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Amrita Torosa
Je mehr Du loslässt, um so eher kommen die Dinge auf Dich zu!

04.03.2020, 18:06 Uhr
Berlin Von Jens Rümmler

Küsse im Mondschein, gute Gespräche, ein Tag am Meer oder einfach nur eine nette Geste: Glücksmomente sind oft simpel und nicht selten magisch. Es bedarf keiner Statussymbole, keiner Weltreise oder der großen Karriere, damit der Himmel voller Geigen hängt. Dies Menschen zu vermitteln, ist die Mission von Amrita Torosa.

"Mit meinen Bildern und Briefen, aber auch mit Vorträgen und speziellen Atemtechniken möchte ich Glücksmomente bescheren", lächelt Amrita Torosa, so eine Art Glücksfee der Bundeshauptstadt. Man könnte sie und ihre Glücksarbeit belächeln oder gar die Nase rümpfen. Doch damit würde man Amrita Torosa und ihrer Lebensaufgabe nicht gerecht. Seit 30 Jahren befasst sich die gebürtige Freiburgerin mit der Materie. Immer mehr Ratsuchende kommen zu ihr, um dem eigenen Glück auf die Sprünge zu helfen. Eine der Botschaften: Immer schön locker bleiben! "Krampfhaft Dinge erzwingen zu wollen, läuft meist ins Leere. Das Gegenteil ist die Lösung: Je mehr du loslässt, um so eher kommen die Dinge auf dich zu", ist der Tipp von Amrita Torosa.

Auf diesen Nenner bringen es auch viele ihrer Glücksbriefe. Dabei handelt es sich nicht um klassische Briefe, die sie im Auftrag schreibt, sondern um Kurzgeschichten mit Lebensstrategien, Weisheiten und Tipps. "Glücksgefühle sind unsere stärkste Kraftquelle. Wir sollten sie pflegen und ausbauen. Glück ist wie ein guter Schuh, der dich trägt, schützt und puffert", sinniert die Wahlberlinerin übers Leben.

Ihre Glücksbriefe sollen Mutmacher, Seelentröster und Ratgeber sein. Amrita Torosa schreibt über Liebe, Nähe und Tod, aber auch Geschichten aus ihrem Treptower Kiez. Zur Kundschaft zählen u.a. Künstler, Seniorenheimbewohner sowie Nachbarn. "Es sind fast immer Menschen, die ihr Dasein reflektieren, aber auch Personen, die im Zeitalter von WhatsApp, Mail und Facebook gern mal wieder einen Papierbrief in den Händen halten", erklärt die frühere Breisgauerin. Ihre kleinen Schriften sieht sie als "Glück zum Anfassen". "Ich möchte mit den Briefen aber auch an Dinge erinnern, die glücklich machen, die in unserem hektischen Alltag jedoch viel zu schnell aus dem Blick geraten."

Den eigenen Worten nach schreibt Amrita Torosa seitdem sie Buchstaben kennt und malt, seitdem sie Stifte halten kann. Neben Briefen und Bildern gehört auch das Glücksatmen zu ihrem Portfolio. Ist die zierliche Frau beim Malen und Schreiben Autodidaktin, so lernte sie Atemtechniken im Berliner Institut für Entspannungstechniken und Kommunikation. "Dass gestresste Menschen mal wieder durchatmen sollen, hat wohl jeder schon gehört. Dass wir oft unbewusst zu flach atmen, ist aber weitgehend unbekannt. Sanftes und tiefes Atmen kann jeder lernen und dann auch zu Hause oder am Arbeitsplatz praktizieren", betont die gelernte Atempädagogin. Gestresste können bei Amrita Torosa Atemkurse belegen. Dann gibt’s den Glücksbrief – ab 14,90 Euro – auf Wunsch gleich dazu. Insofern scheint Glück doch käuflich zu sein.

Dass das irdische Glück selten mit Geld und Luxus zu tun hat, dafür ist Amrita Torosa der beste Beweis. Seit 2009 lebt sie mit ihrem Partner relativ bescheiden in einer Mietwohnung im Treptower Bezirksteil Baumschulenweg. Wenig Pfründe verteidigen zu müssen, schafft offenbar auch Lebensqualität. Im Berliner Osten fand die kleine Frau mit den großen Augen scheinbar ihr Glück. Gentrifizierung macht auch um Baumschulenweg keinen Bogen, doch noch stimmt der Einwohner-Mix. "Die Gegend ist für mich perfekt, denn hier kann ich sein wie ich bin. Mit der Vielzahl an Kiezen empfinde ich Berlin ohnehin als bundesweit einmalig", sagt die Frau, die nach ihrem Umzug in die Weltmetropole zunächst im Stadtbezirk Charlottenburg-Wilmersdorf lebte.

Ursprünglich zog sie die Liebe nach Berlin, wie die Glücksfee beim Gespräch im Café "Pauline" unweit des S-Bahnhofs Baumschulenweg erklärt. "Nie wäre ich auf die Idee gekommen, nach Berlin zu ziehen. Ich kannte diese spannende Metropole einfach nicht. Heute ist die Stadt für mich der ideale Lebensmittelpunkt." Beim anschließenden Spaziergang durch den Kiez zeigt Amrita Torosa die nahe Spree, die Späthsche Baumschule (Namensgeber des Bezirksteils), Plänterwald und das wegen seiner Architektur überregional bekannte Krematorium an der Südostallee. "Ich bin am Tag mindestens eine Stunde draußen, nehme die Natur bewusst auf und umarme beispielsweise Bäume. Sie sind meine Kraftquelle", sagt die 54-Jährige. So sei es kein Wunder, dass sie ausgerechnet in Baumschulenweg gelandet sei, scherzt die Baum-Liebhaberin. Die schätzt den eigenen Worten nach auch das Berliner Umland, beispielsweise den Fläming mit Bad Belzig oder Burg Rabenstein. Natürlich kennt sie auch Ribbeck im Havelland mit dem Birnbaum, den Theodor Fontane in seinem berühmten Gedicht verewigte. Weiter entfernte Reiseziele steuere sie selten an. "Ich fahre vor allem zu Freunden und erkunde deren Wohnumfeld. Australien oder Afrika müssen es nicht unbedingt sein", sagt die Frau, zu deren Sonntagsfrühstück vor allem eine Tasse guter Tee und Berliner Schrippen gehören. Die Ostsee mag die Treptowerin dem eigenen Bekunden nach aber sehr.

Ihr Glück bzw. ihr Lebensthema fand Amrita Torosa durch die eigene eher unglückliche Kindheit, wie sie sagt. Details möchte sie nicht nennen, nur, dass ihre frühen Lebensjahre auch Grund für eine amtlich vorgenommene Namensänderung waren: "Ich bin ein sehr feinfühliger Mensch und mein Name drückte für mich immer die Enge aus, die mich in meiner Kindheit umgab." Ihren ersten bürgerlichen Namen würden nur enge Familienmitglieder sowie eine bundesdeutsche Behörde kennen.

Die Vergangenheit zu überwinden, habe Mut und Überwindung gekostet. "Ich hatte nur zwei Möglichkeiten: zu jammern und mich selbst zu bemitleiden oder mich zu verändern. Ich entschied mich fürs Glücklichsein", schmunzelt die gutgelaunte Frau, die neue Lebenskraft schöpfte und heute anderen davon abgibt.

Dann kommt Amrita Torosa, übrigens ein aus Spanien stammender Name, noch auf den "Internationalen Tag des Glücks" am 20. März zu sprechen. Die Planungen für Lesungen und Seminare liefen längst. Glück müsse schließlich gut organisiert werden, lächelt die Glücksbotin. Die wolle am Ende ihrer Tage sagen können, dass sie an Gutem mitwirkte. Ihr Vorbild: Eine Pflanze, die durch Beton wächst:

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