es wie der berühmte Sprung ins kalte Wasser – mit dem Ziel, zwischen den „Alten Hasen“ zu bestehen.“ Mit einer heute fast schon seltenen Natürlichkeit und seiner herzlichen Art bestand Daniel Rodic bislang alle cineastischen Herausforderungen.

Seine Filmografie weist bereits mehr als 20 Streifen auf. Nicht schlecht für einen 27-Jährigen. Zu sehen war er u.a. schon in „Alarm für Cobra 11“, „Notruf Hafenkante“ und „Bad Cop – Kriminell gut“. Seit 2018 hat er eine Hauptrolle in „In aller Freundschaft – Die Krankenschwestern“. Eine ganz neue Herausforderung waren die Dreharbeiten zum ARD-Zweiteiler „Die Drei von der Müllabfuhr“. Vor der Arbeit, u.a. mit Uwe Ochsenknecht, absolvierte Daniel Rodic ein eintägiges Praktikum bei der Berliner Stadtreinigung (BSR). „So konnte ich mich eingrooven und lernte beispielsweise, wie man zwei Mülltonnen auf einmal über Wege und Holperpflaster bugsiert und mit ihnen fast Ballett tanzt.“

Doch der Dreh barg noch andere Tücken: Die Rede ist vom extrem frühen Arbeitsbeginn. „Teilweise waren wir schon um drei Uhr morgens am Set“, schmunzelt der sympathische Darsteller. Manchmal gehe er um diese Zeit erst ins Bett. Letztlich ging aber alles glatt und sogar gestandene Schauspieler wie Uwe Ochsenknecht zollten Respekt. Eine Hochachtung, die Rodic an Ochsenknecht zurückgibt. Seine Erkenntnis: Darsteller mit der beeindruckendsten Leistung haben am Set kaum Extrawünsche. So hätte „der Uwe“ (Ochsenknecht) in Drehpausen höchstens mal an einer Limonade genippt.

An einer Brause nippt Daniel Rodic seltener, schon gar nicht zum Sonntagsfrühstück, das er in seinem Kiez in Nähe des Boxhagener Platzes im Berliner Friedrichshain einnimmt. Müsli, Früchte und die Acai-Beere kommen auf den Tisch, dazu ein frisch gebrühter Kaffee, ist zu erfahren. Besucht er die Eltern in deren Creperia in Köln, darf es dagegen ein großer Eierkuchen mit Ziegenkäse sein. Hat er dort frei, kurvt Rodic mit seinem Motorrad durchs Rheinland. In Berlin gefallen ihm Friedrichshain und Prenzlauer Berg am besten, in Brandenburg Potsdam und die Seen ringsum. Er schwärmte aber auch schon über den Großen Teich aus. „Im letzten Jahr habe ich die US-Westküste erkundet, sah San Francisco, Los Angeles und Santa Monica. Reisen ist für mich immer wieder inspirierend“, schwärmt der Barde. „Jede Tour erweitert meinen Horizont.“ Komme er zurück in die Heimat, könne er diese noch mehr schätzen.

Dann mustert Rodic skeptisch Mülltonnen vorm Café im Prenzlauer Berg. Ob hier die Mülltrennung wohl klappt? Schließlich kommt er noch einmal auf seine Darstellung des „Müllmanns Tarik Büyüktürk“ zurück. Die beschreibt er als „eine tolle Erfahrung“. „Wir drehten in der echten BSR-Deponie Berlin-Zehlendorf sowie in deren Umfeld. Dort sah ich einen BSR-Mann, der für jeden Hund, der ihm auf seiner Tour begegnete, ein Leckerli bereithielt. Eine Seniorin wiederum stellte frühmorgens ihren Wecker nach der Tonnen-Abholung und versorgte die „Mülljungs“ mit Kaffee und Kuchen. „Dieses freundliche Miteinander imponierte mir sehr.“ Es waren Geschichten, die das Leben schreibt, lacht Rodic.

Dessen Resümee nach dem Dreh: Müllfahrer verdienen gut, weshalb man an die Jobs oft nur auf Empfehlung herankomme. Zum hohen Preis, den BSR-Bedienstete zahlten, gehöre das frühe Aufstehen. „Da wir am sehr frühen Morgen drehten, hatte ich manchmal nur eine Stunde Schlaf. Einmal ging es abends noch auf eine Gala“, blickt der Wahlberliner mit gespielt müden Augen zurück. Dabei sei er gar kein Typ für den roten Teppich, wie er sagt. Schauspieler, die sich ansonsten ganz normal verhielten, würden dort beim Posieren vor Kameras plötzlich zu Clowns. Das ist nicht unbedingt das Ding des Daniel Rodic. Der überzeugt lieber mit Leistung im Film. Der Wahl-Berliner mit serbischen Wurzeln beschreibt sich als offen und kommunikativ, was das Interview mit unserer Zeitung bestätigt. Nur in größerer Runde sei er die Ruhe selbst.

Das war früher anders: Daniel Rodic wuchs in der Nähe von Köln auf. Als er später auf der Schauspielschule in Hürth in Kontakt zur „musisch-kreativen Szene“ kam, habe ihn dies beeindruckt. „Ich entschied mich für den Schauspielberuf und habe es nicht bereut.“ Zu verdanken habe er dies u.a. seinem Bruder, der ihn für die Schauspielerei begeisterte.

Kürzlich musste sich der junge Filmakteur die ersten grauen Haare tönen, um einen 19-Jährigen glaubhaft zu verkörpern. Damit habe er überhaupt kein Problem, wie der Rheinländer betont. Ein Regisseur sprach ihm Mut zu: „Keine Sorge Daniel, das ist der George-Clooney-Effekt.“ Überhaupt ist Daniel Rodic vor der Zukunft nicht bange: „Ich habe das Leben lieb und umgekehrt ist es wohl genauso“, umschreibt der Mime seine positive Lebenseinstellung.

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