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Florian Schroeder
In der Schule war ich Außenseiter

11.03.2020, 16:35 Uhr
Frankfurt (Oder) Von Jens Rümmler

Radio, Fernsehen, Bücher und Live-Shows, dazu die Präsenz über Twitter und im Internet:  Florian Schroeder scheint die kabarettistische Allzweckwaffe unserer Tage zu sein. Mit spitzer Zunge und flotter Schreibe powert er gegen lahme Politik, Klimakiller sowie Trump & Co. Man kennt ihn aus der "Spätschicht" im Südwestdeutschen Rundfunk, von seiner "Florian-Schroeder-Satireshow" im rbb sowie von Radiokolumnen auf Radio Eins.

Im Interview mit dem Märkischen Sonntag ist Schroeder schon am frühen Vormittag hellwach. Im Hinterhof-Café an der Berliner Sophienstraße spricht er sich mit Augenzwinkern gegen die Enteignung von BMW aus. "Mir würde schon reichen, wenn das Verkehrsministerium wieder verstaatlicht würde!" Es ist eine seiner typischen Spitzen gegen Politiker, die sich eher Wirtschaft und Banken, statt ihrem Wahlvolk verpflichtet fühlen.

Florian Schroeder spottet aber nicht nur gegen Politiker, sondern auch mit ihnen: 2017 ging er mit SPD-Mann Peer Steinbrück auf Satire-Tournee. "Kennengelernt habe ich Steinbrück als Gast meiner Satireshow, wo wir ohne Probe und große Absprachen sofort gut miteinander konnten. 2020 geht unsere Tour weiter." Apropos "Satireshow". Die schaffte jetzt den Sprung vom rbb und anderen dritten Programmen ins Erste. Die Sendung, die u.a. im "Tipi am Kanzleramt" aufgezeichnet wird, läuft wieder am 30. April und 7. Mai 2020 in der ARD.

Im Ersten war Schroeder aber auch schon im zarten Alter von 14 Jahren zu sehen: In Harald Schmidts "Schmidteinander" (ARD). "Ich hatte damals per Kassette einige meiner Parodien von Politikern eingeschickt. Ein Redakteur aus Schmidts Team fand das ganz lustig." Die Begegnung mit Harald Schmidt und seinem Komikerkollegen Herbert Feuerstein fiel allerdings eher kühl aus, erinnert sich der gebürtige Lörracher (Baden-Württemberg). Beide Herren seien eher mit sich selbst beschäftigt gewesen. "Aufregend war das Ganze für mich dennoch. ‚Schmidteinander‘ lief in einem Kölner TV-Studio. Anschließend übernachtete ich das erste Mal im Hotel. Weil ich so jung war, musste meine Mutter mit", lächelt der 40-Jährige.

So drahtig und fit wie heute sei er nicht immer gewesen, räumt der Wahlberliner ein. "Ich war ein pummeliges Kind und auch in der Schule eher Außenseiter." Irgendwann begann er Schüler und Lehrer zu parodieren, die mit ihm nicht klarkamen. Eigene Schwächen in Stärke umzuwandeln – das war die Entdeckung seines Lebens. Als ihn die Mitschüler mit 14 über den Bildschirm flimmern sehen, wendet sich das Blatt. "Aber schon als Jugendlicher bespaßte ich Geburtstagspartys und Familienfeste, ging aus Quatsch mit einem Aufnahmegerät als Reporter rum", blickt Schroeder zurück. Der Journalisten-Beruf hätte später durchaus etwas für ihn sein können, wie er mitteilt. Satire und Journalismus hält er für "Nachbarn".

Seine Parodien und Gags entstünden nach der Recherche in Zeitung, Fernsehen und Internet, so der Kabarettist. Das sei oft echte Fleißarbeit. "Leicht und locker wird’s erst später auf der Bühne", erklärt der Provokateur mit dem schwarzem Humor.

Lampenfieber kennt Florian Schroeder nicht. Stimm- oder Singübungen vorm Auftritt benötige er keine, so der Entertainer auf Nachfrage. Am besten laufe es, wenn er ruhig und gelassen die Bühne betritt. "Wenn ich übermotiviert bin, geht’s meistens schief", lacht der sympathische Gesprächspartner. Ein Ost-West oder Nord-Süd-Gefälle könne er beim Publikum in Sachen Humor nicht ausmachen. "Dieses Klischee kann ich nicht bedienen. Ob die Stimmung gut oder Durchschnitt ist, hängt neben dem Bühnenakteur, eher von Saal und Technik ab. Meine Beobachtung: Je ungemütlicher ein Veranstaltungsort, desto besser sind die Leute drauf."

Florian Schroeder lebt heute im Prenzlauer Berg. "Für mich ist das der perfekte Wohnort. Ich mag das Tempo und den Trubel hier. Steglitz wäre mir schon wieder zu ruhig. Prenzlberg hat für mich Lebensqualität." Mit Südbaden habe er vor 15 Jahren abgeschlossen. Nur wenn er seine Mutter in Lörrach besucht, übernachte er dort auch mal, so der Mann, der in der Stadt meist per Rad, U- oder S-Bahn unterwegs ist. "Anders ginge es auch gar nicht, denn ich besitze keinen Führerschein", verrät der Künstler. Im PKW sei es ihm zu eng und andere Autolenker zu aggressiv. "Mit anderen Worten: Ich fahre nicht gern Auto." Ist er auf Tournee, chauffiere ihn ein Techniker. Fernsehsender schicken aber auch mal ein Taxi.

Nach Brandenburg schafft es der Kabarettist den eigenen Worten nach trotzdem häufiger: "Brandenburg ist für mich das unterschätzteste Bundesland Deutschlands. Hier ist es romantisch und melancholisch. Die Mark scheint auch noch auf der Suche zu sein. Sie ist nicht so perfekt und rausgeputzt wie etwa der Tegernsee oder der Rest des Münchner Umlands. Dort sieht alles so geleckt aus, die Häuser wie in einer Puppenstube aufgestellt", findet Schroeder. Ist er auf Tournee, bleibe allerdings kaum Zeit, die Gegend zu erkunden. "Ich komme dann nicht als Tourist in einen Ort, sondern dienstlich. Der ganze Tag ist auf den Abend ausgerichtet." Zwischendurch macht er ein bisschen Sport und bringt seine Satiretexte auf den tagesaktuellen Stand. Mehr Zeit bleibe nicht.

Doch einmal im Jahr geht’s weiter weg, meist ans Meer: "Ich bin ein Sonnen- und Sommermensch, mag die Kanaren, Portugal und Frankreich. Berge müssen nicht unbedingt sein", betont Florian Schroeder. Da Shows und Tourneen rund zwei Jahre im Voraus geplant werden, ist auch die Taktung des Urlaubs langfristig möglich.

Bleibt zum Schluss die Frage nach dem Sonntagsfrühstück. "Das fällt bei mir eher unspektakulär aus. Schon seit Jahren esse ich morgens Obst mit Joghurt, dazu ein paar Sonnenblumenkerne, manchmal Knuspermüsli. Gern darf es ein Cappuccino sein." Ein großer Esser ist Schroeder dem eigenen Bekunden nach ohnehin nicht. Salat gehe aber immer, allerdings nicht zu kurz vorm Auftritt. Nach der Show sei es ihm wiederum meist zu spät für eine Mahlzeit. Zum Interview in Berlin-Mitte bestellt Florian Schroeder ein Glas Wasser, an dem er in einer guten Stunde genau einmal nippt.

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