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Philipp Christopher
Berlin ist cooler als New York

01.04.2020, 18:54 Uhr
Frankfurt (Oder) Von Jens Rümmler

In Berlin-Frohnau geboren, im früheren West-Berlin aufgewachsen, Filmstudium in Amerika und erste Filmauftritte: Die Vita von Philipp Christopher liest sich wie ein wahr gewordener Schauspieler-Traum. Drei Jahre war er Fiesling David Brenner in "Gute Zeiten – Schlechte Zeiten". Er überzeugte aber auch in Serien wie "Lindenstraße" und in der US-Komödie "Sex and the City".

Auch jetzt hatte der Mime schon wieder viel zu tun. Christopher machte Promotion für "Die Kinder von Windermere", eine ZDF/BBC-Produktion. "Ich spiele die Rolle des jüdischen KZ-Überlebenden Georg Lauer. Es handelt sich dabei um eine einst real existierende Person", so der Darsteller. Der Streifen zeige die Resozialisierung von rund 300 Kindern, allesamt frühere KZ-Internierte, die sich nach dem Krieg einen Sommer lang am Windermere, dem größten See Englands, erholen sollen.

Nach dem Live-Casting in Berlin-Moabit gabs das Drehbuch laut Philipp Christopher erst vier Wochen vorm Produktionsstart. Für den Schauspiel-Profi war das kein Problem, sondern die Ausübung eines Handwerks, wie er sagt. Die Filmsets lagen vor allem in Nordirland, u.a. in einer früheren Kaserne bei Belfast. Das ZDF strahlte das Drama zum 75. "Internationalen Tag des Gedenkens für die Opfer des Nationalsozialismus" aus. Der Story liege eine wahre Geschichte zu Grunde, so der Berliner.

Philipp Christopher berichtet voller Respekt von dem Thema. Er sitzt im japanischen Café "House of Small Wonder" in einer Seitenstraße am Berliner Friedrichstadtpalast. Hier spricht man englisch. Für Christopher – mit bürgerlichem Name Philipp Christopher Wolter - ist das kein Problem. Schließlich lebte er 15 Jahre in New York, studierte dort an der School of Visual Arts Regie und Schauspiel. Der muskulöse Mann mit den markanten Wangenknochen nippt am Orangensaft und löffelt einen Ei-Reisbrei. Ein wenig Hühnchen enthält der Mix wohl auch – genau kann es der Familienvater nicht sagen.

Mit dem Rad kam er aus Charlottenburg, wo er seit seiner Rückkehr nach Deutschland 2014 mit seiner amerikanischen Ehefrau und dem vierjährigen Sohn lebt. "Meine Eltern zogen schon vor einiger Zeit von Frohnau nach Charlottenburg. Dort gefiel es uns bei Besuchen jedes Mal. Es ist entspannter und ruhiger als zum Beispiel hier in Mitte. Wir wohnen fünf Minuten vom Charlottenburger Schloss entfernt, eine tolle Gegend", berichtet der Mime, der im Interview ab und an nach dem richtigen deutschen Wort sucht. Die Familiensprache sei Englisch, träumen würde er aber zweisprachig. 15 Jahre in der City am Hudson River hinterließen offenbar Spuren. "Für mich ist Berlin heute cooler und abgedrehter als New York. Dort wird es leider immer kommerzieller und teurer, was viele Kreative verdrängt."

Das Sonntagsfrühstück der Familie findet heute meist in Charlottenburg statt, ist zu erfahren. "Ich esse täglich mein Müsli, freue mich oft schon nachts vorm Einschlafen darauf", schmunzelt der 39-Jährige. Sonntags darf es gern etwas Besonderes sein, beispielsweise Pancakes mit Ahornsirup, typisch amerikanisch also. Dazu gibt es zwei Tassen Kaffee. Doch auch Wasser mit einem Schuss Zitrone bringe Power, so der Tipp des erfolgreichen Schauspielers. Stehen keine Filme an, zieht es die Familie oft raus nach Brandenburg. "Uns gefällt der Liepnitzsee mit seiner Insel und der Fähre." Auch Potsdam stehe bei ihm hoch in der Gunst. "Potsdam ist für mich die schönste Stadt Deutschlands", betont der Darsteller, der einst in den Babelsberger Filmstudios "Gute Zeiten – Schlechte Zeiten" drehte.

Schon früher in Frohnau hatte er Brandenburg vor der Nase. "Nur kam ich in meiner Kindheit, also in den 80er Jahren, nicht hin. Ein paar Häuser entfernt von uns lag der Grenzstreifen. Einer der ersten Ostorte hieß Stolpe", erinnert sich der Mann, der nach dem Mauerfall das Umland erkundete. Als Kind und Jugendlicher habe ihn Amerika jedoch mehr gereizt. "Mit 14 besuchte ich erstmals eine Tante in Boston, die uns New York zeigte und in der 11. Klasse fuhr ich nochmals im Rahmen eines Schüleraustauschs über den großen Teich. Für ein halbes Jahr lebte ich bei einer Gastfamilie und besuchte die Highschool." In New York City habe er sich sofort verliebt, spätestens als er nachts im Regen den Broadway runterlief.

Amerika sieht er im Rückblick als spannende Lebenserfahrung, die ihn jedoch auch desillusionierte. "Einen Sozialstaat, wie wir ihn hier kennen, gibt es dort nicht. Den Leuten geht’s teils richtig schlecht", bedauert der Deutsche, der auch die amerikanische Staatsbürgerschaft besitzt. Christopher entstammt den eigenen Worten nach keiner Künstlerfamilie. Der Vater (Wedding) kommt aus der Immobilienbranche, die Mutter (Reinickendorf) war Friseurin. "Schon in der Schule liebte ich alles, was mit Kunst zusammenhing. An die große Glocke hing ich das aber nicht, da diese Welt für mein Umfeld eher fremd war."

Dann berichtet Philipp Christopher noch von seiner Rolle in der Science-Fiction-Serie "Origin", für die er ein halbes Jahr in Kapstadt drehte. "Die Produktion war sehr aufregend, doch die Armut ist schockierend", sagt der Mime, der u.a. auch Townships besuchte und sich seitdem in der südafrikanischen Hafenstadt sozial engagiert. Christopher spendete zuletzt für den "Community KidsSpot", eine Art Kindergarten. "Durch dieses Sozialprojekt erhalten Eltern überhaupt erst die Chance, einen Job anzunehmen", betont der Berliner. Der orientiert sich übrigens an einem nachhaltigen Lebensmodell: Wenig Konsum, wenig Fleisch, Rad statt Auto, keine vermeidbaren Kurzstreckenflüge. Diese Lebensmaxime macht den Darsteller nur noch sympathische.r

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