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Wolfgang Ziegler
Verdammt sympathischer Typ mit Händchen für Hits

13.11.2019, 16:55 Uhr
Frankfurt (Oder) Von Jens Rümmler

Kaum hat der Reporter sein Auto eingeparkt, steht Wolfgang Ziegler schon am Tor seines großen Grundstücks in Berlin-Kaulsdorf. "Guten Morgen, Herr Journalist", ruft der Pop-Promi, der schon am frühen Vormittag ein paar coole Sprüche drauf hat. Seit mehr als 30 Jahren lebt Wolfgang Ziegler im grünen Teil von Marzahn-Hellersdorf. Abgesehen von Frank Schöbel, der ein paar Autominuten weiter südlich in Mahlsdorf wohnt, dürfte Ziegler der größte Promi im Revier sein. Hier schuf sich der Star ein Refugium, in dem er an neuen Songs tüftelt und nach Auftritten die Akkus auflädt.

Mit der Gruppe WIR gab er in der Sowjetunion einst bis zu drei Konzerte am Tag. Wolfgang Ziegler wurde aber auch im "Kessel Buntes" gefeiert und landete 1987 mit "Verdammt" einen der größten DDR-Hits. Bis heute darf der Ohrwurm in keiner Après-Ski-Partyhütte und keiner Disko fehlen. "Das war damals mein zweiter Song als Solist überhaupt. Dass der so durch die Decke geht und bis heute wirkt, als wäre er gerade erst produziert, hätte ich nie gedacht", erinnert sich der Musiker.

Was viele nicht wissen: Der Text von "Verdammt" stammt von Radiolegende Gregor Rottschalk. In der DDR kam Wolfgang Ziegler damit nur durch, weil der frühere RIAS-Mann unter dem Pseudonym Christian Heilburg textete. Von Ziegler selbst stammt die Komposition. Und nicht nur die. Auch die Musik zum Kinderfilm "Die Reise nach Sundevit" schrieb er 1966 (zusammen mit Karl-Ernst Sasse).

Hits wie "Gartenparty", "Uralt" und "Verdammt" zu landen, ist das Eine. Diesen Erfolg über Jahre zu halten, nochmal eine ganz andere Sache. In den letzten Monaten feierte Wolfgang Ziegler mit seinem aktuellen Album "Verdammt zum Glück" neue Triumphe. Die Auskopplungen "Zum Glück" und "Wir feiern dieses Leben" laufen nicht nur im Radio gut. Eingängige Sounds und kernige Texte geben Zieglers Lebensgefühl authentisch wieder. Sieben Monate dauerte die CD-Produktion. "Ein durchweg geiles Album hinzulegen, das allen gefällt, ist schwierig. Aber zwei, drei richtig gute Songs sollten dabei sein. Dann kannst du in der 1. Liga mitspielen", so der Kaulsdorfer. Der lässt im Interview keine Zweifel aufkommen, dass er sich zu dieser "1. Liga" zählt.

Doch seine Hits fielen nie vom Himmel. "Aus dem Ärmel schüttele ich das jedenfalls nicht", betont Ziegler, der einst Gesang und Komposition studierte. Die Kunst, ein gutes Autorenteam um sich zu scharen, neue Ideen aufzugreifen und sich dennoch treu zu bleiben, scheint der gebürtige Rostocker perfekt zu beherrschen. Hinter Zieglers Leichtigkeit auf der Bühne steckt offenbar viel Fleiß und Disziplin. Routine auf der Bühne? Nicht mit Wolfgang Ziegler. "Ich hinterfrage mich nach jedem Auftritt. Das sind für mich keine Selbstläufer. Jedes Konzert ist eine neue Herausforderung mit Bauchkribbeln und Aufregung. Ob vor 2000 oder 200 Leuten – ich gebe immer alles!"

Meist steht der Sänger eine Stunde auf der Bühne: wohlgemerkt mit neuen Songs, nicht nur mit Oldies. "Verdammt" muss er natürlich immer singen. Zu Glücksmomenten zähle, wenn er auf Konzerten Paaren sichtbar den Sound ihrer Liebe liefert.

Natürlich ging nicht immer alles glatt. So hielt Wolfgang Ziegler im "Kessel Buntes" mal einen Kamm statt einem Mikrofon in der Hand. Vor seinem Auftritt richtete sich der Künstler eigenen Worten nach die Haare, vergaß dann aber in der Aufregung, Kamm gegen Mikro zu tauschen.

Wolfgang Ziegler kann über diese Episoden herzhaft lachen. Er ist ein Künstler, der seine Arbeit, aber nicht sich selbst zu ernst nimmt. Sitzt man dem Wahlberliner gegenüber, kann man kaum glauben, dass er schon Mitte 70 sein soll. Doch auf der Geburtsurkunde ist tatsächlich das Jahr 1943 eingetragen. Gute Gene und der Luxus, meist ausschlafen zu können, nennt der Promi als mögliche Gründe für seine erstaunliche Vitalität.

Ursprünglich hat der Sänger und Produzent mal Motorenbauer gelernt, ein Job, den er nach der Lehre nie ausübte. "Eigentlich wollte ich Schauspieler werden, scheiterte aber immer am Improvisieren einzelner Szenen. Im Nachhinein bin ich froh darüber", schmunzelt der frühere WIR-Frontmann. Mit seiner ersten Band Baltics war er im Norden der DDR schnell eine große Nummer. Als er 1972 mit Berufskollege und Texter Jens Gerlach die Gruppe WIR gründet, kommt die Karriere so richtig in Fahrt. Eine Konsequenz ist der Umzug nach Berlin, wo Rundfunk, Fernsehen und das Plattenlabel AMIGA firmieren. "Und hier hatte ich am Anfang wirklich nichts – außer einer mickrigen Wohnung mit Blick zum Hinterhof."

Nach der Trennung von WIR schafft er 1986 mit "Du fehlst mir sehr" gleich den Sprung in die Hitparaden. Sein Song "Verdammt" macht ihn ein Jahr später nicht nur im Osten zum Star. Der Hit öffnet ihm auch Türen in den Westen. Das hilft Wolfgang Ziegler später, die für Ost-Unterhaltungskünstler harte Wendezeit zu überstehen. "Ich hatte nie Zweifel, dass ich als Sänger weitermache. Das stand überhaupt nie zur Debatte."

Heute kann der Künstler die Zügel auch mal locker lassen - am liebsten im grünen Osten der Hauptstadt. "Ich fühle mich wirklich wohl in Berlin, schwärme aber auch ins Märkische aus, gern in östliche Richtung." Der Ostseeküste fühlt sich der Sänger nach wie vor verbunden. Neben Rostock peilt er gern den Darß an. Seine große Liebe gehört allerdings Mallorca, wo er regelmäßig Mittelmeerklima und die Leichtigkeit des Seins genießt.

Apropos Liebe: Da gibt es zum Schluss noch eine traurige Nachricht für alle Frauen unter den Fans. Denn seit über 30 Jahren ist Wolfgang Ziegler mit seiner bildschönen Frau Jeanette zusammen. Irgendwelche Amouren waren seitdem passé, wie der Barde schwört. "Ich hätte unsere Liebe nie für ein Abenteuer aufs Spiel gesetzt." Ein Liebesbekenntnis, das zu diesem verdammt sympathischen Typ passt.

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