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Franz Dinda
Über die Telefonauskunft zum Filmjob

MOZ / 21.02.2019, 15:06 Uhr
Frankfurt (Oder) Von Jens Rümmler

Akkurat sitzende Uniformen, schneidige Marine-Mützen, verwegener Blick: So prangten Teile der Filmcrew aus „Das Boot“ kürzlich in ganz Berlin auf großen Werbepostern. Einer der den TV-Mehrteiler als „Oberleutnant zur See Ehrenberg“ entscheidend mitprägt, ist Schauspieler Franz Dinda. Beim Interview im Café; nur ein paar Gehminuten von der „Volksbühne“ entfernt, erkennt man den gebürtigen Thüringer kaum wieder: Mit Schal, Basecap und lässigem T-Shirt nippt er am Latte Macchiato.

Seit 15 Jahren sei er nun schon mit Hauptwohnsitz Berliner, wie Franz Dinda beiläufig erwähnt. Den Kiez zwischen Alexanderplatz und Torstraße mag er besonders. „Zu Hause bin ich aber im Prenzlauer Berg“, so der Mime, den man u.a. schon in „Tatort“, „Traumschiff“ sowie im Fernsehfilm „Honigfrauen“ sah. Derzeit ist er aber im Interview-Modus zu „Das Boot“, der in Deutschland zunächst im Bezahlfernsehen und im Internet lief. Der Achtteiler knüpft an den legendären Streifen von Wolfgang Petersen aus dem Jahr 1981 an. Eine ganz schöne Bürde, Herr Dinda, oder? „Dieser Aufgabe begegneten wir alle mit größtem Respekt. Ich hoffe, an der seriösen und zeitgemäßen Umsetzung spürt jeder, dass es für uns ein Herzensprojekt war.“

Im Vergleich zu „Das Boot“ von 1981 hat das Serien-Format mehr Dramatik, stärkere Frauen-Rollen, aber auch weniger Tiefgang. Mit Kosten in Höhe von rund 26 Millionen Euro war der Mehrteiler das teuerste europäische Serienprojekt des Vorjahres. Der Film erzählt die Geschichte einer jungen U-Boot-Besatzung auf Mission in feindlichen Gewässern und setzt ein Jahr nach den Ereignissen im alten Petersen-Streifen im Herbst 1942 ein.

Dem cineastischen Mammutprojekt von 2018 ging ein groß angelegtes Casting voraus. Franz Dinda setzte sich gegen etliche Schauspiel-Mitbewerber durch. Besonderes Lampenfieber oder gar Angst verspüre er bei diesen Auswahlverfahren aber nicht: „Auf mögliches Lampenfieber bezogen, finde ich Castings sogar besser als den eigentlichen Dreh. Man kann sich auf Castings nach Belieben vorbereiten und hat alle Zeit der Welt“, sagt der Familienvater. Am Set herrsche dagegen oft Zeitdruck. Zudem könne es zu kurzfristigen Änderungen im Drehbuch kommen.

Blickt man auf die beeindruckende Karriere von Franz Dinda, ist kaum zu glauben, dass ihm die Telefonauskunft zur ersten Rolle verhalf. „Ich lebte ja vor 20 Jahren in einem Dorf bei Stuttgart, kannte weder Agenturen noch Filmleute. Mein einziger Strohhalm war die Telefon-Auskunft. Internet steckte noch in den Kinderschuhen“, blickt der gefragte Darsteller zurück. Eine Agentur lud ihn tatsächlich ein. Seinen ersten Filmjob hatte er dann in der Werbung. „Das erste Mal vor der Kamera zu stehen, war für mich wie ein Oscar-Gewinn, wie ein erster Astronauten-Schritt auf dem Mond.“ Dinda schaffte das für ihn zuvor Unvorstellbare – mit noch nicht einmal 16 Lenzen. So etwas prägt fürs ganze Leben. Sich durchzufragen, davor habe er bis heute keine Scheu. „Die Türen gehen meist weit auf, wenn man Menschen offen und freundlich begegnet. Der Ton macht dabei bekanntlich die Musik“, so Dindas Erfahrung. Glaubwürdigkeit und Persönlichkeit hält der 35-Jährige für weitere wichtige „Zutaten“, um im Schauspieler-Beruf zu bestehen.

Berlin sei für ihn der ideale Wohnort, erklärt der Mime. Nicht nur, weil hier etliche Film-Unternehmen ihren Sitz haben. „Für mich ist Berlin das perfekte Gesamtpaket: Weltoffen und tolerant. Man kommt von hier aus überall hin und der Wohnraum ist im Vergleich zu anderen Metropolen noch bezahlbar“, findet Franz Dinda. Zu seinen liebsten Ecken zählt er in Berlin neben dem Prenzlauer Berg und Kreuzberg auch Wedding, Steglitz und Charlottenburg. Mit Bahn- und Verkehrschaos habe er sich arrangiert. Sein PKW befahre oft Schleichwege, ansonsten radelt Dinda durch die City. Sein „Sonntagsfrühstück“ findet in der geräumigen Wohnung im „Prenz‘lberg“ mit Frau, Tochter und Sohn statt. „Das zelebrieren wir und machen es uns richtig gemütlich. Auf den Tisch kommen Brötchen, Müsli und diverse Marmeladen.“

Doch auch ins Märkische schwärmt Franz Dinda oft aus – als Sondengänger! Mit einem Metalldetektor ausgerüstet, sucht er dann Münzen und holt seinen Worten nach „Geschichte aus dem Boden“. Aber auch historische Knöpfe haben es dem Schauspieler angetan. In Frankreich habe er mal einen Knopf mit filigran eingearbeitetem Jagdmotiv entdeckt. Als weiteres Hobby gibt der Filmkünstler Schmuckschmied an. Für alte Schreibstifte und Tintenfüller interessiere er sich aber auch. Langeweile ist für Franz Dinda offenbar ein Fremdwort. In Drehpausen schnappt er sich beispielsweise seinen Laptop und schreibt: Dinda ist auch Autor von Lyrikbänden, darunter sein „Bilder-Reimbuch über Liebe“, illustriert u.a. von Armin Mueller-Stahl. In Kreuzberg betreibt er zudem ein Atelier mit der Schau „Reim-Raum“. Als Workaholic würde er sich aber nicht bezeichnen. Der gebürtige Jenenser beschreibt sich als vielfach interessiert und als einen Künstler, der nicht nur auf einem „Spielfeld“ arbeiten möchte.

In seine alte Heimat Thüringen komme er heute nur noch selten. Ein halbes Jahr vor dem Mauerfall war Franz Dinda mit seiner Mutter aus der DDR in die BRD übergesiedelt. „Das geschah im Rahmen einer Familienzusammenführung“, erinnert sich der Mann, der heute zur ersten Schauspielergarde Deutschlands zählt. Beim Begleichen der Kaffeehaus-Rechnung berichtet er noch von seiner Lese-Leidenschaft sowie vom nun folgenden Gespräch mit einem Film-Produzenten, der ihn verpflichten will. Noch ein kurzer Handschlag und freundliche Worte. Danke für das angenehme Gespräch, Franz Dinda. Tschüs.

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