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Dirk Darmstaedter
Wir feiern uns jetzt nur noch selbst

10.10.2019, 12:58 Uhr - Aktualisiert 10.10.2019, 13:21
Frankfurt (Oder) Von Jens Rümmler

Mit "Brand new toy" schaffte die Band The Jeremy Days 1988 den internationalen Durchbruch. Ihre Hits spielten Radiosender fortan auf dem ganzen Globus. Einst eröffneten sie die Musikmesse Popkomm, tourten durch ganz Europa und nahmen ihr Album "Speakeasy" in New York auf: die Musiker gehörten in den 80er und 90er Jahren zu den ganz Großen der Szene.

"Es war für uns wie ein achtjähriger Flug zur Sonne, der 1996 mit der Auflösung der Band endete", drückt es Sänger Dirk Darmstaedter etwas pathetisch aus. Womit weder Fans noch Kritiker rechneten, passierte 2019: das Comeback der The Jeremy Days! "Seit der Bandauflösung haben wir uns vielleicht dreimal gesehen und dann immer zu uns selbst und Reportern gesagt: Die Band kommt nie mehr zurück", so der alte und neue Frontmann der The Jeremy Days. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Nachdem Veranstalter immer wieder anfragten, ob man zum 30. Jahrestag der Band-Gründung nicht doch "etwas machen" könne, trafen sich die fünf Barden schließlich im Hamburger Tonstudio. "Die Chemie stimmte sofort. Das hatte fast etwas Magisches", erinnert sich Dirk Darmstaedter.

Seit dem umjubelten Comebackkonzert im Januar 2019 ist die Gruppe wieder in aller Munde. Ab November 2019 sind die Vollblutmusiker deutschlandweit live zu erleben. Am 23.11. spielen sie im Berliner "Lido". Für Konzertbesucher gibt es dann alte Hits und neue Songs "auf die Ohren", ist vom Management zu erfahren.

Apropos Berlin – diese Stadt liegt Dirk Darmstaedter sehr am Herzen, wie er im Interview betont. Seit einer gefühlten Ewigkeit komme er hierher, auch schon ins alte Westberlin vor dem Mauerfall 1989. "Natürlich war und bin ich oft wegen der Musik da. Heute finde ich besonders Berlin-Mitte spannend", sagt der 54-Jährige. Mitte biete einen tollen Mix aus Szene, Kultur und Weltstadt. "Potsdam liebe ich aber genauso. Die Landeshauptstadt hat ein ungeheures Flair. Die lässige Atmosphäre gefällt mir. Das ist ein echter Wohlfühlort."

Mit dem Projekt "Club der toten Dichter" war Darmstaedter den eigenen Worten nach im gesamten Osten unterwegs. "Wir spielten um die 85 Konzerte und ich kam an Orte und in Städte, von denen ich vorher noch nie etwas hörte. Schade, dass ich nie wieder dort war", bedauert der gebürtige Hamburger. Auf die Frage nach ihm bekannten Ostbands kann er aus dem Stand Puhdys und Rockhaus nennen.

Noch viel mehr kann er aber zur eigenen Solokarriere sagen, der er kürzlich mit seinem zehnten Soloalbum "Strange Companions" das I-Tüpfelchen aufsetzte. Die neue CD entstand auf eher unkonventionelle Art und Weise. Darmstaedter produzierte sie nicht in einem Ritt im Studio, sondern nahm jeden Monat jeweils einen Song auf, den er auch sofort produzierte und digital veröffentlichte. "Das habe ich 16 Monate lang gemacht und am Ende Titel ausgewählt", sagt der Hamburger über das ganze Gegenteil eines geplanten Konzeptalbums. "Mir ging es nicht darum, den Fundus für ein Album zu schaffen, sondern nur um jeweils diesen einen Song, den ich gerade am Wickel hatte."

Besonderen Druck habe er beim Einspielen des Jubiläumsalbums nicht verspürt. "Was für ein Druck? Das Leben ist viel zu kurz für solchen Quatsch." Da halte er es als Solokünstler wie mit seiner Band: "Wir feiern uns jetzt nur noch selbst!" Sein Herz hänge in Zeiten von Spotify und Youtube noch immer an CD bzw. Schallplatte. "Ich bin da noch aus einer anderen Generation, halte gern das Produkt mit schöner Coverhülle in der Hand", so der Norddeutsche.

Den ersten Song seiner neuesten Silberscheibe - "Wilhelmsburg" - widmete er dem gleichnamigen Hamburger Stadtteil, der ihm in der Metropole am nähesten steht. Wilhelmsburg sei Idylle und Stadt in einem, ein eigener Kosmos sozusagen. Das werde ihm immer klar, wenn er unterwegs ist. "Kürzlich in Lissabon war das wieder so, als ich richtig Heimweh bekam." Ganz klar, dass das Sonntagsfrühstück des Künstlers im Hamburger Süden stattfindet. Ein irisches Porridge mit Früchten darf dabei nicht fehlen. Die bevorzugte Sorte lässt sich Dirk Darmstaedter schicken, da sie in seiner Wohngegend nicht zu bekommen ist, berichtet der Musiker.

Nach dem Morgenmahl geht’s mit dem Hund raus zu ausgedehnten Spaziergängen. "Zwei bis drei Stunden laufe ich täglich. Das hält Körper und Geist gesund. Beim Walken kommen mir sowieso die besten Ideen, da passieren im Gehirn viele gute Sachen." Geistesblitze und Ideen spricht Dirk Darmstaedter meist gleich in sein iPhone. Joggen komme schon deshalb nicht in Frage, schmunzelt er. Hobbys außerhalb der Musik habe er im Grunde genommen keine. "Höchstens man zählt mein Interesse an Dokumentationen über Musik dazu", lächelt der schlanke Mann, der auch schon Radiosendungen moderierte.

Der Sänger hatte von 2002 bis 2014 sogar mal ein eigenes Musiklabel: "tapete records" entwickelte sich schnell zu einem der wichtigsten Independent-Label Deutschlands. Bereits nach fünf Jahren betreute Dirk Darmstaedter mit einem Kollegen 30 Künstler, die auf etwa einhundert Alben rund 1000 Lieder produzierten. Man entdeckte so u.a. Bands wie "tele" und "Erdmöbel", die bald darauf zu Major-Labels wechselten.

Dann muss der "Jeremy Days"-Sänger weiter. Das nächste Interview seiner Promotion-Tour zur neuen CD steht im Terminkalender. Es geht zum Deutschlandfunk nach Berlin-Schöneberg

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