Das Nachrichtenportal für Brandenburg
Startseite Märkische Onlinezeitung - MOZ.de

Hannes Jaenicke
Sterben die Meere, stirbt der Mensch

27.02.2020, 14:52 Uhr
Frankfurt (Oder) Von Jens Rümmler

"Freibeuter der Meere" hieß in den 70er Jahren ein legendärer Piratenfilm. Auf den aktuellen Zustand der Ozeane und uns bezogen müsste es vielmehr "Ausbeuter der Meere" heißen. Wir vermüllen und vergiften die See, ohne mit der Wimper zu zucken. Nur wenige machen sich einen Kopf um den Umgang mit Wasser. Kreuzfahrtschiffe verpesten die Ozeane, Fischkonsum und Plasteabfall steigen.

Schauspieler Hannes Jaenicke prangert seit über 30 Jahren Wasserverschmutzung und Überfischung an. Sein Buch "Aufschrei der Meere" (Ullstein Verlag), das er zusammen mit der Biologin Dr. Ina Knobloch schrieb, ist ein eindringlicher Appell, umzuschalten. Wenn dies nicht gelinge, würden wir auf eine Katastrophe zusteuern. "Sterben die Meere, stirbt auch der Mensch", so die Mahnung des Darstellers. Wie wir dabei sind, uns quasi selbst abzuschaffen, machen beide Autoren Punkt für Punkt am Beispiel unserer Ozeane deutlich.

Wale und Delfine würden durch Plastikmüll verenden und der Klimawandel Korallenriffe vernichten. Pestizide vergiften zudem die Gewässer. Jaenickes und Knoblochs Fazit: "Es ist nie zu spät, etwas zu tun – für niemanden von uns." Guten Vorsätzen müssten allerdings Taten folgen. Im Buch zeigen beide Autoren, wie das gelingen kann. Gleichzeitig berichten die Umweltschützer, was sie antreibt, sich unermüdlich für unsere Weltmeere einzusetzen.

Im Sonntagsfrühstück erklärt Hannes Jaenicke, wie ein Umschalten gelingen kann. "Jede und Jeder kann etwas beitragen – beispielsweise durch Verzicht auf Plastik, das im Meer landet und Fische tötet. Fischkonsum zu reduzieren, ist ebenfalls ein Leichtes. Wenn man Fisch essen möchte, dann möglichst Arten, die nicht schon hoffnungslos überfischt sind." Auf Zuchtlachs sollte man nach Ansicht des Mimen komplett verzichten. Co-Autorin Ina Knobloch empfiehlt, keine Produkte mit Mikroplastik (etwa in Kosmetik) zu verwenden. Das Buch "Aufschrei der Meere" enthält neben aufrüttelnden Reportagen und Bildern auch 99 Tipps für konkreten Meeresschutz. Die richten sich auch an die Politik.

"Unser überkommenes, altes Wirtschaftsmodell ist für mich das größte Übel, denn es betrachtet grenzenloses Wirtschaftswachstum als Heilsbringer", moniert Jaenicke. Eine CO2-Steuer, die sauberes und nachhaltiges Produzieren und Konsumieren belohnt, könne Profitgier bändigen. Ina Knobloch wird noch deutlicher: "Die Politik muss sich gründlich ändern, entschlacken, die Lobbyisten rauswerfen und für diese Probleme auch Ökologen als Berater heranziehen und nicht nur profitgierige Berater", so die 56-Jährige.

Beide Autoren verbindet aber nicht nur ihr Umweltengagement. Beide lieben den bayerischen Ammersee. Hannes Jaenicke wohnt bis heute in einem Dorf in der Nähe des Gewässers. Ina Knobloch verbrachte dort den eigenen Worten nach ihre halbe Kindheit. Frankfurt am Main und Costa Rica gibt sie als aktuelle Wohnsitze an. Doch egal, wo sie sich gerade aufhalten, das Sonntagsfrühstück halte fast immer dieselben Zutaten bereit: "Ich esse Müsli mit Obst und trinke einen Eimer Kaffee", schmunzelt Jaenicke. "Bei mir ist es ein Körnerbrei mit Nüssen und frischen Früchten", so Ina Knobloch, die bereits über 100 Dokus und Fernsehbeiträge realisierte ("Die Meeresschützer"; ZDF).

Von Berlin und Brandenburg haben beide schon einiges gesehen. "Ich bin des Öfteren auf dem Wannsee in Berlin sowie auf dem Scharmützelsee und Werbellinsee im Märkischen gesegelt", erklärt der Darsteller und Buchautor ("Wer der Herde folgt sieht nur Ärsche"). "Wenn ich in Berlin zu tun habe, wohne ich meistens in Charlottenburg, weil dort die meisten meiner Freunde leben", so der 59-Jährige. Dass Jaenicke auch die Staatsbürgerschaft der USA hat, dürften nur wenige wissen. 1960 in Frankfurt am Main geboren, zogen seine Eltern mit ihm in die Vereinigten Staaten, weil der Vater, ein Biochemiker, einen Forschungsauftrag an der Universität Pittsburgh annahm. 1969 kehrte die Familie nach Deutschland zurück.

Dem Globetrotter, der mehrere Jahre mit Schauspielerin Tina Bordihn liiert war, privates zu entlocken, ist nicht einfach. Da kehrt er lieber zu seiner Mission, dem Umweltschutz, zurück. Hannes Jaenicke regt sich etwa über Coca-Cola auf. Der Konzern produziert laut Buch 200.000 Plastikflaschen pro Minute - "ohne sich um die Folgen für die Umwelt zu kümmern". Nestlé verdiene Milliarden mit Nespresso-Kapseln und in Einwegplastik verpacktem Junkfood. "Die ehemalige Weinkönigin und derzeitige Agrarministerin Julia Klöckner lässt sich grinsend als Werbepüppchen vor den Nestlé-Karren spannen", heißt es in "Aufschrei der Meere".

Warum es Ruanda schon 2009 schaffte, Plastiktüten zu verbieten und Deutschland bis heute nicht, sei ihm ebenso ein Rätsel. "Auch Bangladesh und Marokko haben die Plastiktüte abgeschafft. Und in Costa Rica gibt es Plastikbecher nur noch aus kompostierbarem Material. Warum wird Einwegplastik nicht entweder verboten oder so hoch besteuert, dass es sich für die Verpackungs- und Konsumgüterindustrie nicht mehr rechnet? Warum verbieten andere Länder wie Dänemark primäres Mikroplastik in Kosmetikprodukten und wir nicht", fragt Hannes Jaenicke im Buch. Dahinter vermute er die Verpackungsindustrie, große Discounter, die Lebensmittelindustrie sowie internationale Multis. Coca-Cola sponsere seinen Recherchen nach "besonders gern und großzügig Zusammenkünfte und Veranstaltungen der EU und unserer Regierung". Jeder sollte sich seinen Reim darauf machen, so der Schauspieler.

Zum Schluss geht es nochmal um Meeresschildkröten, Seepferdchen und Haie, die unter der vom Mensch verursachten Verseuchung der Meere leiden. Hannes Jaenickes eindringlicher Aufruf: "Rettet die Meere – jetzt!"

Schlagwörter

Leserforum

Um einen Kommentar zu schreiben, melden Sie sich bitte oben rechts an. Falls Sie noch keinen Login haben, registrieren Sie sich bitte.

Alle Leserkommentare geben ausschließlich die persönlichen Ansichten und Meinungen des Autors wieder und sind keine redaktionelle Meinungsäußerung. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Inhalte übernimmt die Redaktion keinerlei Gewähr.

Ihr Kommentar zum Thema

Kommentartitel
Name
(öffentlich sichtbar)
Email
(wird nicht veröffentlicht)
© 2020 MOZ.de Märkisches Medienhaus GmbH & Co. KG