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Johann von Bülow
Ich bin keiner, der stillsitzen kann

17.04.2020, 08:48 Uhr - Aktualisiert 05.05.2020, 09:43
Berlin Von Jens Rümmler

Ein Kripo-Ehepaar, das gemeinsam in einem Mordfall ermittelt und gleichzeitig Geheimnisse voreinander hat. Überraschende Wendungen und Recherchen in der Berliner Müllmafia: Die dritte Folge der ZDF-Reihe "Herr und Frau Bulle" (16. Mai) hat es in sich. Schon die ersten beiden Streifen sorgten für Aufsehen. Film Nummer drei steht dem in nichts nach. Johann von Bülow mimt darin Fallanalytiker Heiko, der mit Gattin Yvonne (Alice Dwyer), im Milieu der Berliner Müllmafia recherchiert.

Während die bereits 2018 abgedrehte Folge "Abfall" nun pünktlich ausgestrahlt wird, musste die Produktion des vierten Teils wegen der Corona-Epidemie Anfang März unterbrochen werden. "Schauspielern geht es dieser Tage nicht anders als anderen Freiberuflern und auch vielen Festangestellten", seufzt Johann von Bülow, der momentan wenig zu tun hat. Sämtliche Filmproduktionen mit dem ansonsten gefragten Mimen wurden gestoppt, mehrere Lesungen gestrichen. Weitere Absagen scheinen unausweichlich. Dass nun auch von Bülows Segelverein am Müggelsee dichtmachte, scheint noch das geringste Übel zu sein. Übrig blieben nun Spaziergänge und Radtouren, wie der Filmakteur bedauert.

"Man ist gerade zum Abschalten gezwungen. Dabei bin ich keiner, der besonders gut stillsitzen kann. Zur Ruhe zu kommen müsste ich eher noch lernen", schmunzelt der gebürtige Münchener. Er spricht auch von einer Auszeit, in der man Dinge tun könnte, die schon lange anstanden. "Doch darauf muss man sich auch einlassen, was wiederum eine mentale Frage ist."

Was immer geht, sei radeln, erklärt Johann von Bülow. Normalerweise fährt er Richtung Neuruppin oder in die Schorfheide. Um die zwei Stunden sei er dann unterwegs. Auch wenn der Darsteller schon am "Jedermann-Rennen" über 60 Kilometer in Erfurt teilnahm, steht für ihn der Genuss im Vordergrund: "Vor allem will ich etwas für meine Gesundheit tun. Das soll nicht in Stress ausarten, sondern Spaß machen. Auch jetzt in dieser turbulenten Zeit", so Johann von Bülow, der über zehn Ecken mit dem 2011 verstorbenen Schauspieler, Regisseur und Humorist Vicco von Bülow (Loriot) verwandt ist. Letztlich gehe es immer darum, den inneren Schweinehund zu überwinden, so der Mann, der auch gern joggt, surft und Tennis spielt.

Der Künstler, der die Pandemie vor allem mit Sportaktivitäten bewältigt, schwärmt von märkischen Gewässern und hier besonders vom Werbellinsee. "Das ist ein herrlicher märkischer See, der allerdings bei uns Seglern auch für seine tückischen Winde bekannt ist", erklärt der 48-Jährige. Meist ist er mit seinem schnellen Skiff-Segler RS 800 auf dem Köpenicker Müggelsee unterwegs. Im Sommer lässt es sich der Familienvater mit seinen Lieben dagegen am Gardasee gutgehen. In diesem Jahr fallen die Ferien allerdings ins Wasser, wie von Bülow bedauert.

Wohl fühlt er sich ansonsten im heimischen Kiez im Prenzlauer Berg. "Diese Ecke Berlins ist für mich wie ein Zukunfstlabor, wie ein Schmelztiegel von Leuten und Ideen aus aller Welt. Ich fühle mich hier am Puls der Zeit", schwärmt der Wahlberliner. Vom alten "Prenzlberg" sei allerdings auch viel verloren gegangen, u.a. alteingesessene Mieter, die den Pankower Bezirksteil prägten. In seine Geburtsstadt München komme er nicht mehr so häufig, obwohl die Bayern-Metropole nach wie vor Charme habe. "Berlin ist für mich heute das bessere München", lächelt der Schauspieler. Nicht nur Castings, Premieren und Filmdrehs würden meist an der Spree stattfinden. Auch viele Freunde und Kollegen leben heute hier, betont Johann von Bülow. Dessen Sonntagsfrühstück findet normalerweise in Berlin statt, wie er sagt. Brötchen müssen es zum Morgenmahl allerdings nicht unbedingt sein. "Obst ist mir wichtig. Ein großer Frühstücker bin ich aber eigentlich nicht", räumt der Mime ein.

Der zählt mit bislang knapp 100 Filmproduktionen zu den wohl fleißigsten Darstellern des Landes, war u.a. in "Tatort", "Aus der Haut", "Klassentreffen" und "Das Adlon" zu sehen. "Das Wort Fleiß trifft es meiner Ansicht nach nicht so richtig. Den Schauspielberuf empfinde ich als Privileg. Es ist ein großes Glück, so arbeiten zu dürfen und immer wieder angefragt zu werden." Für Aufsehen sorgte Johann von Bülows Kritik, dass Schauspielerinnen jenseits der 50 viel schwerer an gute Rollen kommen und meist schlechter verdienen als männliche Kollegen. "Mir ist es wichtig, mich hier als Mann zu positionieren und auf eine Gerechtigkeitslücke hinzuweisen", so der Berliner, der von 1992 bis 1995 an der Otto-Falckenberg-Schule München Schauspiel studierte und 1996 am Staatstheater Mainz sein erstes Engagement hatte.

Zum Ende des Gesprächs, das wegen der Corona-Epidemie am Telefon stattfindet, kommt Johann von Bülow nochmal auf die neue Folge von "Herr und Frau Bulle" zu sprechen. Auch im dritten Fall des gegensätzlichen Ehepaars Wills ist Gattin Yvonne (Alice Dwyer), eine Kriminalhauptkommissarin, nicht davon begeistert, mit ihrem Mann Heiko (Johann von Bülow) gemeinsam zu ermitteln. Dem gefällt es dagegen, in der Nähe seiner Liebsten zu arbeiten. Doch beide haben unterschiedliche Arbeitsweisen. Außerdem verbirgt Yvonne vor Heiko ein Geheimnis über ihre Herkunft.

Die Szenerie spielt u.a. in der Berliner Müllmafia. Es ist ein Fall, der offenbar nicht völlig an den Haaren herbeigezogen ist. "Mit der Entsorgung von Müll ist viel Geld zu verdienen, was sicher auch Verbrecher anzieht, die Müll auf illegalen Deponien in Brandenburg entsorgen", so Johann von Bülow. Nach Recherchen von Drehbuchautor Axel Hildebrand soll es etliche ungenehmigte Müllhalden im Berliner Umland geben.

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