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Nicolas Bogislav von Lettow-Vorbeck
Das Krokodil im Flugzeug: Überlebenstipps für unterwegs

09.01.2020, 15:19 Uhr
Von Jens Rümmler

Nicolas Bogislav von Lettow-Vorbeck, was für ein Name. Komiker Eberhard Cohrs hätte zu Lebzeiten gescherzt: "Das ist kein Name, sondern ‚ne Kurzgeschichte." Mit Lettow-Vorbeck, der einem altem pommerschen Adelsgeschlecht entstammt, kann man diesen Spaß machen. Er ist locker drauf und macht über den Name zuweilen selbst seine Witze.

Genauso ungewöhnlich wie der Name ist sein Buch "Das Krokodil im Flugzeug – Skurrile Todesfälle auf Reisen" (Eden Books). Ob Bungeejumping bei zwielichtigen Anbietern oder Schnorcheln in Küstenabschnitten mit Haien – die Liste von Ausflügen und Urlauben mit Risiko ist der Lektüre zufolge lang. Ohnehin riskante Extremsportarten, Bergsteigen oder Surfen sind da noch nicht einmal mit eingerechnet. Für sein Buch hat der Autor 92 kuriose Todesfälle recherchiert und zusammengetragen. Angereichert sind die Geschichten mit Überlebenstipps und einer Portion schwarzem Humor. Der Lesestoff lässt Urlaub auf Balkonien nicht mehr wie eine Notlösung aussehen.

Dass sich auch in Paradiesen manchmal Dramen abspielen, erfuhr Nicolas Bogislav von Lettow-Vorbeck schon im Mallorca-Urlaub mit den Eltern: "Bei einem Tanzabend mit vorwiegend älterem Publikum kippte plötzlich ein Senior tot um." Über den soeben Verstorbenen legte das Personal eine Decke. Die Disko beendete man zwar, doch diniert wurde weiter", erinnert sich der Schreiber an den Fall, der im Buch aber nicht auftaucht. Das Thema begleitete den Wahl-Berliner auch auf der Hochzeitsreise mit seiner Frau nach Hawaii. Zur Vulkanbeobachtung ging es zunächst raus aufs Meer, dann zurück ans Ufer – genau dorthin, wo sich Lavagestein in den Pazifik ergoss. "Wir fuhren bei stürmischer See auf einem schäbigen Kahn. Auch der Kapitän machte keinen sicheren Eindruck, was unser mulmiges Gefühl noch verstärkte." Bis auf zehn Meter ging es an den Lavastrom heran. Das frisch vermählte Paar war heilfroh, den Trip überstanden zu haben.

"Monate später lasen wir in der Zeitung Hawaii: Lava-Bombe trifft Touristenboot. Es war genau unser Ausflug und unser Boot." Zwar habe es bei dem Vorfall keine Toten gegeben, aber alle Ängste und Vorbehalte bestätigten sich. Zu diesem Zeitpunkt – im Juli 2018 – war der Autor und Lektor Lettow-Vorbeck längst Feuer und Flamme fürs Thema "Gefährliche Ferien". Der gebürtige Düsseldorfer recherchierte daraufhin in Zeitungen, aber auch auf dem Videoportal YouTube. Die daraus resultierenden Buchstorys sind beißend-witzig, aber auch voller Respekt vor denen, die auf Reisen zu Tode kamen.

Im Interview im Berliner Friedrichshain kommt Lettow-Vorbeck gleich zum nächsten Drama - dem Autoausflug einer chinesischen Familie in einem Safari-Park mit Wildtieren. Nach einem Streit verließ hier die Gattin laut Buch das schützende Fahrzeug, was ein Tiger sofort ausnutzt und zuschnappt. "Der Ehemann stürzt aus dem Auto, um seine Frau zu retten, kurz darauf die Schwiegermutter." Dem Gatten schenken die Raubtiere offenbar keine weitere Beachtung. Die Schwiegermutter wird jedoch das nächste Opfer. Tragisch endet laut Lettow-Vorbeck auch die Zugfahrt einer Russin, die weit aus dem Fenster gelehnt Selfies knipst. Ein Strommast der Bahnanlagen reißt die Gedankenlose in den Tod.

Bei der eigenen Urlaubsplanung ist Nicolas Bogislav Lettow-Vorbeck vorsichtig geworden, wie er sagt. Airlines checkt er auf Sicherheitsstandards. Verreist wird nur nach penibler Vorbereitung und unter Vermeidung von Risiken. Meist unternimmt er Spaziergänge ins Berliner Umland. Ohnehin hält er Brandenburg für ein sicheres Ausflugsziel. "Als Draufgänger würde ich mich in Sachen Urlaub nicht bezeichnen", lächelt der 35-Jährige.

Seine Lektüre enthält nicht nur Berichte über ungewöhnliche Todesfälle, sondern auch Statistiken und Ratschläge für sicheres Reisen. "Das Krokodil im Flugzeug" solle nicht nur unterhalten, sondern auch weiterbilden, sagt der Autor. Das ständige Fotografieren mit Smartphones hält er übrigens für eins der größten Sicherheitsrisiken, weil es Ausflügler ablenke. Viele Urlauber scheinen Sehenswürdigkeiten heute eher durch die Handy-Fotolinse statt im Original zu sehen.

Lettow-Vorbeck selbst erholt sich am liebsten in Brandenburg, betont er noch einmal. Das sage er nicht, weil er dem Reporter des Märkischen Sonntag gegenübersitzt und auch nicht, weil seine Partnerin aus Wittenberge in der Prignitz stammt. "Ich kann hier wirklich entspannen, stundenlang auf einen See schauen und danach in einen Gasthof einkehren." Nichts gegen Paris und Rom. Doch das "Abarbeiten" touristischer Ziele verursache auch Stress.

Zu Hause ist Lettow-Vorbeck heute in Moabit, dort, wo Berlin noch Berlin ist, wie er findet. 2010 zog er der Liebe wegen in die Hauptstadt. "Ich bin ehrlich: Als ich kam, wusste ich nicht, ob Moabit im Osten oder Westen, Norden oder Süden Berlins liegt." Er liebe seinen Kiez und die Bewohner. In Berlins Mitte nimmt der Autor auch sein Sonntagsfrühstück ein. Das bestehe vor allem aus dunklen Brötchen, einem hartgekochten Ei und Kaffee. "Eingeführt hat das Sonntagsfrühstück aber meine Frau, nachdem sie beklagte, dass ich morgens nie richtig esse." Nach dem Morgenmahl startet das Paar den eigenen Worten nach gern in die Döberitzer Heide oder nach Potsdam.

Zum Schluss muss der Autor ("Stadtwild") aber noch vom "Krokodil im Flugzeug" berichten. In einer riesigen Sporttasche sei das Reptil unbemerkt in eine alte Propeller-Maschine gelangt. Auf dem Flug ab Kinshasa (Kongo) befreite es sich aus der Tasche und löste eine Panik aus. Die kleine Maschine geriet ins Taumeln und stürzte ab. Nur zwei Insassen überlebten: ein Passagier und das Krokodil. Nicht nur wegen dieser unglaublichen Story sei Lettow-Vorbecks Lektüre empfohlen. Merke: Dieses Buch kann Leben retten!

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