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Hans-Jochen Wagner
"Big Manni" macht Big Money!

MOZ / 06.05.2019, 18:33 Uhr
Frankfurt (Oder) Von Jens Rümmler

Die Betrugsmasche der Firma FlowTex war einer der größten Wirtschaftsskandale im wiedervereinten Deutschland. Um rund vier Millarden D-Mark prellte Firmenboss Manfred Schmider durch Täuschung seine Auftraggeber bzw. Staat und Steuerzahler. Dabei ging es um die Vermietung von Maschinen für Bohrsysteme. Vermietet wurde aber meist nur auf dem Papier. Von etwa 3000 bilanzierten Bohrsystemen gab es in Wirklichkeit keine 270.

Doch das Geld aus Krediten floss trotzdem, was Manfred Schmider ein Leben auf großem Fuß ermöglichte. Mit Gattin und zwei Kindern bewohnte er ein pompöses Anwesen in Karlsruhe sowie Villen auf dem ganzen Globus. Politik und Finanzwelt hofierten den Unternehmer, der zum Sponsor des badischen Kulturlebens aufstieg. Im Jahr 2000 flog der Schwindel auf. Schmider wurde verhaftet und saß elf Jahre im Gefängnis.

Jetzt kam der Fall als bittere Realsatire "Big Manni" ins deutsche Fernsehen. Ausstrahlung war in der ARD am 1. Mai zu besten Sendezeit um 20.15 Uhr. Der Film ist jetzt noch in der Mediathek zu sehen.

Schauspielstar Hans-Jochen Wagner mimt in der Filmfigur Manfred Brenner den echten badischen Gauner Schmider. Der Märkische Sonntag traf sich mit dem Darsteller in Berlin zum Frühstück. Kaffee ist dabei ganz wichtig, wie der gebürtige Tübinger gleich betont. "Daheim stehe ich gegen 7.30 Uhr auf und koche eine Riesenkanne Kaffee. Dazu höre ich Deutschlandfunk – den Sender hole ich mir übrigens auch im Ausland über eine App." Essen scheint frühmorgens dagegen zweitrangig zu sein. Entweder stehen Vollkornbrot, Reiswaffeln oder Müsli auf dem Tisch, zählt Wagner auf. "Frühaufsteher bin ich von Hause aus nicht. Aber seit der Geburt meines Sohnes vor drei Jahren kann ich mir Ausschlafen knicken", sagt der Wahl-Berliner.

Doch zurück zur unglaublichen Story des Betrügers Manfred Schmider, die Hans-Jochen Wagner noch in Erinnerung hatte. Die Details für seine Hauptrolle in "Big Manni" musste er sich freilich erst anlesen. "Schmider muss ein sehr einnehmender, überzeugender und auch manipulativer Charakter gewesen sein. Sonst wären nicht so viele mächtige Leute mit auf seinen Geisterzug gesprungen, teils auch gegen besseres Wissen", mutmaßt Wagner. Regisseur Niki Stein habe sich mit Manfred Schmider an dessen heutigen Wohnort auf Mallorca getroffen. Stein erklärte nach dem Gespräch schmunzelnd, er hätte Manfred Schmider jeden Gebrauchtwagen abgekauft.

Derartige Filmstoffe mit realem Hintergrund bringen Darstellern fast immer einen Mehrwert an Wissen, erklärt der Mime. "So ein Dreh hat auch immer etwas mit Horizonterweiterung zu tun, weil man sich für die Rolle mit der Materie befassen muss." Das Drehbuch erhielt Hans-Jochen Wagner den eigenen Worten nach erst ein Vierteljahr vorm Start des Projekts. Heute sei das ganz normal, ist vom Darsteller zu erfahren. Die Branche habe in den letzten Jahren eine deutliche Beschleunigung erfahren, was letztlich Spiegelbild der heutigen Arbeitswelt sei. Der 90-minütige Streifen "Big Manni" wurde laut Wagner in nicht einmal 25 Tagen gedreht!

Arbeitsort war dabei auch ein Original-Schauplatz, die Ex-Villa Manfred Schmiders auf dem Turmberg über Karlsruhe. "Diese Atmosphäre haben wir beim Drehen natürlich aufgenommen. Durch den protzigen Bau, der Reichtum zur Schau stellt, war das Sonnenkönig-mäßige Gebaren des früheren Geschäftsmannes förmlich greifbar", so Hans-Jochen Wagner. Der wurde vor Ort von vielen Menschen angesprochen, die mit dem FlowTex-Chef zu tun hatten. "Das waren vor allem frühere Mitarbeiter. Einer sagte mir, er hätte in der Firma die beste Zeit seines Lebens erlebt." Da war aber auch die Kundin eines Kaufhauses in Baden-Baden, der ein fast schon eingepackter Pelzmantel von Schmiders Gattin förmlich vor der Nase "weggekauft" wurde, war von der Filmcrew zu hören. Wagner: "Sie liebten und sie hassten ihn. Am Ende waren aber alle froh, dass er erwischt wurde."

Wie "Big Manni" mit seiner Masche durchkommen konnte, scheint heute ein Rätsel: "Offensichtlich führte sein zur Schau gestellter Reichtum dazu, dass bei vielen in seiner Nähe, nicht zuletzt bei Banken, eine große Gier geweckt wurde. Alle wollten teilhaben an diesem Wunder und auch die Taschen füllen. Und wenn eine Bank erstmal einige Millionen investiert hat, dann glaubt sie auch verzweifelt an den Erfolg. Alles andere wäre ja eine Katastrophe", beschreibt Hans-Jochen Wagner seine Sicht auf den Fall.

Seit mehr als 25 Jahren lebt der frühere Student an der Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" Berlin in der Hauptstadt. "Ich liebe diese facettenreiche Stadt, in der ich meine Freunde habe und von der ich wohl nie mehr loskomme. Berlin ist mein Ankerplatz geworden." 1993 bezog der gefragte Schauspieler zunächst eine Wohnung im Prenzlauer Berg, 2003 gings nach Kreuzberg. "Wir haben hier trotz der Stadtlage viel Grün, Kanäle, Parks und Seen. Ich mag auch die Weitläufigkeit Berlins", schwärmt der 50-Jährige von der City. Berlin sei insgesamt nicht so eng wie Paris oder andere Metropolen.

Brandenburg komplettiere das Lebensumfeld im weiteren Sinne. Liepnitzsee und Schwielowsee bei Potsdam steuert der TV-Hauptkommissar Friedemann Berg aus dem ARD-"Tatort" eigenen Aussagen nach gerne an. Im Spreewald hat er sich sogar ein eigenes Grundstück zugelegt. Darauf geht Hans-Jochen Wagner aber nicht so genau ein. Privat ist schließlich privat. Von Vorteil sei, dass er von Berlin aus viele schöne märkische Ziele schnell erreichen kann. "Das ist auch der einzige Grund, warum ich noch ein Auto habe", lacht der gebürtige Schwabe.

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