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Janna Hagedorn
40 und auf dem Sonnendeck des Lebens

30.12.2019, 16:44 Uhr
Frankfurt (Oder) Von Jens Rümmler

Falten, Hüftspeck, graue Haare und fitter war man auch schon mal: Für manchen scheint das Leben jenseits der 40 kein Zuckerschlecken zu sein. Andere wiederum starten zu Abenteuern, nutzen Lebenserfahrung und neue Chancen. Janna Hagedorn zählt zweifelsohne zu den Optimisten und Abenteurern. In ihrem Buch "Geburtstage sind noch lange kein Grund älter zu werden (dafür schlauer, schöner und charmanter)" (Eden Books) betrachtet sie das Thema aus der Frauenperspektive. Die taffe Hamburgerin weiß, wovon sie spricht. In Kürze feiert sie ihr 50. Wiegenfest. Wie es sich jenseits der 40 anfühlt, weiß sie also schon ein paar Jährchen.

Auch heute verstünden viele Frauen die 40 als tiefen Einschnitt, so das Rechercheergebnis der kurzweiligen Lektüre. Eigene Geburtstage verschweigen "Ü-40"igerinnen oftmals, statt rauschende Feste zu feiern. "Was für ein großer Quatsch", findet Janna Hagedorn. "Mit 40 geht es doch erst richtig los", lacht die zweifache Mutter, die zum anstehenden 50. schon mal den DJ gebucht hat. Seit Jahren schon verspüre sie keinen Druck mehr, ausufernde Feten organisieren zu müssen. Dasselbe gelte auch für ständig wechselnde Diäten und Selbstoptimierungswahn. Angst vorm Altern hatte sie ohnehin nie, betont die Norddeutsche. "Es gab höchstens Befürchtungen zur Dynamik des Daseins. In meinen Zwanzigern zog ich fast im Jahresrhythmus um, habe mehrfach meinen Beziehungsstatus geändert und zweimal meine Berufsrichtung."

In ihrem amüsanten Buch lässt Janna Hagedorn Damen jenseits der 40, aber auch Expertinnen zu Wort kommen. Die Journalistin zeigt neue Perspektiven, die Frauen (aber wohl auch Männer) erst auf dem "Sonnenplateau des Lebens" genießen können. Sie sprach u.a. mit einer Hebamme, die mit 42 doch noch Mutter wurde, nachdem sie hunderte von Frauen bei Geburten begleitete. Da ist aber auch die Stewardess, die mit Mitte 40 noch eine Handelsfirma für Küchenutensilien gründete oder die 48-jährige Unternehmensberaterin, die Dudelsackspielen lernte.

Janna Hagedorn selbst erfüllte sich in den letzten Jahren, aber auch schon davor, einige ihrer Träume. Dazu zählt sie Bücherschreiben und die Gründung einer Familie. Sehnsucht nach dem "Zwanzigsein" verspüre sie kein bisschen. "Nochmal von vorn leben, wenn ich könnte? Lieber nicht." Die Jugend sei zwar prickelnd und aufregend, jedoch auch mit ständiger Unsicherheit verbunden. Fragen wie, was denken andere über mich, was kann ich gut und wo gehöre ich hin, sind entweder beantwortet oder einfach egal!

Die Idee zum Buch resultierte übrigens aus Janna Hagedorns früherem "40-something-blog", den sie mit zwei Kolleginnen betrieb sowie aus eigenen Magazin-Artikeln zum Thema: "Irgendwann hatte ich das Gefühl, ich sitze auf einem Schatz an Begegnungen, Interviews und Recherchen, die ein eigenes Buch verdient haben."

Das "Sonntagsfrühstück" der freien Autorin steigt meist zu Hause in der Hamburger City. Der perfekte Sonntag starte so: "Mein zehnjähriger Sohn, die einzige Lerche in einer Eulenfamilie, wacht mal wieder als Erster auf und geht Brötchen kaufen. Die gibt’s dann später für alle und von allem reichlich drauf: Serranoschinken ist wichtig, leckerer Käse, selbstgemachte Marmelade von meiner Mutter, dazu Obst und Joghurt." Manchmal überredet die Familie die Schreiberin aber auch zu einem "english breakfast" mit Schinken und Eiern, gebackenen Bohnen und Toast. Im Sommer geht’s nach dem Morgenmahl ins Schwimmbad, im Winter mit Schlittschuhen auf die Eisbahn. "Ich liebe es aber auch, den Sonntagnachmittag mit einer dicken Zeitung im Café zu verbringen und sie von vorn bis hinten durchzulesen – na gut: außer dem Sportteil", erklärt Hagedorn mit Augenzwinkern.

Beim Thema Hobby grübelt sie kurz: "Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich meine Hobbys – also lesen, schreiben, auf Bühnen stehen – schon vor langer Zeit zu meinem Beruf gemacht habe. Von daher habe ich kein Hobby im engeren Sinn und vermisse es auch nicht. Außerdem habe ich eine dramatische Minderbegabung für alles, was mit "Do-it-yourself" zu tun hat: Stricken, Gartenarbeit und ich werden in diesem Leben keine Freunde mehr."

Wenn aber eine Stadt für sich Hobby sein könnte, wäre es bei Janna Hagedorn mit Sicherheit Hamburg. "Ich schätze hier Vielfalt, Weltoffenheit und Buntheit. Ich lebe gern in einer Stadt, in der jedes zweite Kind einen Migrationshintergrund hat, in der alle paar Kilometer eine ganz neue Welt beginnt: vom italienisch anmutenden Blankenese übers dörflich-alternative Ottensen bis nach Wilhelmsburg mit seinen innovativen Architekturprojekten." Die Industrieromantik am Hafen, das viele Grün sowie Stürme, die jeden Schirm binnen Sekunden klein kriegen, hat die Buchautorin den eigenen Worten danach aber auch ins Herz geschlossen.

Im Osten Deutschlands ist die Hansestädterin dagegen nicht so oft unterwegs, wie sie einräumt. Allerdings sei sie mal "schwer verliebt" in einen Eisenhüttenstädter gewesen. "Aber das war 1997 und ist verjährt. So lang und so weit ging die Liebe damals nicht, dass er mir seine Heimatstadt gezeigt hätte." Dafür schipperte Janna Hagedorn ganz in Familie vor drei Jahren mit einem Hausboot durch Mecklenburg-Vorpommern und streifte dabei auch Brandenburg. "Das habe ich in schönster Erinnerung."

Über das Leben nach dem 50. Geburtstag will sie lieber noch nichts sagen. "Dafür bin ich ja noch keine Expertin. Aber um mich herum erlebe ich viele Frauen und Männer, die auch mit 50 und später mit Verve größere Veränderungen angehen. Wie wär es, wenn Sie mich in zehn Jahren nochmal fragen?" Die nächsten Jahre – da ist die Hamburgerin ganz sicher – halten nach der "Haupt-Familienphase" weitere Abenteuer und noch mehr Flexibilität bereit. Da komme noch ganz viel. Janna Hagedorns vorläufiges Fazit: "Irgendwann ist die längste Partynacht vorbei und der Club zu. Wäre es nicht schön, wenn wir dann in der Morgensonne lachend am Kantstein sitzen, Nasenfalten vergleich und so richtig einen losmachen? Platz dafür ist ja genug und Älterwerden in erster Linie eins: eine große Freiheit!" Martina Navratilova hat es vor Jahren mal so formuliert: "Alter spielt sich nicht auf der Geburtsurkunde, sondern im Kopf ab."

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