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Rick Orkon
Von Schwedt zum Dortmunder Tatort

26.02.2020, 12:39 Uhr - Aktualisiert 26.02.2020, 12:57
Frankfurt (Oder) Von Jens Rümmler

Wer den Namen Rick Okon nicht kennt, könnte ihn im ersten Moment mit Skandinavien oder dem Baltikum verbinden. Für andere klingt Okon wiederum ein bisschen nach Künstlername. Beides stimmt nicht: "Okon kommt aus dem Polnischen und bedeutet übersetzt ‚Barsch‘. Als Kind mochte ich den Name gar nicht", lächelt Rick Okon, der vor 30 Jahren in Schwedt an der Oder geboren wurde. Heute steht genau dieser Name für eins der größten Talente im deutschen Film. So glänzte der Wahlberliner u.a. in der Weitererzählung von Wolfgang Petersens Kultfilm "Das Boot". Seit 2018 spielt er den Kriminalhauptkommissar Jan Pawlak im Dortmunder ARD-"Tatort"!

Die nächste Herausforderung ließ nicht lange auf sich warten. Im Januar war Rick Okon in der ZDF-Eventserie "Die verlorene Tochter" zu sehen. Darin mimte er einen Unternehmer-Sprössling, dessen Schwester Isa (Henriette Confurius) verschwunden war und nach zehn Jahren genauso überraschend wieder auftauchte – allerdings ohne Erinnerung! Die Kripo versucht herausfinden, weshalb Isa verschwand. Kann sie sich wirklich nicht erinnern? Und ist es überhaupt Isa, die zurückkehrte? Rick Okons Figur des Bruders Philip, der bald eine alte Traditionsbrauerei übernehmen soll, nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein.

Beim Vorsprechen für die ZDF-Serie setzte sich Rick Okon gegen mehrere Mitbewerber durch, darunter auch bekannte Namen. "Nach eineinhalbstündigem Casting habe ich mich wahnsinnig gefreut, als mir Regisseur Kai Wessel am Telefon zusagte", strahlt der gebürtige Ostbrandenburger noch heute übers ganze Gesicht. Die Zusammenarbeit am Set bezeichnet er als herausragend. Dabei habe ihm die Rolle alles abverlangt. Nachdem der Mime das Drehbuch in den Händen hielt, blieb ihm eigenen Angaben nach noch ein Vierteljahr, um sich mit dem Filmstoff auseinanderzusetzen. Dazu folgten nicht nur Leseproben und Gespräche mit den Schauspielkollegen. Okon befasste sich auch mit der Brauereikunst, um tiefer in die Materie einzutauchen.

Bisherige Filmerfolge und die daraus folgende Medienpräsenz haben den jungen Mann scheinbar wenig verändert. Im Gegenteil: Rick Okon wirkt im Gespräch sehr geerdet und bei sich selbst. Von Allüren keine Spur. Dass er trotz großer Filme immer auf dem Teppich blieb, habe auch mit der Verbundenheit zu seiner alten Heimat Brandenburg zu tun. "Ich fühle mich hier immer noch wohl, obwohl ich die Mark neunjährig mit Mutter und Bruder Richtung Hamburg verließ", blickt Rick Okon zurück. Die Eltern hatten sich getrennt, die Mutter fand im Norden einen neuen Job. "Oma und Opa sowie Onkel und Tante wohnen nach wie vor in Schwedt, eine Cousine und mein Vater ganz in der Nähe. Auch deshalb komme ich immer wieder gern zurück."

Einige Kumpel verlor er zwar aus den Augen, doch nach seinem Umzug spielte er bei Wochenendbesuchen anfangs noch bei den Fußballern von Rotation Schwedt mit. "Ich hatte in Schwedt eine tolle Kindheit und habe noch immer eine ganze Menge schöner Erinnerungen an diese Stadt." Kinder konnten Okons Erinnerung nach eine Ewigkeit draußen toben und wurden erst zu den Mahlzeiten in Haus gerufen. Heutzutage müsse kein Kind mehr reingerufen werden, da alle schon drin sind - meist am Computer, Fernseher oder Laptop, wie der Darsteller bedauert.

Heute fühlt sich Rick Okon in Berlin wohl. Die Stadt sei für ihn optimal, biete eine Menge Kultur und Szene. "Wenn ich manchmal erst nachts mit dem Zug ankomme, kann ich hier noch irgendwo was essen oder einen Absacker nehmen. Berlin hat rund um die Uhr geöffnet", so der "Tatort"-Kommissar. Die Metropole biete gleichzeitig viele Parks und Gewässer. "Meine persönlichen Ruhepole heißen Treptower Park und Plänterwald. Hier kann ich unweit der Spree radeln, joggen oder einfach nur die Seele baumeln lassen. Es ist der Kontrast zum quirligen Kreuzberg, der Bezirk, in dem ich lebe", sagt Rick Okon. In Kreuzberg nimmt der Schauspieler auch meist sein Sonntagsfrühstück ein. "Wir frühstücken meist spät, an Wochenenden oft erst mittags. Wichtig ist für mich ein guter Kaffee. Dazu gibt es Porridge in den unterschiedlichsten Varianten, u.a. mit Brombeeren und Heidelbeeren", zählt Okon einige Frühstückszutaten auf.

Stehen keine Drehs an, fährt der Mime mit seiner Liebsten gern ins Brandenburgische, in die alte Heimat an die Oder, aber auch gern nach Potsdam. Hier studierte er an der Filmuni Babelsberg "Konrad Wolf" Schauspiel. "Potsdam ist eine tolle Stadt mit Flair und Historie. Gern besuche ich hier auch das Thalia-Kino", plaudert der Star über Freizeit und Ausflüge. Ein anderer märkischer Wohlfühlort sei der Spreewald, in den er sich eigenen Worten nach bei Dreharbeiten verliebte. "Hier kannst du dich aus dem Alltag ausklinken, super paddeln, spazieren gehen und dabei Energie tanken", so der Hauptstädter, der an Filmsets gern fotografiert und neuerdings auch Klavier spielt. Letzteres lernte er extra für eine Filmrolle. "Eigentlich wollte ich das erst mit 65 machen – und habe es nun halt vorgezogen", lacht Okon.

Vor Serien und damit häufig verbundenem Schubladendenken von Produzenten und Medien sei ihm nicht Bange, wie Okon auf Nachfrage erklärt. "So lange mir eine Serienrolle gefällt, sich die Figur weiterentwickelt und sie zu spielen eine Herausforderung darstellt, würde ich das weitermachen." Eigene Film- und Fernsehvorbilder könne er nicht nennen. "Ich bin kein Typ für Vorbilder und keiner der sagt, genauso will ich sein. Aber eine handwerklich herausragende Leistung beeindruckt mich jederzeit." Abhängig seien Filmerfolge ohnehin von vielen Faktoren und Beteiligten, neben Drehbuch und Regie, u.a. auch von Kamera, Schnitt und Licht. "Schauspielerei ist keine One-Man-Show!" Im "Tatort" erfüllte sich Rick Okon sozusagen einen Kindheitstraum. Er wollte eigentlich mal Polizist werden.

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