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Wlada Kolosowa
"Literatur ist wie träumen im wahren Leben"

18.09.2019, 15:49 Uhr - Aktualisiert 22.10.2019, 13:18
Frankfurt (Oder) Von Jens Rümmler

Ein Roman, etliche Kurzgeschichten sowie Zeitungsreportagen für renommierte Blätter. Dazu längere Aufenthalte in Brasilien und den Vereinigten Staaten: Wlada Kolosowa hat mit 32 Jahren schon einiges erlebt, gesehen und geschrieben: Die Schriftstellerin balanciert dabei zwischen Interviews mit außergewöhnlichen Menschen sowie den fiktiven Storys für ihre Bücher. Doch in den letzten Monaten wurde die gebürtige Russin in Berliner und Brandenburger Medien selbst zum gefragten Interviewgast. Aufhänger dafür war ihr Spreewald-Literatur-Stipendium mit einem vierwöchigen Aufenthalt im Nobelhotel "Bleiche" in Burg. Vergeben wurde das Stipendium von der Spreewälder Kulturstiftung. Im Südbrandenburgischen begann Wlada Kolosowa daraufhin nicht nur die Arbeit an ihrem zweiten Buch. In Burg las sie auch aus ihrem Debütroman "Fliegende Hunde".

"Ich hatte vier wirklich tolle Lesungen, traf Schriftsteller und Schauspieler, vor allem aber viele Märker", blick Wlada Kolosowa zurück. Nachdem sie der Luxus des Hotels zunächst schwer beeindruckte, gewöhnte sich die Autorin den eigenen Worten nach schnell ans elegante Umfeld. "Ich schwamm im Hotelpool, joggte und fuhr mit einem Spreewaldkahn. Vor allem aber widmete ich mich meinem neuen Buch", so die Schreiberin. Bei ihr komme es immer darauf an, sich an den Schreibtisch zu zwingen. Dann bleibe sie so lange sitzen, bis die Ideen sprudeln, schmunzelt die Wahlberlinerin. Letztlich sei ein Buch aber meist ein Extrakt aus mehreren Jahren harter Arbeit, erklärt die kleine zierliche Frau, die auch den Samowar (russischer Heißwasseraufbereiter für Tee) ihrer exquisiten Herberge schätzte.

Zum beliebten Ausflugsort Burg im Spreewald hat Wlada Kolosowa aber noch einen ganz anderen Bezug. "Als wir Ende der 90er Jahre aus Russland nach Deutschland übersiedelten und zunächst in Cottbus lebten, ging unser erster Ausflug nach Burg." Den Spreewald noch in guter Erinnerung, bewarb sich Wlada Kolosowa, als sie vom Literaturstipendium hörte.

Ihr Start in Deutschland sei einst nicht leicht gewesen. "Als wir hier ankamen, war ich zwölf Jahre alt und zuvor überhaupt nur einmal im Ausland, in Finnland", erinnert sich Kolosowa. Ihren Namen fand sie plötzlich nicht mehr so klasse, weil er ihre nichtdeutsche Herkunft verriet. "Zu dieser Zeit hätte ich am liebsten einen möglichst durchschnittlichen deutschen Vor- und Nachnamen gehabt. Ich habe mir sogar Listen mit Dingen gemacht, die ich damals für deutsch hielt: Müsli essen, ‚Wetten dass‘ gucken, einen Schrebergarten haben. All diese Punkte wollte ich dann abarbeiten", lächelt die in St. Petersburg geborene Frau.

Ihr Interesse am Schreiben habe sie schon als Kind bemerkt, als sie u.a. eine Familienzeitung kreierte, Märchen umschrieb und sich ihre eigene Welt zusammensponn. "Ich schrieb mir das Leben einfach schön, genau so, wie ich es mochte." Bereits mit 15 Jahren textete sie in der Cottbusser Literaturwerkstatt für das erste kleine Büchlein mit dem Titel "Wlada". "Das erschien in einer Auflage von 40 Exemplaren, die ich zum Stückpreis von vier Euro auch komplett verkaufte." Nach dem Abi studierte Wlada Kolosowa Kommunikationswissenschaften und Psychologie an der Freien Universität Berlin. Schon damals arbeitete sie als freie Journalistin parallel für "Süddeutsche Zeitung", "Zeit" und "Spiegel online".

Dass sie auch einmal Bücher schreiben will, stand da längst fest, wie im Gespräch im Friedrichshainer Café zu erfahren ist. Denn: "Literatur ist für mich wie träumen im wahren Leben", gibt die Wahl-Berlinerin ihre Ansicht vom Romanschreiben wieder. In den folgenden Jahren besuchte sie eine Journalistenschule sowie Kurse für "Kreatives Schreiben" in Washington DC und New York. Anschließend zog es Wlada Kolosowa in ihre frühere Heimat, u.a. auch ans Schwarze Meer, an den Baikalsee sowie nach St. Petersburg. Ein Ergebnis der Tour war ihr Buch "Russland To Go" (Goldstein Verlag), in dem sie sich mit ihrem Geburtsland auseinandersetzt. "Das Ganze war eine Reise zum eigenen Ich und auch die Suche nach meinen Wurzeln."

Schon seit einigen Jahren lebt Wlada Kolosowa im quirligen Kiez unweit vom Görlitzer Park in Berlin-Kreuzberg. Hier steigt auch ihr Sonntagsfrühstück, das sie sich zusammen mit ihrem aus Spanien stammenden Ehemann schmecken lässt. "Es gibt fast immer Rührei sowie Chorizo, die spanische Salami." Je später das Morgenmahl starte, desto herzhafter falle es aus. Danach gehts mit dem Hund, einem Jack Russel, raus an die frische Luft. Um die zwei Stunden ist die Buchautorin den eigenen Worten nach mit ihrem Vierbeiner draußen. Oft rund um den "Görli", den Görlitzer Park. Zu ihren Berliner Lieblingsorten zählt Wlada Kolosowa auch den Volkspark Friedrichshain und das Kino International an der Berliner Karl-Marx-Allee. Hier in der Nähe habe sie eine Zeit lang gewohnt.

Ins Märkische zieht es die Schriftstellerin offenbar nicht so häufig. Einen "Naturcampingplatz am Grubensee bei Storkow" nennt sie auf Nachfrage als Ausflugsziel. Die Tour vom S-Bahnhof Bernau zum Liepnitzsee radelte sie auch schon. "Das ist eine wunderschöne Ecke", beteuert Wlada Kolosowa. Brandenburg verbinde sie aber eher mit dem Spreewald.

Dann wechselt das Thema und es ist von Brasilien die Rede. Die Autorin wird noch einmal gesprächiger. Einige Zeit lebte sie in Sao Paulo und bereiste den traumhaft schönen Küstenabschnitt Costa Verde. Brasilianer und Russen würden sich von Temperament und Mentalität her sehr ähneln, lächelt Kolosowa. Zwischen Brandenburgern und Russen könne sie diese Parallele eher nicht ziehen.

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