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Julia Dietze
Ein langer Atem und konstante Qualität zahlen sich immer aus

29.03.2019, 13:54 Uhr
Frankfurt (Oder) Von Jens Rümmler

Kläffende Hunde, die dazugehörigen Herrchen mit Goldkette, Döner-Bistros, Bars und Restaurants. Mittendrin staunende Touristen und die oben fahrende U-Bahn-Linie 1. Im Görlitzer Park gleich nebenan tummeln sich deutsche und türkische Kinder, bunte Vögel und schräge Typen. Die Polizei ist aber auch schon da. Hier im Kreuzberger Wrangelkiez stimmen die Klischees noch.

Doch viele Künstler schätzen die Gegend. Julia Dietze ist eine davon. Die bekannte Schauspielerin ("Fuck ju Göhte 3", "1 ½ Ritter", "Beck ist back") würde man hier nicht unbedingt vermuten. Doch ihr gefällt der bunte Mix der Leute, der morbide Charme mancher Häuser, die Metamorphosen des Bezirks und eben die Nähe zu vielen Schauspielkollegen. Daniel Brühl betreibt hier ein Restaurant. Heike Makatsch wurde auch schon gesichtet. "Das ist hier, wie in ganz Berlin: ein einziger bunter Zirkus. Jeder Kiez hat seinen Charme", lächelt Julia Dietze.

Wir treffen die Mimin in ihrem Stammcafé an der Wiener Straße. Einige Fliegen nerven die Künstlerin, doch der Tee schmeckt. Gerade kommt die charismatische Darstellerin aus dem Urlaub in Marseille, wo sie vor fast 38 Jahren geboren wurde. Im Winter geht’s dagegen meist nach Los Angeles, so die Weltenbummlerin. In den Vereinigten Staaten hat die gefragte Schauspielerin auch schon gedreht. Dietze darf man wohl getrost als Kosmopolit bezeichnen. "Ein wenig fühle ich mich wie eine Zigeunerin – immer unterwegs. Das bringt die Branche mit sich und ich möchte es auch gar nicht anders."

In eben dieser Branche ist die taffe Wahl-Berlinerin seit 18 Jahren erfolgreich. Ihr Leinwand-Debüt gab sie 2002 in "Fickende Fische". Den internationalen Durchbruch schaffte sie 2012 in der finnischen Komödie "Iron Sky". "2019 können sich Fans des Kultfilms auf die Fortsetzung in ‚Iron Sky – The Coming Race‘ freuen", so Julia Dietze, die zuletzt auch als Tänzerin im RTL-Format "Let‘s Dance" eine gute Figur machte. Im ersten Teil verkörperte sie die NS-Lehrerin Renate Richter. Die Darstellung einer Altersspanne vom 25. bis zum 85. Lebensjahr verlangte alles von der Schauspielerin ab.

Das begann schon bei Kostüm und Maske. Unglaubliche vier Stunden dauerte die Verwandlung, für die Julia Dietze ein spezielles Alters-Makeup erhielt. "Das war zwischen vier und 8 Uhr morgens", erinnert sich die Kreuzbergerin. Die imaginäre Vorstellung von Nebelschwaden habe ihre Augen für die Rolle resigniert und betrübt aussehen lassen, verrät die Akteurin einen Schauspielertrick. Ihre Filmtränen erzeuge sie durch eine zitternde Unterlippe, ist zu erfahren. Zur Vorbereitung auf den Streifen hielt sich Dietze den eigenen Worten nach zwei Monate in einem Altersheim auf, um die Körpersprache der Bewohner zu studieren. "Ich habe auch ältere Leute auf der Straße beobachtet, die sich sehr über meine Aufmerksamkeit freuten. Viele reagierten überrascht, da sie in unserer heutigen Gesellschaft leider oft übersehen werden. Das hat mich sehr berührt", so die umsichtige Leinwandgröße.

Welche Filme sie dreht, entscheide sie "nach dem Herzen, nicht nach der Höhe der Gage", erklärt die Frau, die mit Vater und Schwester in München aufwuchs. So habe sie schon flache Liebesfilme und auch Horrorfilme abgelehnt. "Ohne diese Selektion hätte ich spätere gute Rollen nie bekommen und mich bei den Dreh‘s auch nicht wohl gefühlt. Wenn ich für ein Projekt zusage, gebe ich immer 110 Prozent." Die Gefahr, bei Produzenten und Regisseuren in einer Film-Schublade zu landen, sei groß. Durch die Ablehnung von Rollenangeboten könne man allerdings auch mal ohne Job dastehen. Am Anfang ihrer Karriere hat Julia Dietze wie so viele ihrer Kolleginnen und Kollegen zwischendurch gekellnert.

"Ein langer Atem und konstante Qualität zahlen sich am Ende aber immer aus. Das ist meine Erfahrung der letzten 20 Jahre. Geht eine Tür zu, geht eine andere auf." Große Sicherheiten gebe es in ihrem Metier ohnehin nicht. Auch ihr Vater, der Illustrator und Maler Mathias Dietze, habe nie gewusst, welches Projekt als nächstes kommt.

Bewusst und gesund leben ist eine andere Maxime der wandlungsfähigen Künstlerin. Fitnessstudios meide sie. Dafür geht Julia Dietze regelmäßig zum Yoga. Seit ihrer Teilnahme bei "Let‘s Dance" tanzt sie wieder mehr. Ursprünglich wollte Julia Dietze mal Bühnentänzerin werden, was ein Snowboard-Unfall verhinderte. "Und ich liebe Waldspaziergänge, zum Beispiel in Brandenburg, aber auch in meiner alten Heimat Bayern." Im Märkischen ist sie ihren Worten nach gern in Potsdam, aber auch am Bernsteinsee in Ruhlsdorf und am Liepnitzsee unterwegs. In Berlin durchstreift Julia Dietze oft diverse Volksparks. Zum gesunden Leben gehört für die sympathische Mimin eine vegetarische Ernährung. "Ich mag beispielsweise Currygerichte, Fisch, Süßkartoffeln und Hülsenfrüchte." Zum "Sonntagsfrühstück" darf es gern ein schönes Rührei mit viel Pfeffer und Salz, Bircher-Müsli und ein Bananen-Smoothie sein. "Ein frisch gepresster Saft sollte ebenso nicht fehlen. Kaffee oder Tee trinke ich aber auch."

So gestärkt kann es – oft auch an Wochenenden – zum nächsten Dreh gehen. So stand Julia Dietze in diesem Jahr für den Film "Feierabendbier" vor der Kamera. Der Streifen, der gerade in den Kinos läuft, behandelt die Identitätskrise eines Barkeepers. An der Seite von Tilman Strauß mimt Julia Dietze die eigensinnige Künstlerin Vivian, die nach der Rückkehr aus New York ihre Sprunghaftigkeit in den Griff bekommen und mit dem konservativen Teil ihrer Lebens starten möchte. Dann begegnet sie dem lethargischen Barmann Magnus ... "Das Regiedebüt von Ben Brummer war ein unheimlich angenehmer Dreh. Es war aufreibend, aber schön. Ich fühlte mich ein bisschen wie eine Fernfahrerin auf der Überholspur." Julia Dietze war vier Wochen am Set. Gedreht wurde nachts in München. Kaffee, Cola und tagsüber viel Schlaf waren da für die attraktive Schauspielerin angesagt. Jeder Künstler brauche Druck, um Höchstleistung abrufen zu können, betont Julia Dietze. Sie habe ein gutes Gefühl, dass der sehr atmosphärische Film "Feierabendbier" beim Publikum ankommt.

Dann spazieren Künstlerin und Reporter nochmal am Görlitzer Park und an Restaurants vorbei. Die Darstellerin lobt dabei die "herzliche Hauptstadt-Gastronomie". Das Gespräch kommt kurz ins Stocken. Julia Dietzes Erfahrungen dürften nicht alle Besucher hiesiger Lokale teilen. Doch die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden.

"Iron Sky 2" mit Julia Dietze feierte am 16.1.2019 Premiere in Finnland und ist ab dem 21.3.2019 in den deutschen Kinos zu sehen.

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